Sie hat sich überschätzt. Oder sie hat einfach die falschen Berater. Das groß angelegte Tournee-Comeback von US-Sängerin Whitney Houston (46) jedenfalls droht zu einem ausgewachsenen Drama zu werden. Nachdem sie bereits das Auftaktkonzert ihrer Europa-Tournee am Dienstagabend in Paris wegen einer Stimmbanderkrankung absagen ließ, fallen nun auch die Konzerte am Donnerstag und Freitag im britischen Manchester und am 11. April in Glasgow aus. Sie sollen aber nachgeholt werden. Statt auf der Bühne ist Whitney Houston in einem französischen Krankenhaus gelandet. Sie habe eine chronische Atemwegserkrankung und eine ungeklärte Entzündung, weshalb sie ihre Stimme auf Anraten der Ärzte schonen müsse, teilte ihre Plattenfirma Sony Music dazu mit.
Es geht auch um Schadensbegrenzung. Eine Millionen schwere Tour mit einem angeschlagenen Weltstar ist der Horror für jeden Tourneeveranstalter. Dennoch bleibt man beim Berliner Konzertveranstalter Semmel Concerts gelassen. „Wir gehen davon aus, dass das Auftaktkonzert der Deutschlandtournee am 12. Mai in der O2 World stattfinden wird“, so eine Sprecherin. Schon die weiteren britischen Konzerte sollen von kommender Woche an planmäßig stattfinden. Trotzdem liegt inzwischen ein dunkler Schatten der Unsicherheit über dem so groß auf glanzvoll angelegten Comeback.
In den Achtzigerjahren wurde Whitney Houston zum gefeierten Weltstar, verkaufte mehr als 170 Millionen Platten, wurde zu Recht als eine der besten und stimmstärksten Sängerinnen der Zeit gefeiert, landete Hits wie „Saving All My Love For You“ oder „I Wanna Dance With Somebody“. In den Neunzigern spielte sie in mehreren Filmen mit, darunter in „Bodyguard“ an der Seite von Kevin Costner und schmachtete sich mit der Hymne „I Will Always Love You“ erneut an die vordersten Plätze der Charts. Doch dann folgten ein jahrelanger Ehekrach, schwerwiegende Drogenprobleme und die Scheidung von ihrem gewalttätigen Ehemann Bobby Brown.
Es mag sein, dass der Zeitpunkt für die Rückkehr auf die Tourneebühne auch nach mehr als zehn Jahren unglücklich gewählt wurde. Die ersten Auftritte in Russland im Dezember und in Australien im Februar wurden vom Publikum jedenfalls mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Houston wirkte unkonzentriert, ihre Stimme schwach, ihre Performance unprofessionell. Selbst ihr Manager gestand nach den Australien-Shows ein, dass Houston bei mehreren Stücken die Puste ausgegangen war und sie die Töne nicht traf. Nun soll die Tournee nach einer Zeit der Rekonvaleszenz am 13. April in Birmingham fortgesetzt werden. Das Drama geht weiter. Ausgang ungewiss.



