Berliner Konzert

Them Crooked Vultures ergreifen ihre Chance

Supergroups, Bands also, deren Mitglieder anderen berühmten Rockgruppen angehören, haben ein Problem: Die Erwartungen in sie sind ungeheuer hoch – und werden längst nicht immer erfüllt. Anders bei Them Crooked Vultures. Die Band um Haudegen von Queens Of The Stone Age, Nirvana und Led Zeppelin zeigen in der Columbiahalle, was man mit so viel Kompetenz auf die Beine stellen kann.

Foto: Sony

Die Zweifler brachten sich schon in Position. Man hörte sie stöhnen und sagen: Oje, eine Supergruppe! Ihre Skepsis hatte durchaus Berechtigung. Frühere Versuche, prominente Kräfte des Rock zu bündeln, schlugen zumeist spektakulär fehl, da muss man nur an Velvet Revolver, Neurotic Outsiders, The Power Station oder The Firm denken.

Die neueste Supergruppe der Rockmusik aber hat es in sich. Hexenmeister Josh Homme (Queens Of The Stone Age), dessen Adlatus Alain Johannes, Kämpfernatur Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) und Basslegende John Paul Jones (Led Zeppelin) haben den Hardrock zu unterschiedlichen Zeiten geprägt und weiterentwickelt. Nun präsentierten sie sich als Teil der neuen Band Them Crooked Vultures zum ersten Mal in der ausverkauften Columbiahalle.

Relativ schnell wird schnell klar, dass es Sänger und Gitarrist Homme ist, der die Clique anführt. Sein typischer, mit Blues, Boogie, Punk und Psychedelia durchtränkter Stil bildet auch hier die Grundierung. Er kann von Natur aus mit nicht dem Stimmumfang eines Robert Plant oder dem Shouting eines Bon Scott konkurrieren, aber das ist kein Nachteil. Homme gibt sich als zurückhaltender Zeremonienmeister, diese Rolle beherrscht er perfekt. Für Energie und Drive ist ohnehin Schlagzeuger Grohl zuständig. Seine wilden Bewegungen erinnern an den animalischen Trommler aus der Band in der Muppets-Show.

Das Publikum aber hat eine andere Vorliebe und sich eindeutig Jones als Favoriten ausgeguckt. Wenn er seinen Bass ablegt und sich ans Piano setzt, hallt sein Name laut durch die Halle. 63 Jahre ist der Engländer inzwischen alt, aber die lange Karriere im traditionell ungesunden Rock-Umfeld ist scheinbar spurlos an ihm vorübergegangen. Mehr als rüstig trotz er den klimatischen Bedingungen im miefigen Saal.

Jüngst hat er in einem Interview mit dem britischen „New Musical Express“ geschwärmt, dass ihn die Arbeit mit Them Crooked Vultures an die Zeit mit Led Zeppelin erinnere. Und richtig: Damals wie heute hören sich die Songs an, als sei die erste Idee dazu bei einer spontanen Jam-Session entstanden.

Kommerzielles Kalkül kann man hier wahrlich nicht erkennen. In „Caligulove“ wird garstiger Garagenrock mit einem offensiven Orgelsolo und orientalischer Atmo ausgeschmückt. Der Disco-Beat in „Gunman“ geht in die Beine. „Warsaw“ schließlich entwickelt sich zu einem wahren Blues-Marathon. So und nicht anders stellt man sich eine Supergruppe vor, die wirklich was aus den Möglichkeiten macht.