Rockband

Die Scorpions kommen zum letzten Mal nach Berlin

Noch ein Album und eine Tournee, dann ist Schluss: Die Scorpions, Deutschlands weltweit erfolgreichste Rockband, hat ihr Ende bekannt gegeben. Noch einmal touren sie um die Welt, kommen auch nach Berlin. Danach wollen sie auch ihre Mauerfall-Hymne "Wind of Change" nicht mehr live spielen.

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Jeder kennt sie. Egal, ob man den pathosbeladenen Heavy-Metal der Scorpions nun mag oder nicht. Denn diese kleine gepfiffene Melodie aus ihrem Song „Winds of Change“ ist längst zum Volksgut geworden, das bei den einen Glückshormone freisetzt und alle anderen schlicht nervt. Manch einer mag geglaubt haben, Deutschlands weltweit erfolgreichste Rockband hätte sich schon längst aufgelöst. Dabei erscheint im März mit „Sting In The Tail“ ein neues Studioalbum, zeitgleich beginnt eine neuerliche Welttournee. Doch nun ist es offiziell: Die Scorpions, werfen nach 45 Jahren Bandgeschichte das Handtuch.

„Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen“, schreiben sie auf ihrer Website an ihre Fans. „Ihr sollt die ersten sein, die das erfahren.“ Und Scorpions-Sänger Klaus Meine, inzwischen 61 Jahre alt, sagte der „Bild am Sonntag“: „Wir wollen nicht, dass unsere Fans sagen: ,Damals haben sie noch geile Platten gemacht’. Wir gehen lieber jetzt mit einem Hammeralbum und folgen unserem Herzen.“ Gitarrist Rudolf Schenker, ebenfalls 61, sieht es pragmatischer: „Ein Konzert hat auch mit körperlicher Betätigung zu tun. Irgendwann bringt der Körper nicht mehr das, was man will. Bevor es soweit ist, sollte man gehen. Es ist besser, wenn es bis zum Schluss geil ist, als abtreten zu müssen.“

Der Zeitpunkt scheint gut gewählt. Noch verfügen die Scorpions über eine gewisse Reputation. Sie sind eine gestandene Metalband, die dem Hardrock mit gefühligen Metalballaden die Mainstream-Charts geöffnet hat. Doch ihre größte Zeit hatten sie in den 80er- und 90er-Jahren. Ihr elftes und international erfolgreichstes Album „Crazy World“ von 1990, auf dem sich auch die Mauerfallhymne „Winds Of Change“ fand, verkaufte sich mehr als 15 Millionen Mal. Nie wieder konnte die 1965 in Hannover gegründete Band um Sänger Meine und Gitarrist Schenker, die über die Jahrzehnte viele Musiker verschlissen hat, an diesen Erfolg anknüpfen. Ihr letztes Album „Humanity – Hour I“ von 2007 verkaufte sich weltweit immerhin noch geschätzte zwei Millionen Mal.

Die Erfolgsbilanz der Band, die Hits wie „Rock You Like A Hurricane“ geschaffen hat, kann sich sehen lassen. Mehr als 100 Millionen verkaufter Tonträger können die Scorpions verbuchen, mit mehr als 200 Gold- und Platin-Auszeichnungen wurden sie belohnt. Ein Denkmal, das sie sich noch setzten wollten, wird nun doch nicht aufgestellt: Musical-Multi Stage Entertainment plant seit bald zehn Jahren das Scorpions-Mauerfallmusical „Winds Of Change“, das schon 2004 in Berlin Premiere haben sollte, doch immer wieder verschoben wurde. Nun scheint das Projekt zugunsten eines Lindenberg-Musicals endgültig geplatzt zu sein.

„The good die young, there might be no tomorrow“, orakeln die Scorpions auf ihrem neuen Album, das am 19. März erscheinen wird. Zwei bis drei Jahre soll die nun als Abschied deklarierte Welttournee mit rund 200 Konzerten dauern. Für die haben sie nun mit dem Bekenntnis „Wir hören auf!“ kräftig die Werbetrommel gerührt. Am 29. Mai 2010 werden die Scorpions noch einmal in Berlin sein, in der O2 World. Und vielleicht sind sie in drei Jahren ja schon wieder reif für ein Comeback.

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