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Matthias Schweighöfer - für Vater-Rollen zu jung

Seit einem halben Jahr ist der Schauspieler Matthias Schweighöfer Vater. Eine neue Rolle für ihn. Trotzdem ist er derzeit gehäuft im Kino zu erleben: "Zweiohrküken" und "12 Meter ohne Kopf" sind gerade angelaufen, der nächste Film startet im Januar. Mit Morgenpost Online sprach der 28-Jährige über Rollenangebote und sein Regiedebüt.

Foto: M. Lengemann

Morgenpost Online: Drei Filme in sechs Wochen. Haben Sie nicht Angst, dass die Leute Sie satt bekommen?

Matthias Schweighöfer: Kann ich nicht sagen, das wird man jetzt beobachten müssen. Manche Leute mögen das nicht, aber es hat auch eine gewisse Stärke. Aber darauf hat man sowieso keinen Einfluss.

Morgenpost Online: Überraschenderweise spielen Sie in keinem dieser Filme die Hauptrolle.

Schweighöfer: „Zweiohrküken“ ist ganz klar Nora Tschirner und Til Schweiger, das ist richtig. Aber bei „12 Meter ohne Kopf“ ist es schon so, dass ich irgendwann die Figur des Klaus Störtebeker übernehme. Und in „Friendship!“ gibt es doch zwei gleichwertige Rollen.

Morgenpost Online: Ist es angenehm, nicht immer die ganze Last auf den eigenen Schultern tragen zu müssen?

Schweighöfer: Und ob. Bei „Friendship!“ war das aber ein sehr junger Kollege, den man mitziehen musste. Also ich bin ja auch noch ein junger Spund, aber der ist halt noch nicht so lange dabei, noch nicht ganz so erfahren. Das war sehr spannend. Das war ja auch der erste Film, bei dem ich in den ganzen Arbeitsprozess involviert war. Dadurch kommt man so in den nächsten Schritt…

Morgenpost Online: … das wäre dann Ihr Regiedebüt.

Schweighöfer: Ich möchte mit einer Komödie starten. Sie wird vielleicht „What a man“ heißen und von Leuten um die 30 handeln, meine Generation. Wir starten ganz klein. Ich mache das mit einem Ko-Regisseur. Das Projekt wurde auf mich zugeschrieben, daher muss ich es auch spielen, da traue ich mir allein eine Regie noch nicht zu.

Morgenpost Online: Zeichnet sich da, nach 12 Jahren vor der Kamera, womöglich ein Wechsel hinter die Kamera ab?

Schweighöfer: Kann schon sein. Zwölf Jahre ist eine lange Zeit, und gerade durch den Kontakt mit Til habe ich viele Anstöße bekommen, zu sehen, wie er das macht. Ich bin jetzt 28 Jahre alt; wer weiß, vielleicht kann ich in den nächsten 12 Jahren in diese Richtung vorbauen.

Morgenpost Online: In „Friendship!“ geht es um zwei Ossis, die sofort nach dem Mauerfall die Staaten bereisen. Sie sind selbst im Osten aufgewachsen…

Schweighöfer: Jawohl.

Morgenpost Online: … waren damals aber erst acht Jahre alt. Das ist für sie vermutlich kein Thema mehr.

Schweighöfer: Naja, einerseits ist es sehr weit weg. Aber durch meine Eltern und Großeltern wird das ja immer wieder an einen herangetragen, ob man will oder nicht. Ich sage es mal so: Ich selber schaue eher filmisch auf diese Zeit.

Morgenpost Online: Kommt der Film jetzt womöglich zu spät, nachdem alle Feiern zu 20 Jahre Mauerfall gefeiert sind?

Schweighöfer: Glaube ich nicht. Es geht ja weniger um den Mauerfall, es ist ein Roadmovie von Kommunisten in der westlichen Welt. Der Film entwickelt eine ganz eigene Energie, der sehr viel über Freiheit und Freundschaft erzählt. Dadurch bleibt der zeitlos. Ich hätte ihn ungern zwischen all den Mauerfallfilmen gesehen.

Morgenpost Online: Gibt es bei Ihnen denn auch solche untrennbare Freundschaften wie im Film, die seit der Schule bestehen?

Schweighöfer: Nein, gar nicht. Ich bin ja gleich nach dem Abi aus meiner Stadt Chemnitz geflohen. Da gibt es also keine Freundschaften mehr. Dafür habe ich mir im Laufe der Jahre bei der Filmarbeit in Berlin ein paar echte Freundschaften erarbeitet. Mit Schauspieler Milan Peschel etwa. Oder mit Andreas Novak, dem Schlagzeuger von Silbermond. Mit denen verbindet mich enorm viel.

