In der Ausstellung „Guatemala: Designs by Hand“ zeigt Guatemala im Rahmen der Berlin Design Week, wie kulturelles Wissen über Generationen hinweg weitergegeben und zugleich neu interpretiert werden kann. Sie verbindet traditionelle Maya-Webkunst mit zeitgenössischem Design, Architektur und Klang. Im Mittelpunkt steht die begehbare Installation „The Great Jaguar Textile Installation“. Das immersive Raumerlebnis macht traditionelle Textilien und kulturelles Erbe lebendig.

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Doch es steht auch für etwas anderes. Die „Berliner Morgenpost” sprach mit Violeta Gutiérrez über die Rolle der Frauen in dieser Tradition. Die Webkünstlerin und Direktorin des Ixchel-Museums für indigene Textilien und Kleidung in Guatemala gilt als eine der wichtigsten Expertinnen für guatemaltekische Textilien und traditionelle Webkultur. 

Warum ist die Berlin Design Week der richtige Ort für eine Ausstellung, die auch die Textilkultur der Maya thematisiert? 

Violeta Gutiérrez: Die Berlin Design Week ist einer der wichtigsten Orte für Design in Europa. Traditionelle Textilien in Guatemala sind nicht nur kulturelles Erbe, sondern auch Design. Jedes Muster erzählt eine Geschichte und trägt eine eigene visuelle Sprache. Die Ausstellung macht sichtbar, wie Tradition und zeitgenössische Kreativität in Guatemala bis heute zusammenwirken.

Die Ausstellung „Guatemala Designs by Hand“ zeigt, wie eng die Webtradition mit dem Alltag vieler Menschen in Guatemala verbunden ist.
Die Ausstellung „Guatemala Designs by Hand“ zeigt, wie eng die Webtradition mit dem Alltag vieler Menschen in Guatemala verbunden ist. © Idonika

Guatemala auf der Berlin Design Week: „Jeder Stoff erzählt eine Geschichte“

Welche Bedeutung hat die Webtradition im heutigen Guatemala?

Gutiérrez: Die Webtradition ist bis heute Teil des Alltags. Menschen wachsen mit Stoffen und Mustern auf. Gleichzeitig spielen die gewebten Textilien auch bei besonderen und zeremoniellen Momenten eine wichtige Rolle. Die Tradition ist bis heute lebendig. Jeder Stoff erzählt eine persönliche Geschichte, eine Geschichte der Gemeinschaft und eine Geschichte des Landes.

In einer zunehmend digitalen Welt wirken handgemachte Arbeiten wie ein Gegenentwurf.

Gutiérrez: Heute ist vieles schnell, einfach und massenproduziert. Die Arbeiten aus Guatemala wollen damit nicht konkurrieren. Darin liegt ihr Wert. Jedes Stück ist handgemacht, anders und braucht Zeit. Es gibt keine zwei identischen Arbeiten. In einer Welt, in der vieles standardisiert geworden ist, bekommen Dinge, die besonders und nicht industriell produziert sind, eine große Bedeutung.

Viele der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wurden von Weberinnen hergestellt.
Viele der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wurden von Weberinnen hergestellt. © Idonika

Warum steht die Installation „The Great Jaguar Textile Installation“ im Mittelpunkt der Ausstellung?

Gutiérrez: „The Great Jaguar Textile Installation“ verbindet traditionelle Webtechniken mit zeitgenössischem Design, Architektur und Sound. Geräusche aus Guatemala, wie Waldgeräusche, Marktaufnahmen und verschiedene Maya-Sprachen untermalen sie. Die äußeren Textilien zeigen traditionelle Muster und Arbeiten aus unterschiedlichen Regionen Guatemalas, während der Innenraum der Installation eine zeitgenössische Gestaltung der Stoffe zeigt. Gleichzeitig bleiben die traditionellen Techniken erhalten. Viele Elemente wurden über Monate hinweg von Hand gefertigt.

