O2 World

Kiss schießt aus allen Rohren - Konfetti

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Mchael Hufnagel

Hardrock hat es schwer in diesem Jahrtausend. Das ist gut für die legendären Bands der Vergangenheit, die sich so etwas leichter mit ihrer phonestarken Musik in Erinnerung bringen können. Die Gruppe "Kiss" hat das am Mittwoch getan - in der O2 World.

Das vergangene Jahrzehnt war nicht das beste für den Hardrock. Kaum einer neuen Band gelang es, die Allgemeinheit in den phonstarken Bann zu ziehen. Umso mehr Gelegenheit hatten die klassischen Bands des Genres, in die Lücke zu stoßen und ein Comeback zu probieren. Metallica magnetisieren nach einer Schwächephase erneut die Massen, AC/DC räumen gerade mächtig ab und Kiss machen auch wieder das, was sie am besten können: Sie bitten zum ultimativen Trommelfelltest, dieses Mal in der 02 World.

Kaum hat ihr Konzert begonnen, detonieren schon die ersten Böller, fliegen die ersten Funken und sprühen die Feuerfontänen. Niemand soll denken, dass diese tolldreisten Gesellen nicht alles tun, um das Motto ihrer Tournee („Sonic Boom Over Europe“) ganz schnell Wirklichkeit werden zu lassen.

Böller, Funken und viel Lärm

Außerhalb ihres harten Fan-Kerns, der „Kiss Army“, sind die vier Musiker traditionell umstritten. Für die einen liefern die New Yorker nur übertrieben lauten Kalauerrock ab, für die anderen sind die maskierten Männer auf ihre Art große und zeitlose Unterhaltungskünstler, gar eine hartnäckige Antithese gegen künstlerische Kopfanstrengung.

Als objektiver Besucher des Live-Auftritts ist man schnell geneigt, sich letzterer Gruppe anzuschließen. Es hat sicher viele Bands mit besseren Songs und versierteren Musikern gegeben, aber im Ambiente einer Arena spielen Kiss ihre Qualitäten als Showmänner aus.

Eine Detonation nach der anderen

Bassist Gene Simmons, 60, präsentiert sich wie gewohnt als zungenfletschender Diabolus, spuckt auch schon mal Blut und lässt sich an Fäden über die Bühnenbeleuchtung hieven, von wo aus er die Leute zum Johlen animiert und „I Love It Loud“ zelebriert. Sänger Paul Stanley, das zweite verbliebene Gründungsmitglied, zeigt stolz seinen behaarten Oberkörper, kreischt im Alter von 58 Jahren immer noch herrlich überzogen, rauscht bei „I Was Made For Loving You“ per Seilzug über das Publikum hinweg und liefert für kurze Zeit im hinteren Teil des Saals eine Soloshow ab.

Der auffällig gute Leadgitarrist Tommy Thayer und Schlagzeuger Eric Singer dürfen sich ebenfalls getrennt in Szene setzen. Sie liefern sich auf hochgefahrenen Podesten ein Duell an den Instrumenten, stets begleitet von pyrotechnischen Knallbonbons.

Am Ende kommt es ganz dick. Stanley löst eine Detonation nach der anderen aus und allen Rohren regnet es Konfetti. Dazu verabschieden sich Kiss mit der ewigen Ode an die Vorzüge der Parallelgesellschaft: „I wanna rock and roll all nite and party every day.“ Entwaffnende Simplizität von unverwüstlichen Spaßkanonen.