Gleich drei Kinodramen in einer Woche - das ist vielleicht nicht allzu klug ausgewählt. Aber zumindest „Nürnberg“ sticht dabei heraus - und erzählt die Prozesse über die Nazi-Verbrecher 1945/46 aus neuer Perspektive. Zwei Dramen aus Belgien dagegen verhandeln Sorgerechtsprozesse unter höchst unterschiedlichen Prämissen. Und Dagmar Manzel glänzt in einem Liebesfilm für ältere Semester, in dem auch Demenz eine Rolle spielt. Die Tops und Flops im Überblick:
- „Nürnberg“
Über die Prozesse in Nürnberg gibt es schon einen großen Filmklassiker mit Starbesetzung. Der ist allerdings 65 Jahre alt. „Nürnberg“ ist eine Neurevision. Mit einer interessanten Perspektive: Ein amerikanischer Gerichtspsychologe (Rami Malek) muss die angeklagten Nazi-Funktionäre auf ihre Zurechnungsfähigkeit überprüfen. Und beißt vor allem bei Hermann Göring (Russell Crowe) auf Granit. Ein ambitioniertes Historiendrama, das aber zu viel will und in seinen Aktualitätsbezügen nicht eben subtil vorgeht.
Auch interessant
- „Der verlorene Mann“
Plötzlich steht der Ex wieder vor der Tür. Nachdem er sie vor 20 Jahren schmählich verlassen hat, kann sich der Demenzkranke jetzt nicht mehr daran erinnern – und glaubt noch immer, mit seiner Hanne verheiratet zu sein. Die lebt inzwischen mit einem Pastor zusammen. Und ist mehr als geschockt. Aber dann nimmt das Paar den verwirrten Mann auf. Und es entsteht eine schräge, späte Ménage à trois. Das ist liebevoll gezeichnet. Und großartig gespielt von Dagmar Manzel, August Zirner und Harald Krassnitzer.
Auch interessant
Für die beliebte Schauspielerin Dagmar Manzel war das eine richtige Traumrolle. Für die sie ihre Pläne, kürzer zu treten, zurückgestellt hat. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.
Auch interessant
- „Nachbeben“
Einblicke in einen ganz normalen Alltag im Krankenhaus, aus der Perspektive einer Ärztin zwischen Stress, Aufopferung und Personalmangel. Weil sie Symptome eines Hirntumors nicht erkennt, fällt ein 18-Jähriger plötzlich ins Koma. Was Schuldgefühle in der Ärztin auslöst. Ein hartes Drama aus Dänemark, das zu Herzen geht. Unter anderem mit Trine Dyrholm.
Auch interessant
- „Wir glauben Euch“
Eine junge Mutter kommt mit ihren Kindern ins Gericht. Gestresst und völlig unsicher. Denn es geht um einen Sorgerechtsstreit. Und das, was sie dem Vater vorwerfen, ist schwer zu glauben. Ein packendes Drama um das Tabuthema häusliche Gewalt - mit einem simplen Satz im Titel, der in Frankreich und Belgien viel diskutiert wurde.
Auch interessant
- „Love Me Tender“
Und gleich noch eine Familie vor Gericht: Die von Vicky Krieps gespielte Mutter droht das Sorgerecht für ihren Sohn zu verlieren – einfach, weil sie lesbisch ist und ihr Leben lebt. Was ihr Mann nicht verwinden kann und wogegen er seinen Sohn instrumentalisiert. Das ist oft schwer zu ertragen. Und doch umso wichtiger zu sehen.
Auch interessant
- „Wild Foxes“
Teenager werden in einem Elite-Sportinternat in Frankreich zu Nachwuchssportstars getrimmt. Camille ist dabei der Star unter den Boxern. Bis er einen Unfall hat und nicht mehr zuschlagen mag. Da wandelt sich die Kumpanei sehr bald zu Abwehr, Ausgrenzung – und schließlich sogar zu blankem Hass. Vibrierendes Coming-of-Age-Drama in einem toxischen Umfeld.
Auch interessant
Und das sagen die Filmkritiker:

Weiterhin im Kino:
- Zurück in Teufels Küche: „Der Teufel trägt Prada 2“ mit Meryl Streep
- In der Hose ist mehr Freiheit: „Rose“ mit Sandra Hüller
- Zwischen Begierde und Schuldgefühl: „Gavagai“ von Ulrich Köhler
- Das Abenteuerland gleich um die Ecke: „Der Wunderweltenbaum“
- Roadmovie über Freundschaft und Sprachlosigkeit: „Der Frosch und das Wasser“
- Wenn man die Gewalt nicht mehr aushält: „American Sweatshop“










