Sie haben nach Jahren des Dauertanzens und Abfeierns auf Partymeilen wieder Gefühl in die elektronische Musik zurückgebracht. Sie koppeln sich mit ihrer Musik von irdischen Irrungen und Wirrungen ab und entschweben sanft in die Galaxien des Glücks. Mehrfach schon sind Air in Berlin gelandet und haben vor ausverkauftem Haus gespielt. Dieses Mal war es wieder voll, als Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin in Huxley’s Neuer Welt zum Gastspiel erschienen.
Während der 15-jährigen Karriere dieses Duos hat es verschiedene Epochen gegeben, auch düstere. Zurzeit scheinen sie die Musiker aus Versailles aber wohl zu fühlen. Ihr jüngstes Album heißt „Love 2“ und enthält geschmeidige und sphärische Musik, die zum intimen Beisammensein animiert. Normalerweise sind das nicht die besten Voraussetzungen für ein Konzert, aber Dunckel und Godin tun schon einiges, damit ihre Songs beim stehenden Zuhörer eine Wirkung hinterlassen.
Das liegt zum Beispiel am amerikanischen Schlagzeuger Joey Waronker. Dessen oft an HipHop-Muster angelehnte Rhythmen verleihen der Musik willkommene Schubwirkung. Das liegt aber auch am perfekten Live-Sound. Jedes Zischen der analogen Synthesizer, jeder Vocoder-Laut, jeder Bassakkord und jedes Patschen des Schlagzeugbeckens kommt ungemein klar herüber. Auch die visuelle Untermalung, zu der die Grafik eines uralten Computerspiels von Atari gehört, sorgt für eine Belebung der Sinne.
„Do The Joy“ heißt das erste Stück auf dem neuen Album und mit ihm beginnt der Auftritt auch. Dunckel, ganz in Weiß gewandet, greift in die Tasten, erhebt seine jungenhaft wirkende Stimme und schon fühlt man sich in die Jahre unbekümmerter Naivität versetzt, die wir alle mal durchlebt haben. An anderen Stellen klingen die Songs auch schon mal schroff und kantig. Air haben jetzt einen Weg gefunden, den früher tunlichst gemiedenen Rock in ihre Welt zu integrieren, ohne dass er gleich Flurschaden anrichtet. Unter dem Strich bleibt die Band aber schon bei ihren bekannten Einflüssen, bei den elektronischen Landschaften von Tangerine Dream und Vangelis, der Erotik eines Serge Gainsbourg, kosmischen Disco-Ausflügen und bei den kolossalen Klangebilden von Pink Floyd.
Air spielen etwas über eine Stunde. In der kurzen Zeit sind sie bemüht, einen repräsentativen Querschnitt ihres Schaffens vorzustellen. Wieder einmal merkt man, dass dem Publikum die Stücke aus dem sagenhaften Debütalbum „Moon Safari“ am liebsten sind, dem Jubel nach zu urteilen. „Kelly Watch The Stars“ und „Sexy Boy“ erinnern an Zeiten, als man glaubte, die Zukunft des Pop liege in Frankreich. Ganz so ist es dann nicht gekommen. Air fühlen sich dem entspannten Eskapismus eindeutig mehr verpflichtet als kommerziellen Interessen. Wer das akzeptiert, hat mit ihnen nach wie vor eine angenehme Reise.




