Man kannte ihn als Dramatiker und Lyriker. Aber Thomas Brasch hatte in der DDR Film studiert – bevor er exmatrikuliert wurde. Er war immer filmaffin, wollte auch immer schon einen Film machen. Und als er in den Westen übersiedeln musste und alle darauf warteten, dass er seine Memoiren schreiben und darin mit der DDR abrechnen würde, überraschte er mal wieder alle. Und drehte lieber einen Film: „Engel aus Eisen“ mit seiner damaligen Partnerin Katharina Thalbach. Dieser Film wurde 45 Jahre später nun noch einmal gezeigt, in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast veranstaltet. Und als Gast kam Katharina Thalbach, die aus dem Nähkästchen plauderte.
Der Lyriker und Dramatiker wollte schon immer Filme drehen
Wie Brasch schon in der DDR Interesse hatte an dem Fall Werner Gladow und seiner Krawattenbande, die während der Berliner Luftbrücke ihr Unwesen trieben. Als die Berliner Polizei anderweitig beschäftigt war. Brasch hatte dazu auch Gerichtsakten studiert. Und machte daraus einen starken, an den Film noir erinnernden Schwarzweißfilm voller starker Bildkompositionen. So dass man nie auf die Idee gekommen wäre, dies sei ein Regiedebüt. Eher das Werk eines Filmemachers, der nie etwas anderes gemacht hätte.
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Katharina Thalbach spielte Gladows Geliebte, ihre Tochter Anna absolvierte hier ihren ersten Kinoauftritt. „Sie ging noch nicht zur Schule“, so die Mutter. Auf die Frage, wie das eigentlich für den Rest der Filmcrew ist, wenn der Regisseur mit der Hauptdarstellerin liiert ist, kontert sie, zur Gaudi des Publikums: „Das haben wir in der Zeit streng getrennt. Da gabs auch keinen Sex.“
Zur Premiere in Cannes wollte man sie nicht ins Kino lassen
Gern erinnert sie sich auch, wie sie mit diesem Filmdebüt gleich auf die Filmfestspiele nach Cannes eingeladen wurden. „Wir fühlten uns wie Seppel in Chicago“, so die Thalbach. Erst seien sie nicht mal ins Kino gekommen, weil Brasch nicht vorschriftsmäßig Fliege trug. Im Saal sitzend, raunte Brasch ihr dann zu: „Dreh dich mal vorsichtig um.“ Da saß Jack Nicholson, genau hinter ihnen. „Den hab ich immer verehrt“, gesteht sie heute, „der meinte dann aber nur, so gut sah die ja nicht aus.“
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Weniger witzig ist die Geschichte, wie Brasch für den Film beim Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Und den Preis von Ministerpräsident Franz-Josef Strauß überreicht wurde. Für Brasch ein Feindbild. Der rechnete dann auch bei seiner Dankesrede nicht mit der DDR ab, sondern dankte ausdrücklich der Filmhochschule. „Da ging ein richtiger Buhsturm los, ich habe richtig Angst bekommen“, so die 73-Jhrige. Am Flughafen waren sie noch mit großem Teppich empfangen wurden, zurück mussten sie das Taxi selber zahlen. Brasch nahm das Preisgeld, weil er damit seinen zweiten Film „Domino“ anschieben wollte. „Aber es war das einzige Mal in der Geschichte des Filmpreises, dass das Preisgeld versteuert werden musste.“ Im November jährt sich der Todestag von Thomas Brasch zum 25. Mal. Darauf wollten wir schon vorab mit diesem Film hinweisen.
Als Nächstes zeigen wir in unserer Filmreihe am 5. Mai das Liebesdrama „Unter den Brücken“ von Helmut Käutner aus dem Jahr 1945. Zu Gast ist dann der Filmhistoriker und langjährige Leiter der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother.





