So etwas bekommt man nicht im dunklen Konzertsaal. Hier mal eine Polizeisirene, dort ein Flugzeug im Landeanflug. Oder auch ein überraschender Regenguss von oben. Bei Konzerten unter freiem Himmel wird nach anderen Regeln gespielt. Und dennoch nimmt das Publikum eventuelle Störungen des Musikgenusses gern in Kauf. In einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens GfK zum Konzertverhalten der Konzert- und Veranstaltungsbesucher in Deutschland, steht der Besuch eines Open-Air-Konzerts bei 47 Prozent der Befragten auf Platz zwei der Beliebtheitsliste, gleich hinter Opern-, Konzert- und Theatersälen (65 Prozent). Und kaum eine andere Stadt bietet so viele Möglichkeiten, Musik im Freien zu erleben, wie Berlin.
Das Programm der Waldbühne
An erster Stelle natürlich die Waldbühne, das bis zu 22.000 Besucher fassende Amphitheater im Charlottenburger Westen, seit dem vergangenen Jahr unter neuer Leitung. Auch die zweite Saison des neuen Pächters Eventim ist – wenn nicht noch einige Überraschungen aus dem Hut gezaubert werden – übersichtlich.
Sechs Veranstaltungen stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Eröffnet wird die Saison am 8. Juni um 17 Uhr von US-Rocksängerin Pink mit ihrer „Funhouse Summer Carnival“-Show. Am 27. Juni um 20.15 Uhr treten die Berliner Philharmoniker zu ihrem traditionellen Waldbühnen-Konzert an, „Klassik unter Sternen“ bringt am 14. August um 20 Uhr das City of Birmingham Symphony Orchestra unter Andris Nelsons mit Gästen wie der Pianistin Hélène Grimaud nach Berlin. Weitere Termine sind „Die drei ???“ (21. August), Dieter Thomas Kuhn (28. August) sowie die A-Cappella-Truppe Wise Guys (18. September).
Das Programm der Wuhlheide
Eröffnet wird die Open-Air-Saison 2010 bereits vom 21. bis 23. Mai in der Kindl-Bühne Wuhlheide mit drei Konzerten der Berliner Rockband Rammstein. Die ersten beiden Abende sind bereits ausverkauft. Wie es auch für das Wuhlheide-Konzert von Crossover-Geiger David Garrett am 8. Juni bereits keine Tickets mehr gibt. Auch für die Wuhlheide gilt: das Angebot ist übersichtlich. Weitere Termine sind das Berliner Rundfunk 91,4 Open Air (19. Juni), Pearl Jam (30. Juni, ausverkauft), Wuhlheide Open Air (3. Juli), Ich+Ich (28. August) und Ost-Rock Klassik (11. September).
Das Programm auf der Zitadelle Spandau
Umso üppiger fällt auch in diesem Jahr das „Citadel Music Festival“ aus, das am 30. Mai mit einem Konzert des Berliner Elektronikmusikers Schiller eröffnet wird. Rund 20 Konzerte stehen auf dem Plan, obwohl es durch Lärmbeschwerden eines Anwohners zu Einschränkungen kommt. So darf bei den Konzerten nicht die volle Lautstärke gefahren werden und sie müssen bis 22 Uhr beendet sein.
Dafür hat sich das Zitadellen-Festival, das inzwischen zum fünften Male stattfindet, längst als eine der schönsten Konzertstätten Berlins etabliert. Und bietet Highlights wie die US-Rockband Gossip um Sängerin Beth Ditto (2. Juni, 19 Uhr), Berlins Vorzeige-Rapper Bushido (4.6., 19 Uhr), Rocklegende Patti Smith & Band (5. Juli, 19 Uhr), die rüden Wüstenrocker Queens of the Stone Age (24. August, 18 Uhr) oder die wieder erstarkte Ostrock-Formation Silly mit Sängerin Anna Loos (27. August, 19 Uhr).
Ein sommerliches Highlight dürfte am 15. Juli um 21.30 Uhr die Aufführung des Horror-Klassikers „Dracula“ mit Bela Lugosi werden. Philip Glass, einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten, hat zu dem Film von 1931 einen neuen Soundtrack komponiert. Das Kronos Quartet wird diese Musik zusammen mit dem Komponisten Philip Glass unter der Leitung des Dirigenten Michael Riesman live zu dem Film aufführen.
Das Programm auf dem Gendarmenmarkt
Fans leichter Klassik kommen beim „Classic Open Air“-Festival auf dem Gendarmenmarkt wieder auf ihre Kosten. Zur Eröffnung am 15. Juli um 19.30 Uhr lädt Herbert Feuerstein ein zur „First Night – The Best Of Classics“, einem Wunschkonzert mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau, dem Berliner Konzertchor und Solisten – Lasershow und Feuerwerksfinale inklusive. Tags darauf stehen „Welterfolge der italienischen Oper“ auf dem Programm mit Lucia Aliberti, Egill Palsson und dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt /Oder. Es gibt eine Tschaikowski-Sommernacht (17. Juli), eine Swing-Nacht (18. Juli) und eine Nacht der Filmmusik (19. Juli)
Das Programm auf dem Bebelplatz
Inzwischen auch eine sommerliche Tradition ist „Oper für alle“ auf dem Bebelplatz, das Saisonabschlusskonzert der Staatsoper Unter den Linden, die sich damit auch für die nächsten drei Jahre ins Schiller-Theater verabschieden wird. Am 5. Juni wird „Eugen Onegin“ in der Premierenbesetzung mit René Pape, Anna Samuil, Rolando Villazón und anderen unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim live auf den Bebelplatz übertragen. Und am 6. Juni dirigiert Daniel Barenboim live auf dem Bebelplatz die Staatskapelle beim großen Abschlusskonzert mit Tschaikowskys 4. Sinfonie.




