An diesem Donnerstagabend wirkt der rote Teppich an der Berliner Friedrichstraße weniger wie ein Symbol für Glanz und Glamour, sondern wie ein Zeichen des Respekts. Es ist der Abend der Weltpremiere der dreiteiligen ARD-Dokumentation „XATAR – Ein Leben ist nicht genug“, welche ab 1. Mai in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Bei der Premiere in Berlin am 30. April trafen sich Familienangehörige, Rapper-Kollegen, Größen aus der Musikindustrie und Journalisten, um gemeinsam auf das Leben des „Baba aller Babas“ zurückzuschauen.
Wer war Giwar Hajabi alias Xatar?
Geboren 1981, als Kurde aus dem Irak nach Deutschland geflohen, aufgewachsen im Bonner Brennpunkt „Brüser Berg“, wurde aus Xatar ein Kleinkrimineller, dann ein Drogenboss und schließlich ein Rapper und Geschäftsmann. Aufmerksamkeit erhielt er im Jahr 2009, als er gemeinsam mit seinen Komplizen einen Goldtransporter überfiel und Beute im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro stahl. Seine Flucht trieb ihn um die halbe Welt, bis er schließlich festgenommen wurde – vom Diebesgut fehlt bis heute jede Spur.

Letztlich verbringt er insgesamt fünf Jahre in Haft. Aus dem Gefängnis heraus nahm er sein Album „Nr. 415“ auf, welches 2012 erschien. Damit schaffte er den Einstieg in die Top 20 der deutschen Albumcharts. Darauf folgte eine rasante Karriere mit Goldplatten, verfilmter Biografie und Gastronomie-Franchise – bis hin zum eigenen Bürotower in Köln.
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Im vergangenen Mai ging dann ein Beben durch die deutsche Musikbranche, als Xatar tot in seiner Wohnung in Köln aufgefunden wurde. Unzählige Fans und Wegbegleiter des Bonners bekundeten ihre Trauer um den Boss des bekannten Musiklabels „Alles oder nix“, welches Stars wie Ssio, Kalim und Schwesta Ewa hervorgebracht hat. Die Todesursache ist bis heute nicht öffentlich – jedoch gibt es laut Polizei keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.
Xatars Ehefrau, Farvah Hajabi: „Voller Stolz und Ehre“
Nicht weiter überraschend also, dass die Premiere für die meisten Gäste kein schickes Event, sondern ein sehr emotionaler Anlass war. So erzählte seine Frau Farvah Hajabi: „Es ist ein sehr schönes Gefühl – ein Gefühl voller Stolz und Ehre. Das alles gehört einzig und allein Giwar.“ Sie selbst war nach dem Ableben des Rappers an der Produktion der Dokumentation beteiligt. „Das war natürlich sehr emotional, es hat uns aber auch einfach sehr geholfen, vieles zu verarbeiten.“ Neben seiner engsten Familie waren auch Weggefährten wie Ssio und Samy vor Ort, die Xatar jahrzehntelang begleitet haben.

Auch die HipHop-Szene trifft sich selbstverständlich bei der Veranstaltung. Aria Nejati, Head of HipHop bei Apple Music, erklärt Xatars Stellung in der Szene: „Ein Wort fasst ihn am allerbesten zusammen und das ist ‚Möglichmacher‘. Er war der, der sich Geschichten angehört hat und es dann auch möglich machen wollte, diese Geschichten nach außen zu tragen.“
Großer Respekt für Xatar als Musiker und Geschäftsmann.
Bei der Premiere ist zu spüren, dass der Respekt, den Xatar in der Szene genießt, auch über seinen Tod hinaus schier unermesslich ist. HipHop-Moderator und Streamer Rooz, dessen Weg sich oft mit Xatars gekreuzt hat, erklärt: „Er war ein Typ, der sagt: ‚Ich will das haben und es steht mir auch zu.‘“ Auch ruft er auf, über den Tellerrand und hinter die harte Fassade zu schauen: „Er war sehr laut und sehr krass – aber die Leute vergessen, dass seine Kunst wirklich wertvoll ist.“

Doch auch abseits der HipHop-Szene hatte Xatar einen großen Einfluss. „Er war eine wichtige Person für viele Menschen in Deutschland“, erklärte die „deep und deutlich“-Moderatorin Aminata Belli. Auch Ex-„Monrose“-Sängerin Senna Gamour gab sich die Ehre und erzählte: „Xatar ist für mich ein großartiger Künstler, der uns ein großartiges Erbe hinterlassen hat. Er hat einfach einen Rieseneinfluss gehabt, auch mit seiner ganzen Lebensgeschichte.“
„Xatar – Ein Leben reicht nicht“ erscheint am 1. Mai
„XATAR – Ein Leben ist nicht genug" ist ab dem 1. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar, im TV läuft die Dokumentation am 5. Mai im Ersten und am 6. Mai im NDR. Die Doku verbindet Aufnahmen kurz vor seinem Tod mit nie gezeigtem Archivmaterial. Neben Ehefrau Farvah sprechen Farid Bang, Apache 207, Moritz Bleibtreu und weitere Weggefährten.
Anlässlich seines ersten Todestages findet am 7. Mai 2026 zudem ein großes Gedenkkonzert in der Kölner Lanxess Arena statt. Unter dem Titel „Tribute to Xatar“ kommen Künstler wie Haftbefehl, Ssio, Farid Bang, Bausa, Peter Fox, Max Herre & Joy Denalane, Jan Delay und Jan Böhmermann zusammen, um gemeinsam mit Familie und Fans sein Lebenswerk zu feiern.