Die Ausstellung „Guatemala Designs by Hand“ ist vom 28. bis 31. Mai 2026 im M60 in der Macherei Berlin-Kreuzberg zu sehen.
Die Ausstellung „Guatemala Designs by Hand“ ist vom 28. bis 31. Mai 2026 im M60 in der Macherei Berlin-Kreuzberg zu sehen. © INGUAT | Idonika

Violeta Gutiérrez: „Frauen spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt der Tradition“

Hinter der Webtradition Guatemalas stehen vor allem Frauen.

Gutiérrez: Alles, was man hier sieht, wurde von Frauen gewebt. Sie spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt der Traditionen, der Techniken und des kulturellen Wissens. Die Webtechniken existieren bis heute, weil Frauen sie über Generationen hinweg innerhalb der Familien und Gemeinschaften weitergegeben haben.

Wie prägen Frauen Guatemala heute?

Gutiérrez: Frauen spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung Guatemalas. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung in Politik, Bildung, Forschung, Unternehmertum und kreativen Projekten. Gleichzeitig bleiben sie eng mit Familie, Gemeinschaft und kultureller Identität verbunden. Gerade diese Verbindung von Tradition und Zukunft prägt das Land.

Guatemala Berlin Design Week 
Guatemala Berlin Design Week © Idonika

Guatemala bei Berlin Design Week: „Gemeinschaft prägt auch die Designkultur“

Viele der Arbeiten in der Ausstellung „Guatemala: Designs by Hand“  sind das Ergebnis gemeinschaftlicher Zusammenarbeit.

Gutiérrez: Gemeinschaft ist in Guatemala ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Menschen unterstützen sich gegenseitig und entwickeln viele Dinge gemeinsam. Dieses Verständnis zeigt sich auch in der Designkultur. Viele textile Arbeiten entstehen nicht allein, sondern im Austausch mit anderen.

Auch die Installation „The Great Jaguar Textile Installation“ ist ein gemeinsames Projekt: Das Konzept stammt von der Kreativagentur Idonika, die architektonische Gestaltung entwickelte Amarillo Studio. An der textilen Gestaltung wirkten 21 Webergemeinschaften aus Guatemala mit, die über die National Weavers Movement zusammengebracht wurden, sowie Nebula Handmade und Kunsthandwerkerinnen vom Atitlán-See. Während des gesamten Prozesses standen die Beteiligten miteinander in Kontakt und arbeiteten parallel an unterschiedlichen Teilen der Installation.

Das Herzstück der Ausstellung ist die Installation „The Great Jaguar Textile Installation“. Sie entstand in Zusammenarbeit von Designschaffenden, Architekten und Weberinnen aus Guatemala.
Das Herzstück der Ausstellung ist die Installation „The Great Jaguar Textile Installation“. Sie entstand in Zusammenarbeit von Designschaffenden, Architekten und Weberinnen aus Guatemala. © Idonika

Was sollten Besucherinnen und Besucher unbedingt über die Weberinnen und ihre Webkunst wissen? 

Gutiérrez: Die Ausstellung macht sichtbar, wie viel Wissen, Zeit, Technik und Kreativität in diesen Stoffen steckt. Es war uns sehr wichtig, die Weberinnen nicht folkloristisch oder touristisch darzustellen, sondern als die Künstlerinnen, die sie sind. Viele der Frauen, die an der Ausstellung gearbeitet haben, sind stolz darauf, ihre Arbeiten in einem internationalen Kontext zeigen zu können.

Ausstellung: Guatemala: Designs by Hand (Guatemala diseña con las manos), Veranstaltungsort: M60 in Die Macherei Berlin-Kreuzberg, Hallesches Ufer 40–60, 10963 Berlin, Datum: Donnerstag, 28. Mai, bis Sonntag, 31. Mai 2026, Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag: 14–20 Uhr, Samstag: 12–20Uhr, Sonntag: 12–19 Uhr