Lauter Überraschungen beim Golden Globe. Die Auszeichnung für den besten Schauspieler in der Kategorie Komödie ging nicht an Leonardo DiCaprio für seinen zugedröhnten Revoluzzer im Morgenmantel in der Satire „One Battle After Another“. Sondern an den 21 Jahre jüngeren Timothée Chalamet. Der war im letzten Jahr noch mit dem Bob-Dylan-Biopic „Like A Complete Unknown“ im Globe-Rennen unterlegen, konnte aber jetzt, im fünften Anlauf, die begehrte Trophäe entgegennehmen: für „Marty Supreme“, wieder ein Biopic, aber diesmal über einen Schuhverkäufer, der davon träumt, Weltmeister im Tischtennis zu werden.

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Überraschung auch beim besten Hauptdarsteller im Drama-Fach. Hier gewann nicht etwa Dwayne Johnson für seine erste ernste Rolle in „The Smashing Machine“. Und auch nicht Jeremy Allen White für seinen Bruce Springsteen im Biopic „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“. Sondern Wagner Moura für das brasilianische Drama „The Secret Agent“ über Angst, Paranoia und Verfolgung in der Militärdiktatur der 70er-Jahre. Der Film von Kleber Mendonça Filho wurde auch als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Und nicht etwa Jafar Panahis heimlich im Iran gedrehtes Drama „Ein einfacher Unfall“. Obwohl das ein starkes Signal für die derzeitige Protestwelle im Iran gewesen wäre.
Der Abend sorgte für viele Überraschungen
Bei der besten Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical gewann nicht etwa Emma Stone für „Bugonia“ von Yorghos Lanthimos, für dessen „Poor Things“ sie erst vor zwei Jahren ausgezeichnet worden war. Und auch nicht Cynthia Erivo für „Wicked 2“, immerhin das einzige Musical in dieser Sparte. Sondern Rose Byrne als Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs in der eher kleinen Produktion “If I Had Legs I’d Kick You”. Und bei den männlichen Nebendarstellern durfte nicht Sean Penn für „One Battle After Another“ aufs Treppchen steigen und auch nicht Paul Mescal für das Shakespeare-Drama „Hamnet“, sondern Stellan Skarsgård für den norwegischen Film „Sentimental Value“.

Aber auch wenn DiCaprio und Penn leer ausgingen, war Paul Thomas Andersons „One Battle After Another” doch der große Sieger des Abends. Zwar nicht als Abräumer, immerhin war er neunmal nominiert, aber am Ende doch mit vier Trophäen. Für die beste Komödie, für Regie und Drehbuch, die beide an Anderson gingen, und für die Popsängerin Teyana Taylor als Nebendarstellerin (der unter anderem die Popkollegin Ariana Grande mit „Wicked 2“ unterlag). Ein Film zur Stunde, der die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft satirisch überhöht aufzeigt in einem Kampf militanter linker Aktivisten, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen. Ein Film, der tief in die Abgründe der MAGA-Bewegung und der White-Supremacy-Ultrarechten blickt.
Den Kritikern Trumps dürfte dieser Preis gefallen
Donald Trump und seinen Anhängern dürfte dieser Globe-Sieg nicht gefallen. All seinen Kritikern umso mehr. Hier gibt sich die Globe Foundation, die den Preis verleiht – anders als beim iranischen Beitrag – klar politisch. Aber das kann sie auch, weil der Globe, anders als alle anderen Filmpreise, zwischen Drama und Komödie (zu der auch Musicals zugeschlagen werden) unterscheidet. Als bestes Drama nämlich wird ein hochemotionaler und sehr ungewöhnlicher Shakespeare-Film ausgezeichnet: Chloé Zhao, die vor fünf Jahren für „Nomadland“ drei Oscars und zwei Globes gewann, fokussiert in „Hamnet“ (der in Deutschland erst in einer Woche ins Kino kommt) auf die Frau von Shakespeare – und wie unterschiedlich sie und er auf den Tod des gemeinsamen Sohnes reagieren, was der Schriftsteller mit seinem berühmtesten Stück „Hamlet“ verarbeitete.
Jessie Buckley wurde dafür auch als beste Hauptdarstellerin in einem Drama ausgezeichnet. Bei den Oscars, die nicht zwischen E und U unterscheiden, werden beide Filme wohl aufeinandertreffen. Die Abstimmungen dafür begannen noch am Montag, die Oscar-Nominierungen werden dann am 22. Januar bekannt gegeben.

Früher galten die Golden Globes lange als Vorboten für die Oscars und als einer der wichtigsten Filmpreise neben diesen. Bis es einen Skandal gab um Mauscheleien und zu wenig Repräsentanz von Minderheiten bei der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die die Globes früher verlieh. Was 2023 schließlich zur Auflösung der HFPA führte. Eine private Investorengruppe um Todd Boehly erwarb dann die Rechte an den Globes und gründete dafür die gemeinnützige Golden Globe Foundation. Jetzt votiert nicht mehr nur eine Hundertschaft von Auslandskorrespondenten, sondern immerhin rund 400. Aber immer noch kein Vergleich zur Film Academy in Hollywood, bei der rund 10.000 Mitglieder über den Oscar abstimmen.
Die Globe Foundation hat die Kritik ernst genommen
Dennoch spielt sich der Globe wieder zurück ins Rampenlicht. Nach den Krisenjahren jedenfalls wandeln zur 83. Verleihung in Los Angeles Stars wie DiCaprio, Penn, Grande, Jennifer Lawrence, Kate Hudson oder George Clooney wieder ganz selbstverständlich über den Teppich. Dass Hollywood aber nicht mehr klar dominiert, sondern auch Filmschaffende aus Brasilien und Norwegen triumphieren können und mit Chloé Zhao eine Sino- und mit Teyana Taylor eine Afro-Amerikanerin gewonnen haben, zeigt, dass die Globe Foundation die Kritik, farbenblind zu sein, ernst genommen hat, deutlich diverser aufgestellt ist. Und auch so votiert.

