Jedermann-Premiere

Wie Katharina Witt auf dem Tisch tanzt

Die Buhlschaft tanzt wieder. Zur 23. Berliner "Jedermann"-Inszenierung hat Katarina Witt unter Applaus ihr Bühnendebüt gegeben. Und die ehemalige Eisprinzessin war nicht die einzige, die der Premiere im Berliner Dom aufgeregt entgegen fieberte.

Wenn das kein gutes Omen ist: Schauspieler Rüdiger Joswig (60), in diesem Jahr zum ersten Mal der Hauptdarsteller in Brigitte Grothums „Jedermann“-Inszenierung, bekam von seiner Ehefrau Claudia Wenzel einen kleinen Keramik-Engel als Glücksbringer für die Premiere. Das Kleinod stellte sich Joswig gestern Abend kurz vor Beginn der Vorstellung auf seinen Garderobentisch im Berliner Dom. Nein, er sei kein Sammler von Engeln, „aber ich fand das Geschenk gerade für dieses Stück sehr passend“, sagte seine Frau, die ebenfalls Schauspielerin ist. Sie war am Donnerstag so aufgeregt, dass sie morgens keinen Bissen essen konnte. Das Künstler-Ehepaar war beim Frühstücken getrennt, weil Claudia Wenzel in Mecklenburg-Vorpommern TV-Aufnahmen für ein SOS-Kinderdorf-Projekt hatte und erst im Laufe des Tages nach Berlin zurückfuhr.

Abends brachte sie ihm außerdem eine rote Rose mit. Auch ihre Eltern, Manfred und Nelly Wenzel, drückten dem Schwiegersohn die Daumen. „Wir sind extra aus der Lutherstadt Wittenberg zur Berliner Premiere gekommen“, sagte Manfred Wenzel und ergänzte: „Meine Tochter hat in Heppenheim auch schon einmal die Buhlschaft gespielt, trug damals auch ein rotes Kleid wie Katarina Witt heute Abend.“

Mit der Ex-Eisprinzessin, die als Buhlschaft zugleich ihr Bühnen-Debüt gab, fieberten vor allem Musikproduzent Jack White und seine Frau Janine mit. Letztere war dreimal bei den Proben dabei gewesen, sagte bewundernd: „Für mich ist Kati die beste Buhlschaft, die ich bisher gesehen habe.“ Kati Witt und Janine White (die im Sommer auch in Salzburg eine Jedermann-Aufführung gesehen hat) sind seit 16 Jahren befreundet. „Natürlich sind wir nur ihretwegen gekommen“, sagte das Ehepaar White.

Claudia Wenzel drückte noch für eine weitere Darstellerin die Daumen – für Ursula Karusseit (70), mit der sie vor wenigen Wochen für neue Folgen der ARD-Arztserie „In aller Freundschaft“ vor der Kamera stand. Wegen der Dreharbeiten konnte Karusseit, die „Jedermanns“ Mutter verkörpert, nur am Wochenende bei den Berliner Theaterproben dabei sein. Ähnlich ging es Joswig, der in Schleswig-Holstein für die ZDF-Krimiserie „Küstenwache“ als Kapitän Ehlers weitere Folgen dreht. Ein Drehtag steht noch aus. „Am Sonntagabend fährt er mit dem Zug nach Hamburg, dreht Montagmorgen und fährt zur Abendvorstellung im Berliner Dom wieder zurück“, erzählt seine Frau.

Schauspieler Nicolai Tegeler, Darsteller von „Jedermanns guter Gesell“, ist erleichtert, dass sich seine Lebensgefährtin Iris nicht zur gestrigen Premiere, sondern erst am Wochenende zur Vorstellung angemeldet hat. „Dann bin ich eingespielter und nicht mehr so nervös.“ Im Übrigen ist er froh, dass seine Freundin (arbeitet in der Praxis eines Augenarztes) nicht aus der Schauspielbranche stammt. „Es kann zu Spannungen in der Beziehung kommen, wenn einer der Partner bessere Angebote hat“, sinniert Tegeler, der zum zweiten Mal bei den Berliner „Jedermann“-Festspielen dabei ist. Er wurde bereits Ende der 90er-Jahre von Brigitte Grothum entdeckt. „Damals ging ich noch zur Schauspielschule, war mit einem Freund in einer ,Jedermann'-Aufführung. Wenig später sprach ich Brigitte Grothum im Wohnzimmer ihres Zehlendorfer Hauses vor, wurde schließlich für eine gekürzte Kinder-Inszenierung des ,Jedermann' engagiert.“

Für Lacher sorgt Schauspieler und Kabarettist Herbert Feuerstein (71, „Schmidteinander“), wenn man ihn auf seine kleine, aber wichtige Rolle des „Teufels“ anspricht. „Es ist gerade die Kapazität dessen, was ich mir an Text merken kann.“ Wie Feuerstein, ist auch der Entertainer Robert Kreis („Mammon“) erstmals dabei. Unmittelbar vor der Premiere sagte Feuerstein: „Natürlich ist die Atmosphäre hier im Dom eine ganz besondere. Und da es keinen Theater-Vorhang gibt, ist man sozusagen mittendrin im Geschehen.“

Für Brigitte Grothum ist es übrigens schon die 23. „Jedermann“-Inszenierung, davon seit 17 Jahren im Berliner Dom. Sie holte das – am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführte – Stück als Produzentin, Regisseurin und Schauspielerin 1987 zurück an die Spree.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.