Combeack

Der alte Wolf Waggershausen ist wieder da

Nach 14 Jahren Pause präsentiert Stefan Waggershausen sein neues Album "So ist das Spiel" - und ist damit auf Platz 33 in die Charts eingestiegen. Für das Combeack führte es ihn auch dorthin zurück, wo er einst studiert und gelebt hatte, nach Berlin. Hier spielte er einen Teil des Songs ein, auf die er einfach Lust hatte.

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Mit „Hallo Engel“ sang er sich 1980 in die Herzen der Fans und heimste die Goldene Europa ein; für seine Hits „Zu nah am Feuer“ (1984) mit Alice und „Das erste Mal tat’s noch weh“ (1990) mit Viktor Lazlo holte sich Stefan Waggershausen (61) zwei der damals attraktivsten Sängerinnen ins Studio. Doch nach Jahren erfolgreicher Präsenz in der Unterhaltungsbranche war 1996 plötzlich Schluss, der Sänger wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt, mit 61, ist Waggershausen nach 14 Jahren Pause mit dem neuen Album „So ist das Spiel“ wieder da!

„Der alte Wolf wird langsam grau, doch er ist zäh und er ist schlau. Der alte Wolf, er sagt nicht viel, der alte Wolf – er kennt das Spiel“, heißt es in dem Song „Der alte Wolf wird langsam grau“. Ein biografisches Lied? Waggershausen lacht: „Naja, das ist eher mit Augenzwinkern zu betrachten. Es zwickt mich nichts, höchstens mal der Rücken. Es ist alles noch o.k.“, betont der Interpret und Songwriter, der seit 24 Jahren mit seiner Frau Stefanie verheiratet ist. Sohn Marlon (24) studiert in Berlin Betriebswirtschaftslehre und Medienmanagement.

Warum hat er sich so lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen? „Mitte der 90er-Jahre reizte mich das Musikgeschäft nicht mehr, zu viel hatte sich verändert. Und ich habe mich nie in eine Warteschlange eingereiht, wo am Ende an der Tür das Wort ,Trend’ stand. Ich wollte mal ein Jahr Pause machen, mich aus der musikalischen Frontlinie zurückziehen. Aber dann wurde es mehr als ein Jahrzehnt.“

Beruflich aktiv sei er jedoch immer gewesen. „Ich agierte eher im Hintergrund, habe Titel für andere geschrieben, so für Peter Kraus, Ingrid Peters, Wolfgang Petry und Daliah Lavis Abschiedsalbum, für das sie Gold verliehen bekam. Fürs Fernsehen habe ich unter anderem Songs für den Tatort ,Schimanskis Waffe’ und für die ZDF-Kinderserie ,Siebenstein’ geschrieben. Eines meiner Lieblingsprojekte ist heute noch die CD ,Musikmärchen Wolke 7’, deren Hauptrollen von den Prinzen, Ingolf Lück und Nena besetzt waren.“

Nena ist – wie Anett Louisan und Alice – auch auf dem neuen Album als musikalische Gastsängerin vertreten. Wer Waggershausen hört, der denkt zwangsläufig an tolle Frauen. Der Sänger dazu: „Unser Zusammenspiel ergibt sich meistens aus einem glücklichen Zufall. So habe ich Alice vor zwei Jahren am Mailänder Flughafen wiedergetroffen. Wie redeten von alten Zeiten und schon war die Idee zu meinem Song ,Was soll ich dir sagen’ mit ihr als Studiogast geboren.“ Hat’s zwischen den beiden wenigstens mal ein bisschen geknistert? Waggershausen: „Also nee, brenzlig wurde es nie. Wir waren immer nur musikalische Partner.“

Und wie war das damals, in den 70er-Jahren, als Waggershausen in Halensee im selben Haus wie Gunter Gabriel wohnte, sozusagen das Gegenstück zum „wilden“ Gunter war, bei dem die Frauen ein- und ausgingen und die tollsten Partys gefeiert wurden? Hätte Waggershausen, der Psychologie studierte, gerne mal mit Gabriel getauscht? „Nee, ich bin doch ein introvertierter Typ. Auf mich hat immer irgendjemand aufgepasst“, resümiert er. Im Klartext: Waggershausen war ein treuer Typ und überwiegend in festen Händen. Dass seine Ehe auch nach 24 Jahren noch glücklich ist, begründet er so: „Weil ich nicht ständig Zuhause bin.“ Bei unserem Telefonat war er gerade mit einem Tourbegleiter im Auto zu TV- und Hörfunk-Terminen in München und Nürnberg unterwegs. Auch für das neue Album (Dauer: eineinhalb Jahre bis zur Fertigstellung) war Stefan Waggershausen viel auf Reisen. „Die Aufnahmen wurden am Bodensee, in Hamburg, in Neuseeland, in Louisana, in Los Angeles und schließlich in Friedrichshain und Kreuzberg gemacht.“

Eine ist immer dabei: seine Gibson-Gitarre aus dem Jahre 1936. Der Künstler: „Die habe ich in New Orleans von Musikern gekauft. Mit 13 anderen Gitarren lagerte sie im Schrank, als ich vor zwei Jahren mal neue Saiten aufziehen wollte. Ich hatte ein Glas Wein getrunken, war entspannt und bester Laune“, erinnert sich Waggershausen und ergänzt: „Da bekam ich große Lust, neue Songs zu schreiben, diesmal für mich.“

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