Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sieht beim Humboldt Forum fünf Jahre nach der Eröffnung noch Entwicklungsmöglichkeiten und Luft nach oben. Fünf Jahre Humboldt Forum seien ein Erfolg und eine Zäsur, teilte Weimer am Mittwoch mit. „Die Phasen der Gründung und des Aufbaus sind vollendet. Jetzt beginnt die anspruchsvollere Aufgabe.“

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Unter seinem Dach versammelt das Humboldt Forum starke Institutionen. „Nun kann sich das Haus zu einer Institution mit einem gemeinsamen Selbstverständnis entwickeln“, teilte Weimer mit. „Der Maßstab dafür sind nicht allein Zuständigkeiten. Wichtig sind die Menschen, die ins Humboldt Forum kommen.“
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Weimer zum Humboldt Forum: Noch Luft nach oben
Für die Besucherinnen und Besucher könne das Humboldt Forum mehr sein als ein kultureller Ort, teilte Weimer der Deutschen Presse-Agentur mit. Es könne ein Erlebnis werden, das in sich stimmig, verständlich und einladend sei. An diesem gemeinsamen Verständnis wird aktuell gearbeitet, mit der Besucherinnen- und Besucherperspektive als Kompass. „Ich begrüße diese positive Entwicklung ausdrücklich und ermutige alle Beteiligten, diesen Weg gemeinsam und entschlossen weiterzugehen.“

Das Forum selbst zog zum fünften Jahrestag seiner schrittweisen Eröffnung eine positive Bilanz. „Es funktioniert“, erklärte Generalintendant Professor Hartmut Dogerloh auf einer Pressekonferenz. Das Forum habe 3,3 Millionen Besucher im Jahr, viele davon seien jünger und kämen öfter wieder. Mehr als 2500 Veranstaltungen hat das Forum gezählt. Nur die Aufzüge zur beliebten Dachterrasse seien ein durch den Bau bedingter Flaschenhals. Gebaut werden noch zwei Bauminiseln auf dem Südvorplatz, eine dritte ist in Planung. Gut angenommen werden die Schattenplätze der Humboldt-Terrassen zum Berliner Dom hin.
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Vier Akteure bespielen das Haus, das Stadtmuseum zieht 2028 aus
Das große Ausstellungszentrum wird von vier Akteuren bespielt: Ausgestellt sind dort die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst. Auch die Humboldt-Universität und das Stadtmuseum Berlin nutzen Räume.
Die Fläche des Stadtmuseums, auf der aktuell die Berlin-Ausstellung gezeigt wird, soll Anfang 2028 freiwerden, da dieses an seinen alten, erweiterten Standort an der Köllnischen Park in Mitte ziehen will. Das teilte Sophie Plagemann, Vorständin und künstlerische Leiterin des Stadtmuseums Berlin, auf der Konferenz mit. Die Fläche des Stadtmuseums im Humboldt Forum gehöre dem Land Berlin, das noch nicht entschieden hat, was dort in Zukunft stattfinden soll. „Der nächste Senat wird dies entscheiden“, erklärte dazu Dogerloh. Und er stellte die Frage, ob die Humboldt-Universität nicht Lust habe, die Fläche zusätzlich zu bespielen. Auf jeden Fall wolle man bei der zukünftigen Nutzung mitreden, hieß es.
Das Humboldt Forum habe seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter gefunden, so Dorgerloh, „Wir erleben täglich, wie lebendig und diskursiv dieses Haus genutzt wird.“ Er freute sich auch darüber, dass die früher umstrittene Fassade des Gebäudes bei den Besuchern heute als sehr Instagram-tauglich angesehen werde. Das sei eine Entwicklung, die man bei der Eröffnung des Forums so nicht vorausgesehen habe.

Fünf Sonderveranstaltungen zum Jubiläum des Humboldt Forums
Zum fünfjährigen Jubiläum sind fünf Sonderveranstaltungen geplant. Vom 27. Juni bis 19. Juni wird es an fünf Tagen Sonderführungen, ein Festival im Schlüterhof, wissenschaftliche Angebote zum Mitmachen, einen Blick hinter die Kulissen und ein Familienfest geben. Dazu kommen das Open-Air-Musik-Festival „Durchlüften“ und ein Fest für die Mitarbeiter des Humboldt Forums. Auch einen Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt soll es geben.
Das Forum hat zu seinem fünften Jubiläum ein aktualisiertes, gemeinsames Verständnis veröffentlicht. Es soll die Rolle, den Auftrag, und die Arbeitsweise des Forums beschreiben. Darin heißt es: „Das Humboldt Forum versteht sich als ein Ort, an dem gesellschaftlicher Zusammenhalt aktiv gefördert wird. Als Ort der Begegnung, der Zugänglichkeit und der Mitgestaltung begreift es demokratische Werte als gelebte Praxis: offen, einladend und respektvoll. Dabei eröffnet das Forum Möglichkeiten zur Sinnstiftung und Reflexion, schützt die Freiheit von Wissenschaft und Kunst und stärkt so die Resilienz der demokratischen Gesellschaft. Es macht erfahrbar, dass unterschiedliche Standpunkte und auch Dissens ausgehalten und ausgehandelt werden müssen – als Grundlage für eine gerechte, vielfältige und friedliche Gesellschaft.“
Laut Julia von Blumenthal, der Präsidentin der HU, habe sich das Humboldt-Labor im Forum „als lebendiger Ort des Wissens und der Wissenschaft entwickelt“. Für Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sei das Humboldt Forum nur dann erfolgreich, „wenn es in Bewegung bleibe“. Ihre Museen standen im Zentrum der Debatte zum Umgang mit Objekten aus dem kolonialen Kontext „und sie sind daran gewachsen“, so Ackermann. Bei der Diskussion um die Rückgabe von Raubkunst, wie den Benin-Bronzen, war das Humboldt Forum stark beteiligt.
Das ursprüngliche Stadtschloss der Hohenzollern war 1950 gesprengt worden. Ab 1976 stand dort der Palast der Republik der DDR mit der Volkskammer, der 1990 wegen Asbestbelastung geschlossen wurde. 2002 beschloss der Deutsche Bundestag die Teilrekonstruktion des Schlosses. Die Pläne wurden zum Teil heftig kritisiert. Am 20. Juli 2021 begann mit der ersten Etappe die schrittweise Öffnung des Forums.
mit dpa






