Es ist eine kraftvolle Geste, mit der die Neue Nationalgalerie den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung würdigt: Seit dem 3. Juli wehen vor dem ikonischen Mies-van-der-Rohe-Bau an der Potsdamer Straße zwei „Rainbow Flags“ des US-amerikanischen Künstlers und Aktivisten Gilbert Baker (1951–2017). Baker hatte die Flagge, heute in verschiedenen Varianten als Ikone der LGBTQ+-Bewegung weltweit bekannt, 1978 für die San Francisco Gay and Lesbian Freedom Day Parade entworfen. Das New Yorker Museum of Modern Art (Moma) erwarb das Original im Jahr 2015, um es im Juni desselben Jahres auszustellen. Nun ist es als Leihgabe des Moma vor der Neuen Nationalgalerie zu sehen – während vor der Dauerausstellung im Untergeschoss Glenn Ligons doppelter Neonschriftzug „Double America“ (2012) die Licht- und Schattenseiten der US-amerikanischen Demokratie ins Bild setzt.

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Wie die Staatlichen Museen mit dem Gründungsjubiläum der ältesten modernen Demokratie der Welt umgehen würden, war eine nicht ganz unheikle Frage angesichts des illiberalen Geistes, der seit Beginn der zweiten US-Präsidentschaft Trumps von Washington aus in die Welt weht. Im Herbst vergangenen Jahres machte die Meldung die Runde, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe sich mit dem privaten Kulturmanager Walter Smerling zusammengetan, um eine größere Ausstellung in einem Berliner Museum zu realisieren. Daraus ist zur Erleichterung vieler nichts geworden.

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Andererseits scheint es unmöglich, einen Jahrestag wie diesen ungenutzt verstreichen zu lassen. Und so haben sich die Staatlichen Museen für eine Reihe kleiner Interventionen und Veranstaltungen entschieden, um des Datums zu gedenken. So wird die Kunstbibliothek am 4. Juli (16 Uhr im Foyer des Kulturforums) mit Vortrag und Gespräch an den Architekten Erich Mendelsohn (1887–1953) erinnern, dessen Nachlass sie aufbewahrt. Mendelsohn, der unter anderem den markanten Rundbau am Lehniner Platz entwarf, heute Sitz der Schaubühne, sah sich als Mensch jüdischen Glaubens 1933 zur Emigration gezwungen. Bereits 1926 hatte er seine Eindrücke einer USA-Reise in einem Buch zusammengefasst, das Mendelsohn-Expertin Regina Stephan zusammen mit dem 1929 erschienenen Band „Russland, Europa, Amerika. Ein architektonischer Querschnitt“ vorstellen und analysieren wird.

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Das Staatliche Institut für Musikforschung, die Alte Nationalgalerie und der Hamburger Bahnhof bieten am 4. Juli Führungen zu Sammlungsbeständen an, die für das demokratische Erbe Amerikas stehen – von der Wurlitzer-Orgel über Vilma Parlaghy bis zu Robert Rauschenberg. Das Museum Europäischer Kulturen in Dahlem wirft, ebenfalls ab dem 4. Juli, anhand eines Care-Pakets einen Blick auf das deutsch-amerikanische Verhältnis, was angesichts der Abwicklung von US Aid unter Trump eine besondere Relevanz entwickelt. Im Ibero-Amerikanischen Institut werden in einer Vortragsreihe lateinamerikanische Perspektiven auf das Datum entwickelt. Auch das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Ethnologische Museum im Humboldt Forum, die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett richten ihren Blick auf eine Tradition, die um so vieles weiter zurückreicht als bis zur Inauguration des aktuellen US-Präsidenten.

Informationen: smb.museum