Nach 20 Jahren betritt sie erneut das Büro jener Chefin, die sie getriezt und zum Wahnsinn getrieben hat. Trotzdem grüßt sie mit freudigem Hallo. Doch die Chefin, hochmütig wie immer, hebt nur die Augenbraue und fragt – nicht sie, sondern ihren künstlerischen Leiter: „Wer ist das? Kennst du sie? Kenn‘ ich sie?“

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Wir alle kennen sie. 2006 kam „Der Teufel trägt Prada“ ins Kino. Und machte Kasse, als unverhohlene Parodie auf die „Vogue“-Chefin Anna Wintour. Drehbuchautorin Lauren Weisberger war einst deren Assistentin. Und entwickelte dieses Szenario. In dem die junge Andy Sachs (Anne Hathaway) in die Chefetage eines Modemagazins kam, das hier „Runway“ hieß. Und die Allüren der eisigen Chefredakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) abbekam. Bis sie am Ende den Job schmiss. Genau 20 Jahre später kommt nun eine Fortsetzung. Dabei durfte man schon ein bisschen Angst haben, ob das was wird. Eigentlich war die Geschichte auserzählt. Hat die Hauptfigur doch am Ende den Oberflächenreizen der Modewelt, die ja nie ihr Ding waren, den Rücken gekehrt.

Die Geschichte war auserzählt. Doch sie erfährt eine neue Wendung

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Eine einfache Neuauflage reicht da nicht. Aber Weisberger, die wieder mit Alina Brosh McKenna das Drehbuch schrieb, hat sich glücklicherweise eine ganz neue Geschichte ausgedacht. Andy ist mittlerweile eine erfolgreiche Journalistin. Doch just als sie einen Preis erhält, wird ihr und ihren Kollegen gekündigt. Per Textnachricht! Weil ihre Zeitung einen rigiden Sparkurs fährt. Gleichzeitig steht Miranda unter Kritik wie nie. Nicht nur, dass sie intern wegen ihrer teuflischen Art in Zeiten von Compliance (endlich) gemaßregelt wird. Weil ihr Blatt jüngst Wegwerfmode beworben hat, die unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird, gibt es einen wahren Shitstorm.

Die Drachenlady von einst darf nicht mehr länger wüten

Der Verlag behilft sich mit einer Rosskur. Und engagiert Andy. Für mehr journalistische Features. In einem Hochglanzmagazin, das doch von Bildern lebt. Deshalb betritt Andy anfangs mit großem Hallo das Büro. Dumm nur, dass noch niemand Miranda und ihrem Adlatus Nigel (Stanley Tucci) Bescheid gegeben hat. Und die entsprechend konsterniert sind über den alten Neuzugang.

THE DEVIL WEARS PRADA 2
Strahlen, auch wenn ihnen nicht danach ist: Miranda und ihr künstlerischer Direktor Nigel (Stanley Tucci). © 20th Century Studios | Macall Polay

Meryl Streep hat noch nie eine Fortsetzung gemacht. Okay, da war „Mamma mia 2“, aber das war eine Mogelpackung, weil Streeps Figur schon verblichen war und nur in knappen Rückblenden erschien. Streep tat das wohl aus Höflichkeit. Trotzdem war’s Etikettenschwindel, weil man mit ihr als Star warb. „Der Teufel trägt Prada 2“ ist nun ihr erstes echtes Sequel. Und das Schöne ist, dass sie hier nicht mehr länger als Drachenlady wüten darf. Ständig wird sie gemaßregelt. Und muss noch ganz andere Kröten schlucken. Wie eben die, dass ihr Verleger ihr eine Journalistin aufzwingt.

Erneut umwerfend ist das Zusammenspiel mit Anne Hathaway, deren Figur deutlich selbstbewusster ist, aber doch immer wieder in Fettnäpfchen stakst. Ganz nebenbei wird viel erzählt, was in den letzten zwei Dekaden passiert ist. Dass die Modewelt inzwischen auch von Influencern mitbestimmt wird. Und dass unabhängiger Journalismus in Zeiten des Internets ums Überleben kämpft. Da ist „Prada 2“ – leider – ganz auf der Höhe der Zeit. Eine hübsche Volte aber ist, dass die Stars hier nicht nur erneut aufeinanderprallen und die eine die Launen der anderen ertragen muss. Sondern dass sie sogar gemeinsame Sache machen müssen. Weil der Verleger das Zeitliche segnet und sein Erbe ganz andere Zukunftspläne für das Magazin hat. Und nun beide Jobs bedroht sind. Da hilft nur zusammenstehen und Paroli bieten.

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Ein Wiedersehen mit guten Bekannten. Fast alle Hauptfiguren sind wieder dabei. Auch Emily Blunt, die 2006 Mirandas erste Assistentin war und inzwischen ein hohes Tier bei einem Luxus-Label ist. David Frankel führte erneut Regie und Florian Ballhaus wieder die Kamera. Ein Klassentreffen nach 20 Jahren. Bei dem alle den Geist des alten Films feiern, sich damit aber nicht begnügen.

Same same but different: So lautet die Zauberformel für Fortsetzungen. Doch die glückt allzu selten, weil oft nur die alte Masche wiederholt wird. „Prada 2“ aber ist eine löbliche Ausnahme. Weil hier die Konstellation von Teil 1 komplett auf den Kopf und infrage gestellt wird. Wen scheren da noch Untragbarkeiten der Monsterchefin im Umgang mit Angestellten, wenn die Zukunft ganzer Medien auf dem Spiel steht? Der Preis des zweiten Teils ist, dass er weniger komisch ist als der erste. Und mehr Drama. Spaß aber macht er allemal. Und wieder schauen auch echte Größen der Modewelt herein, wie Heidi Klum und Donatella Versace. Und Lady Gaga gibt sogar eine Showeinlage.

Komödie, USA 2026, 119 min., von David Frankel, mit Anne Hathaway, Meryl Streep, Stanley Tucci, Emily Blunt, Kenneth Branagh ****