Friedrich-Luft-Preis

Grips Theater erhält Preis für seine eigene Linie

Für "Linie 2", zugleich Fortsetzung und Parodie des Klassikers "Linie 1", ist das Grips Theater mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet worden. Das Stück ist tytpisch Grips Theater: ein Autoren-Stück, ein Schauspieler-Stück und auch ein Wohlfühlstück.

Foto: Sergej Glanze

Eigentlich war es eine ganz normale Repertoire-Vorstellung im Grips Theater. Ausverkauft, klar. Aber gleichzeitig war es eine ganz besondere: Nach der Aufführung von „Linie 2 – Der Alptraum“ am Sonntag wurde die Inszenierung mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Für die Zuschauer gab es ein Glas Sekt in der Pause und eine Blume zum Abschied. Für das Ensemble und die Musiker Blumensträuße. Grips-Chef Volker Ludwig nahm den Preis entgegen. „Wir freuen uns und sind stolz“, sagte er und kündigte an, das Preisgeld „so anzulegen, dass alle im Team etwas davon haben.“ Ludwig sprach auch für Rüdiger Wandel, denn der „Linie 2“-Regisseur, selbst auch Schauspieler, konnte zur Verleihung nicht kommen, weil er auf einer Tournee durch Deutschland und die Schweiz anderswo einen Auftritt hatte.

Aber Grips-Gründer Volker Ludwig war schon der richtige Adressat. Denn die achtköpfige Jury des Friedrich-Luft-Preises hatte in ihrer Begründung ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass nicht nur die Inszenierung ausgezeichnet wird, sondern gewissermaßen auch die Gesamtleistung des Grips Theaters. Deshalb wurde der mit dem Preis verbundene Scheck in Höhe von 7500 Euro geteilt.

Die beiden „Linie 2“-Autoren Volker Ludwig und Rüdiger Wandel haben die Revue zum 40. Geburtstag des Grips-Theater im vergangenen Jahr verfasst. Auch, weil so viele Leute sie mit Fragen nach einer Fortsetzung des Grips-Klassikers „Linie 1“ so genervt haben: „Aber die kann es natürlich nicht geben, alle Grundsituationen sind schon drin, man kann es nicht mehr besser machen“, davon sind beide überzeugt. Deshalb ist „Linie 2“ auch eine Parodie. Mit viel Selbstironie lassen die Autoren die Grips-Geschichte Revue passieren, da erklingen nicht nur die legendären Mutmachlieder in einem völlig anderen Kontext, da weht der Geist der legendären „Wilmersdorfer Witwen“ in den Osten und der kaum minder populäre Leoparden-Tanga aus „Baden gehen“ bekommt eine neue Auftrittschance. Sehr zur Freude des Publikums.

Die Jury des Friedrich-Luft-Preises der Berliner Morgenpost bezeichnete in ihrer Begründung die Revue als „sowohl selbstironischen wie selbstbewussten Rückblick auf 40 Jahre Grips Geschichte“. Das 1969 von Volker Ludwig gegründete generationsübergreifende Theater „bleibt sich auch im Wandel der Zeiten stets der eigenen Linie treu. ,Linie 2’ verdeutlicht nachhaltig, was Berlin dem Grips Theater zu verdanken hat.“

Jury-Mitglied Martin Linzer hielt im Anschluss an die Aufführung die Laudatio und erinnerte auch an die Geburtsstunde der ausgezeichneten Revue. „Schon aus haushaltspolitischen Gründen konnte es nicht genügen, nur einen bunten Abend zum Jubiläum zu arrangieren, es musste schon ein repertoirefähiges Stück her. Das Ergebnis könnte man eine Paraphrase nennen, eine Parodie, einen Kommentar zu „Linie 1“, das ist es alles auch, aber vor allem ist es ein typisches Grips-Gewächs, eine starke, natürlich Berliner Geschichte mit vitalen Figuren, mit vollem Engagement inszeniert und gespielt, die – so ganz nebenbei – auch 40 Jahre Geschichte dieser Bühne reflektiert, vor allem durch die Lieder und Songs.“

Hochburgen des Regietheaters stehen anderswo in der Stadt, einen charmanten Seitenhieb darauf verteilte Martin Linzer in seiner Laudatio: „Das Grips-Theater war immer zeitgeistresistent und an Moden uninteressiert. Es war in seiner Frühzeit politischer Verleumdung ausgesetzt und auch heute gelegentlich dem Vorwurf, altmodisch zu sein. Aber solange es seine Lebendigkeit, Frechheit und seine Angriffslust nicht verliert, darf es getrost ,altmodisch’ sein, darf es das Naserümpfen selbsternannter Trendsetter ebenso ignorieren wie Rezepte aus angesagten Performance-Laboren. Auch wenn es sich immer wieder neuen Anforderungen stellen musste, wurde es sich selber nie untreu. Stur beharren sie auf ihren Zielen: ,Wirklichkeit zeigen, Lebensperspektiven entwerfen, Mut machen.’“

Linzer erinnerte auch an die politisch turbulenten Zeiten: „Einem aus den 70ern stammenden Vorschlag aus einschlägiger Quelle, doch bitteschön ,rüberzugehen’, ist Hausherr Volker Ludwig übrigens gefolgt, wenn auch mit Verspätung. Er hat kürzlich eine Dependance im Ostsektor aufgemacht, im Podewil. Das hieß früher mal Haus der jungen Talente, und das wird es ja nun auch wieder werden. Die Bühne am Hansaplatz, das Stammhaus, garantiert auch räumliche Nähe zum Publikum. Schauspieler und Zuschauer begegnen sich auf Augenhöhe, das schafft Vertrauen. Da es neue, stets aktuelle Stücke spielt, ist das Grips natürlich auch ein Autoren-Theater, aber in erster Linie ist es ein Schauspieler-Theater. Ein Regie-Theater war es nie. Und ein Wohlfühl-Theater ist es sowieso.“