Auszeichnung

Berlin-Revue "Linie 2" erhält Friedrich-Luft-Preis

Mit der Fortsetzung des Dauerbrenners "Linie 1" hat das Grips Theater eine turbulente Revue auf die Bühne gebracht, in der sich das Haus mit einer gehörigen Portion Ironie selbst auf die Schippe nimmt. Dafür wird das Stück mit dem diesjährigen Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Regisseur Rüdiger Wandel ist vielen allerdings von einer ganz anderen Rolle bekannt.

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Wer ein Bild von ihm sieht, erkennt ihn sofort wieder: Rüdiger Wandel spielte 16 Jahre lang den Assistenten von Kommissar Bienzle im SWR-„Tatort“ – und ist außerdem in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen. Wandel, 1953 in Göttingen geboren, lebt schon lange in Berlin. 1980 kam er zum Grips Theater, spielte später am Schiller-Theater (u.a. in der legendären Thalbach-Inszenierung „Die Tragödie des Macbeth“) und an anderen Häusern, kehrte aber immer wieder zum Grips zurück, vorzugsweise als Regisseur. Seine jüngste Inszenierung „Linie 2 – Der Alptraum“ wird am Sonntagabend mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet.

Morgenpost Online: Wer hatte eigentlich die Idee zu „Linie 2“?

Rüdiger Wandel: Die Idee, eine Geschichte um den „Jungen in Hut und Mantel“ zu bauen, war von Volker Ludwig. Der Titel „Linie 2 – Der Alptraum“ war dann unser gemeinsamer Wunsch, um uns endlich der immer wiederkehrenden Frage zu erwehren: „Wann kommt denn endlich der Nachfolger von „Linie 1“? Oder bei jeder neuen Inszenierung „Ist das jetzt die ,Linie 2'? ein für allemal zu beantworten.

Morgenpost Online: Das Stück haben Sie gemeinsam mit dem Hausherrn Volker Ludwig geschrieben. Wie muss man sich das praktisch vorstellen?

Rüdiger Wandel: So etwas geht nicht mit zumailen, das geht nur, indem man voreinander sitzt und sich jede Menge erzählt. Das Schreiben fällt dann eher leicht, wenn man viele Möglichkeiten des Stoffes im Kopf hat. Die wirkliche harte Arbeit ist das spätere Feilen an Dialogen oder Formulierungen. Häufig merkt man dann erst, dass einiges mit den Figuren oder der Handlung leider so nicht funktioniert.

Morgenpost Online: Wird das Stück im Probenprozess noch verändert?

Rüdiger Wandel: So wie sich Berlin verändert, so verändern sich auch die Stücke. Diese Aktualisierung ist ein essenzieller Bestandteil der Arbeit an Grips-Stücken und auch der Grund für deren Erfolg.

Morgenpost Online: Sie selbst sind Schauspieler, haben seit 1992 insgesamt 16 Jahre lang den Kommissar Günter Gächter, den Assistenten von Bienzle im gleichnamigen „Tatort“, gespielt. Waren Sie nach so langer Zeit froh auszusteigen?

Rüdiger Wandel: Ehrlich gesagt nein. Auch wenn man immer sagt, es sei richtig aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Die „Tatorte“ haben mir immer große Freude gemacht, da wir in der Regel maximal zwei Filme im Jahr gedreht haben, konnte man dieser Arbeit nicht überdrüssig werden.

Morgenpost Online: Die Krimi-Reihe zählt zu den Top-Quotenbringern im Fernsehen.

Rüdiger Wandel: Ja, der „Tatort“ hat einen phänomenal guten Sendeplatz – Sonntagabend.

Morgenpost Online: Schauen Sie sich privat gelegentlich auch mal einen „Tatort“ an?

Rüdiger Wandel: Aber natürlich.

Morgenpost Online: Im Schauspielerprofil werben Sie damit, dass Sie nicht nur Sportboote, Pkw, Motorräder und Lkw fahren, sondern auch Kettenfahrzeuge.

Rüdiger Wandel: Ich habe alle Führerscheine für Panzer und LKW bei meinem „Gastspiel“ bei der Bundeswehr gemacht.

Morgenpost Online: Gibt es Präferenzen? Welche Fahrzeuge bewegen Sie denn nun am liebsten?

Rüdiger Wandel: Ein schönes Sportboot auf Berliner Gewässern, oder auch um Sardinien herum.

Morgenpost Online: Aber zurück zum Theater: Volker Ludwig kennen Sie seit 30 Jahren, haben am Grips Theater als Schauspieler angefangen.

Rüdiger Wandel: Das war die Uraufführung des Stücks „Stärker als Supermann“ von Roy Kift. Ein Stück, das uns zu zahlreichen Gastspielen in ganz Europa brachte.

Morgenpost Online: Warum wollten Sie an das Haus?

Rüdiger Wandel: Die Entscheidung Kinder- und Jugendtheater zu machen, fiel schon an der Schauspielschule und war damals eher eine politische. Ich wollte unter keinen Umständen in den Kunstbetrieb des bürgerlichen Stadt- oder Staatstheaters gehen. Also galt meine Suche freien Produktionen und gutem Kinder- und Jugendtheater, das in der Regel Mitte der siebziger Jahre eher noch aus Märchen oder aus Kinder verblödenden Stoffen bestand. Auch wenn sich meine rigorose Haltung mit den Jahren verändert hat, sehe ich im Kinder- und Jugendtheater den höheren Stellenwert, auch wenn wir Theatermacher dafür häufig belächelt werden.

Morgenpost Online: Später haben Sie am Grips auch inszeniert, beispielsweise das Stück „Eins auf die Fresse“ – das bereits mit dem Friedrich-Luft-Preis 1996 ausgezeichnet wurde.

Rüdiger Wandel: Der Preis für „Eins auf die Fresse“ war mir eine ganz besondere Freude, da das Stück einige Startschwierigkeiten hatte, weil es thematisch sehr komplex war und niemand wusste, wie der Stoff bei Jugendlichen ankommen würde. „Fresse“ läuft jetzt seit 1996 und ich werde in der nächsten Woche eine neue Version mit einem neuen Ensemble auf die Bühne bringen.

Morgenpost Online: Leider können Sie nicht zur Verleihung des Friedrich-Luft-Preises kommen, weil Sie anderswo auf der Bühne stehen. Was steht auf Ihrem Programm?

Rüdiger Wandel: Das Stück heißt „Chorprobe“ und ist eine Eigenproduktion, die wir – also Hans Werner Kraehkamp, Ilona Schulz, Petra Zieser und ich – schon im Jahr 2000 sehr erfolgreich in der Bar jeder Vernunft gespielt haben. Seit 2007 sind wir damit zwei Mal im Jahr auf Tournee, diesmal stehen 32 Vorstellungen an. Jeden Abend an einem anderen Ort in Deutschland oder der Schweiz. Das kann alles ganz schön anstrengend sein.