Eigentlich hat sie gerade einen neuen Film, „Heart of Light – Eleven Songs of Fiji“, mit dem Cynthia Beatt gerade auf Kinotour ist. Dennoch nahm sich die 76-jährige Britin Zeit, um zwei ältere Filme in der „Hauptrolle Berlin“, der gemeinsamen Filmreihe der Berliner Morgenpost und des Zoo Palasts, zu zeigen: „Cycling the Frame“ aus dem Jahr 1988, in dem die damals noch relativ unbekannte Tilda Swinton mit dem Fahrrad die 163 Kilometer der Berliner Mauer entlangradelt. Und „The Invisible Frame“, für den Swinton, nun schon ein Star und frisch Oscar-gekürt, zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls dieselbe Tour noch einmal abstrampelte. Und oft gar nicht mehr wusste, wo die Mauer gestanden haben soll.

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Den zweiten Film, erzählt Beatt, hätte sie gern schon zum Zehnjährigen gedreht. Aber der RBB, Nachfolger des SFB, der „Cycling the Frame“ produziert hatte, zeigte keinerlei Interesse. Und ahnte nicht, was für ein Zeitbild und einmaliges Dokument dieses Projekt, gerade im Doppel, werden sollte. Zum 20-Jährigen hat Beatt es dann doch gemacht, nun ohne RBB, dafür mithilfe 3sat und dem Verleih Filmgalerie 451. Der RBB hält nach wie vor die Rechte am ersten Film und verdient daran, wann immer er gezeigt wird. Alle Arbeit dafür aber leisten die Filmgalerie und Beatt selbst, die die Filme schon in aller Welt gezeigt hat.

Brauchte es damals vielleicht den Blick von außen, von einer Zugezogenen, die die Mauer nicht ignorierte, wie das die West-Berliner gelernt hatten? Beatt war 1975 nach West-Berlin gezogen und wohnte direkt am Potsdamer Platz, damals noch eine öde leere Brache, eine Wundnarbe des Kalten Kriegs, mit den Ruinen vom Haus Vaterland und dem noch geschlossenen Martin Gropius Bau. Von ihrem Dachgeschoss aus konnte sie in den Todesstreifenschauen. Und wo immer sie hinfuhr, musste sie mit dem Fahrrad erst mal an der Mauer entlang. So kam sie auf die Idee zu dem Film. Und dafür konnte sie auch Tilda Swinton begeistern, die sie 1986 kennenlernte, als diese ihren ersten Film „Caravaggio“ auf der Berlinale präsentierte.

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Tilda Swinton spielt auch in ihrem jüngsten Film mit, an dem Beatt 40 Jahre gearbeitet hat: eine Rückkehr zu den Fidschi-Inseln, auf denen sie als Teenager gelebt hat, als privilegierte Weiße, die nun den Postkolonialismus hinterfragt. „Ich sage immer Kolonialismus, denn er ist noch immer in den Köpfen“, so Beatt. Viele meinten, Tilda Swinton sei ein Alter Ego von ihr. „Aber vielleicht ist es ja auch andersrum“, schmunzelt sie, „vielleicht bin ich das Alter Ego von Tilda.“ Die Mauer-Filme zeigt sie übrigens meist andersrum: erst den neuen, dann den alten. Um zu betonen, was überwunden wurde.

Donnerstag

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Als Nächstes zeigen wir in unserer Filmreihe am 3. November den Defa-Film „Hostess“ von 1976, einer der wenigen geglückten und erfolgreichen Unterhaltungsfilme der Defa, mit Annekathrin Bürger, die gerade den Defa-Preis für ihr Lebenswerk erhalten hat, und Michael Gwisdek und Nina Hagen in Nebenrollen. Zu Gast ist dann Philip Zengel von der Defa-Stiftung.