Morgenpost Online: Sie sind gerade Vater geworden. Ist das ein Klischee, dass Männerfreundschaften darunter leiden?

Schweighöfer: Im Gegenteil. Milan und Andreas sind beide Paten von Greta. So haben wir einen, der schon ein Kind erzogen hat, und einen, der mit seinen Sticks durch die Hallen dieser Welt stürmt.

Morgenpost Online: Wie hat das Vatersein das Leben verändert?

Schweighöfer: Naja, man schläft weniger. Und macht sich Sorgen, weil man plötzlich Verantwortung hat für jemanden. Es ist aber auch wahnsinnig komisch. Wir lagen heute morgen nackig unter der Decke, einfach mal eine halbe Stunde Körperkontakt. Und wie die Kleine sich freut und das Bett vollpinkelt, da lacht man sich kaputt.

Morgenpost Online: Beeinflusst das Ihre Rollenwahl? Sagen Sie jetzt Angebote ab?

Schweighöfer: Nein, das nicht. Es ist eine Frage des Reisens. Wenn ich jetzt einen Film außerhalb von Berlin drehen sollte, wo ich auch nicht die Möglichkeit hätte, dass die Kleine bei mir ist, dann würde ich schon darüber nachdenken.

Morgenpost Online: Sie sind nicht nur Vater geworden, Sie leben seit kurzem auch auf einem Bauernhof im Umland von Berlin. Kann man da Freundschaften noch pflegen?

Schweighöfer: Na, ich wohne auch immer noch in Mitte. Und ich war wieder einen ganzen Monat nicht draußen, weil ich gearbeitet habe. Aber die Freundschaften haben sich seither eher intensiviert. Da draußen wird immer gekocht, Feuer gemacht, musiziert. Seit ich dort wohne, habe ich viel mehr Kontakt zu meinen Freunden als in Berlin. Das ist wirklich so. Man nimmt sich viel bewusster Zeit als in der Stadt. Und das Schöne, es ist trotzdem nur ne halbe Stunde vom Prenzlauer Berg entfernt. In Los Angeles wärst du da noch nicht mal am Meer.

Morgenpost Online: War das die Verwirklichung eines Traums, der Hof?

Schweighöfer: Klares Ja. Es war auch sehr notwendig, weil es in diesem ständigen Wechsel, den der Beruf diktiert, sehr erdet. Das ist etwas, wohin man zurückkehrt, wo man ankommt.

Morgenpost Online: Sie haben noch nie einen Vater gespielt.

Schweighöfer: Nein. Das kommt jetzt aber bestimmt. Ich sehe ja noch relativ jung aus mit meinem Engelsgesicht, wie die Presse so schön schreibt. Und werde immer noch eher jünger besetzt – was ja auch was für sich hat. Wird ja schnell genug anders werden.

Morgenpost Online: Sie sind aber nicht nur Vater, Sie sind auch Sohn…

Schweighöfer: Klasse Überleitung!

Morgenpost Online: Und Ihre Eltern spielen in „Friendship!“ Ihre Eltern. Ein Insider-Gag?

Schweighöfer: Dafür muss ich mir einfach mal selbst auf die Schulter klopfen, die beiden nach 25 Jahren Scheidung zusammenzuführen.

Morgenpost Online: Fanden Ihre Eltern die Idee denn auch so toll?

Schweighöfer: Meine Mutter musste meinen Vater noch ein bisschen überreden.

Morgenpost Online: Ihre Eltern sind ebenfalls Schauspieler. Tauscht man sich da über die Arbeit aus?

Schweighöfer: Nein, gar nicht. Ich habe meinen Vater seit sechs Monaten nicht mehr gesehen, meine Mutter sehe ich öfter, aber auch sie dreht viel und arbeitet am Theater. Es ist schon so, dass sich jeder auf seine Arbeit konzentriert.

Morgenpost Online: Sind Ihre Eltern Vorbilder für Sie? Oder wollen Sie einfach alles anders machen?

Schweighöfer: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Sie haben viel Scheiße gemacht. Nein, das nehme ich zurück, sie haben viel falsch gemacht. Ich finde es aber gut, dass sie sich getrennt haben. Die beiden zusammen, das wäre schlimm geworden. Aber natürlich war die Trennung damals bescheuert für mich. Ich würde das meinem Kind nicht wünschen, aber wer weiß, vielleicht trennen wir uns auch einmal.