Berliner Ausstellung

Das Filmmseum erklärt den Mythos Romy Schneider

Auf der einen Seite war sie "Sissi" und wird es immer bleiben, das lässt sich nicht bestreiten. Romy Schneider wollte aber anders sein, anders heißen. Das Filmmuseum zeigt nun in einer großen Ausstellung die vielen Seiten und Lebensstationen der Schauspielerin.

Nicht Romy, Ro-Marie. Als Romy sprach sie jeder Wildfremde auf der Straße an (wenn er nicht gleich „Sissi“ sagte), Ro-Marie aber war der Name, mit dem Romy Schneider persönliche Briefe unterschrieb, wie man in der schönen Ausstellung „Romy Schneider. Wien – Berlin – Paris“ entdecken kann, die Freitagabend im Berliner Filmmuseum eröffnet wurde. Ro-Marie, das ist nicht mehr ganz der Mädchenname, mit dem sie schon im Internat gerufen wurde, aber auch nicht der ganz ausführliche Taufname Rose-Marie, aus dem er sich herleitete. Eine Zwischenform zwischen erwachsener und persönlicher Form. Ganz so hält es auch die Ausstellung, die eine Zwischenform sucht zwischen dem Mythos Romy und der Frau dahinter, zwischen dem Oeuvre und dem Privatleben.

Angedacht war die Ausstellung schon fürs vergangene Jahr, in dem La Schneider 70 Jahre alt geworden wäre. Das hat aus finanziellen Gründen leider nicht geklappt. Stattdessen ist die Ausstellung, auch das ist ja mal schön, vollkommen anlass-frei. Und kommt ganz zufällig doch in eine Romy-Stoßzeit: Eben erst wurde die Filmbiographie „Romy“ mit Jessica Schwarz in der ARD ausgestrahlt, am 17. und 20. Dezember folgt das „Sissi“-Remake mit Cristiana Capotondi im ZDF. Die von der Berliner Filmwissenschaftlerin Daniela Sannwald kuratierte Ausstellung bildet sozusagen das Scharnier.

Eingeteilt ist die Sonderausstellung des Filmmuseums in fünf Abschnitte. Der erste heißt „Tochter“– und zeigt ergo, welchen Einfluss Romys Mutter Magda Schneider sowie ihr Stiefvater auf sie und ihre Rollenauswahl ausübten. Teil zwei zeigt den „Aufbruch“, der auch ein Ausbruch war: als Romy dem deutschen Film und der Mami nach Frankreich entfloh. Es war eine wilde Experimentierphase, in der sie auf der Bühne stand, für internationale Großprojekte gedreht und sich aus als Komödiantin versucht hat. Die vielleicht am wenigsten dokumentierte Phase ihres Lebens. Raum Drei, „Weltstar“, dokumentiert ihren Triumph im französischen Kino der siebziger Jahre. Raum Vier „Zerstörung“ zeigt all die verzweifelten, ausgebeuteten, bedrohten Figuren, die sie am Ende ihrer Karriere gespielt hat.

Raum Fünf, auch räumlich von den anderen getrennt, umreißt den „Mythos“ Romy. Und verknüpft ihn mit dem Mythos Sissi. Da werden nicht nur die Filmausschnitte und -plakate von der „Sissi“-Trilogie gezeigt, sie werden konterkariert und kommentiert mit Viscontis Film „Ludwig II.“, in dem sie noch einmal die Hassrolle gespielt hat, aber als erwachsene, reife, auch kaltherzige Elisabeth. Der Sissi-Mythos wird aber eingebettet in einen anderen: den nämlich, den schon die echte Kaiserin erlebt hat. Ein Fan-Paravent aus Nussbaum, vollgeklebt mit Fotos der echten „Sissi“ zeigt, dass das Starwesen kein Pop-Phänomen ist, sondern schon viel früher griff. Ein schwarzes Reisekleid der Kaiserin ist gleich neben jenem Kleid zu sehen, dass Romy bei der Krönungsszene von „Sissi“ trug. Daneben stehen zwei Kostüme, die Jessica Schwarz und Cristiana Capotondi trugen.

275 Exponate sind insgesamt zu sehen: Filmplakate, Drehbücher, viele persönliche Requisiten und ja, auch das gibt es immer noch trotz aller Bildbände: unbekannte Fotos bekannter Fotografen. Das persönliche Lieblingsexponat der Kuratorin: ein italienisches Plakat des französischen Films „Das alte Gewehr“, das – Original deutsch – „Frau Marlene“ heißt. Romy Schneider hieß in dem Film zwar Clara, aber bei Nazis hatten die Italiener wohl einen anderen deutschen Star im Sinn. Unser persönliches Lieblingsexponat: Hildegard Knefs „Romy“-Biographie – das persönliche Exemplar von Marlene Dietrich, auf das sie mit Silberstift (auf Englisch) schrieb: „Hoffentlich schreibt sie nie über mich.“

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