Wer aus solch einem Fundus schöpfen kann, darf sich glücklich schätzen: Ulrich Khuon, seit vergangenen Sommer Intendant des Deutschen Theaters, hat nicht nur das halbe Ensemble des Hamburger Thalia Theaters - seines vormaligen Arbeitgebers - mitgebracht, sondern auch ein paar der gelungensten Inszenierungen. Vorzugsweise von Regisseuren, die durch den Personalwechsel jetzt ohnehin eine größere Rolle in Berlin spielen. Ein kluger Schachzug, denn so kann der Intendant seinen Spielplan mit relativ bescheidenem Aufwand attraktiv erweitern - und beschert dem Berliner Publikum einige der interessantesten Hamburger Produktionen, die jetzt ohne eine mehrstündige Anfahrt zu sehen sind.

Michael Thalheimers "Herr Puntila und sein Knecht Matti" machte den Anfang, zu den Autorentheatertagen kam Anfang April Andreas Kriegenburgs "Das letzte Feuer" von Dea Loher hinzu. Den vorläufigen Abschluss dieses Transfers bildete am Freitagsabend "Maria Stuart". Ein zweistündiger Polit-Thriller von und nach Schiller, inszeniert von Stephan Kimmig, der vor zwei Jahren damit auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Jeder, der sich mal für diese höchst begehrte Veranstaltung um Karten bemüht hat, wird Ulrich Khuon für die Übernahme dieser Produktion ins Repertoire dankbar sein. Im Zentrum der Bühne (Katja Haß) steht eine kühle Architektur, die gleichermaßen Assoziationen an den Kanzler-Bungalow und das Gefängnis in Stuttgart-Stammheim hevorruft. Die Herren Berater, allesamt im Anzug, erinnern an den Bonner Krisenstab zu Hochzeiten des RAF-Terrors. Der windige Scharfmacher Burleigh (Peter Jordan) legt Wert auf die Feststellung, dass nicht gefoltert wird. Die Gefangene Maria Stuart (Susanne Wolff) ist mit Kabelbindern an einen Stuhl gefesselt - der könnte ein elektrischer sein, aber auch ein Thron. Ihre Rivalin Elisabeth wirkt ziemlich überfordert. Dass Frauen in Führungspositionen leise agieren und teamfähig sind, na ja, davon ist hier wenig zu spüren. Elisabeth, Katharina Marie Schubert hat die Rolle neu übernommen, steht mit verschränkten Armen in ihrem Business-Kostüm ziemlich verloren am Rand, ihren intriganten Beratern ausgeliefert. Ihre Elisabeth schwankt zwischen Hysterie und tiefer Sehnsucht nach Ruhe. Sie drückt sich davor, Verantwortung zu übernehmen und vergrößert dadurch ihr Leiden.

Deutsches Theater, Schumannstraße 13a, Mitte. Telefon: 284 41 225. Termine: 30. April, 13. Mai, 19.30 Uhr 4 Punkte