Wenn alles glatt geht, steht das Literaturhaus Berlin (Li-Be) kurz vor dem Abschluss einer ziemlich langen Tournee. Im Sommer 2024 zog das Team um die Leiterinnen Janika Gelinek und Sonja Longolius aus dem Stammhaus in der Charlottenburger Fasanenstraße, weil das spätklassizistische Gebäude strangsaniert und barrierefrei gemacht werden musste. Die Büros wanderten in ein Ausweichquartier, eine Fabriketage in Moabit. Hin und wieder fanden dort auch Veranstaltungen statt, aber den Großteil der Zeit nutzte das Li-Be-Team, um überall in Berlin zu Lesungen und Diskussionsrunden einzuladen – und das nicht zu knapp.

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1800 Kilometer fuhr der Transporter mit dem technischen Equipment im Stadtgebiet, um an sein jeweiliges Ziel zu kommen. 95 Veranstaltungen sind es seit Herbst 2024 gewesen – an 54 verschiedenen Orten. Das konnte die Westernstadt Old Texas Town in Spandau sein, die Fahrbereitschaft in Lichtenberg, die Gemäldegalerie am Kulturforum oder das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg – das Li-Be war quasi in ganz Berlin präsent. Und war dabei länger unterwegs als geplant, weil es, wie ja in Berlin keine Seltenheit, mit der Baustelle etwas länger dauerte.

Doch nun ist der Abschluss der Tournee in Sicht, zumindest in einigen Monaten. Wie Gelinek und Longolius bei der Vorstellung ihres Jahresprogramms am Montag sagten, soll der Wiedereinzug in die Villa im Juni stattfinden. So jedenfalls habe es die zuständige Berliner Immobilienmanagement GmbH zugesichert. Dem Li-Be-Team ist das sehr wichtig, weil in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum zu feiern ist: Das Literaturhaus Berlin wurde vor 40 Jahren, im Juni 1986, als erstes einer Reihe von Literaturhäusern in Hamburg, Frankfurt am Main und München gegründet. Das soll an der Fasanenstraße mit einem großen Fest im Herbst gefeiert werden.

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Zugleich möchte das Li-Be die Geschichte der Villa in der Fasanenstraße weiter erforschen. Bevor sie 1986 zum Sitz des Literaturhauses wurde, war das 1889/90 als Teil des Wintergartensembles errichtete Gebäude nämlich vieles: ab 1945 Volks- und Armenküche, später Flüchtlingsheim (bis Ende der 1950er-Jahre) und bis Ende der 1970er-Jahre unter anderem auch Tanzschule und Nachtlokal. Das Literaturhaus sucht Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sich an diese Zeit erinnern können, und freut sich über Nachrichten an info@literaturhaus-berlin.de.

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Noch sind ein paar Monate Zeit bis dahin. In den kommenden Wochen wird das Li-Be zunächst seine Tournee weiter fortsetzen. Im Januar stehen noch Gastspiele in der Bezirkszentralbibliothek „Mark Twain“ in Marzahn-Hellersdorf, im Schinkel Pavillon in Mitte sowie in der Gedenkstätte Hohenschönhausen im Kalender, auch der Februar steht noch im Zeichen des urbanen Nomadentums. Ab März und für drei Monate wird der Circus Cabuwazi auf dem Tempelhofer Feld zur Spielstätte für das Li-Be – das ist beheizt und bietet 300 Gästen Platz. Sie hätten viele wertvolle Erfahrungen „on the road“ gewonnen, sagten Gelinek und Longolius am Montag, und Auswärtsspiele sollen auch in Zukunft zum Programm gehören. Die Vorfreude auf ihr altes Zuhause ist ihnen dennoch anzumerken.

Informationen: li-be.de