Nur mit der medialen Strahlkraft ist es nicht mehr so weit her. Die Senderechte liegen jetzt bei Paramount+, weshalb die Globe-Verleihung nicht mehr, wie früher, live auf Pro7 zu erleben war, aber auch nicht auf dem deutschen Ableger des Streamingdienstes. In Deutschland schaut man, was die Globes angeht, in die Röhre. Doch hier war das Interesse vielleicht auch gedämpft.
Kaum politische Statements – die gab nur die Moderatorin
Der deutsche Hollywoodkomponist Hans Zimmer, der im Vorjahr noch den Globe für seinen Soundtrack zu „Dune: Part Two“ gewann, unterlag diesmal mit seiner Musik zu dem Rennsportfilm „F1“, ebenso wie Max Richter für „Hamnet“, dem Schweden Ludwig Göransson für seinen Score zu dem grimmigen Vampirfilm „Blood and Sinners“. Und „In die Sonne schauen“, das Drama der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski, das als offizieller deutscher Kandidat ins Rennen um den Auslands-Oscar geht, hat es bei den Globes nicht mal auf die Nominiertenliste geschafft.

Comedienne Nikki Glaser, die die Show wie im Vorjahr moderierte, eröffnete den Abend mit der sarkastischen Bemerkung, die Gala sei „die wichtigste Sache, die gerade in der Welt passiert“. Und sie teilte auch noch – in Anspielung auf geschwärzte Seiten in den Ermittlungsakten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein – einen Seitenhieb gegen die Trump-Regierung aus: „Und der Golden Globe für den besten Schnitt geht an das Justizministerium.“ Sonst aber nutzte, anders als in früheren Jahren, kaum jemand die Bühne für politische Statements oder scharfen Protest. Die politische Brisanz steckt ganz im Hauptgewinner des Abends.
Als bester Hauptdarsteller in einem Drama hat der Brasilianer Wagner Moura gewonnen. Der 49-Jährige überzeugte mit seiner Rolle in dem Thriller „The Secret Agent“. Damit setzte er sich unter anderem gegen Joel Edgerton („Train Dreams“), Oscar Isaac („Frankenstein“), Dwayne Johnson („The Smashing Machine“) und Michael B. Jordan („Blood & Sinners“) durch.
Golden Globes für beste Regie und beste Komödie: „One Battle After Another“
US-Regisseur Paul Thomas Anderson hat mit dem Politthriller „One Battle After Another“ den Golden Globe in der Sparte „Beste Regie“ gewonnen. Für den Regie-Globe nominiert waren auch der US-Amerikaner Ryan Coogler („Blood & Sinners“), der Mexikaner Guillermo del Toro („Frankenstein“), der Iraner Jafar Panahi („Ein einfacher Unfall“), der Norweger Joachim Trier („Sentimental Value“) und die gebürtige Chinesin Chloé Zhao („Hamnet“).
Die Preisträger im Überblick
Bester Film Drama: „Hamnet“ (USA) von Chloé Zhao
Bester Film Komödie: „One Battle After Another” (USA) von Paul Thomas Anderson
Regie: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another”
Drehbuch: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another”
Hauptdarstellerin Drama: Jessie Buckley für „Hamnet”
Hauptdarsteller Drama: Wagner Moura für „The Secret Agent” (Brasilien)
Hauptdarstellerin Komödie: Rose Byrne für „If I Had Legs I’d Kick You“ (USA)
Hauptdarsteller Komödie: Timothée Chalamet für „Marty Supreme“ (USA)
Nebendarstellerin: Teyana Taylor für „One Battle After Another“ (USA)
Nebendarsteller: Stellan Skarsgård für „Sentimental Value“ (Norwegen)
Bester fremdsprachiger Film: „The Secret Agent” von Kleber Mendonça Filho (Brasilien)
Animationsfilm: „KPop Demon Hunters“ (USA)
Preis für filmischen und Kassenerfolg: „Blood & Sinners” (USA) von Ryan Coogler
Filmmusik: Ludwig Göransson für „Blood & Sinners“
Filmsong: „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“
Die Tragikomödie setzte sich bei der Preisverleihung unter anderem gegen die Filme „Bugonia“ und „Marty Supreme“ durch. Der Film von Paul Thomas Anderson geht damit auch bei den diesjährigen Oscars als ein Favorit ins Rennen.
Beste Hauptdarsteller in einer Komödie: Timothée Chalamet und Rose Byrne
Timothée Chalamet (30) hat mit seiner fünften Golden-Globe-Nominierung zum ersten Mal die begehrte Trophäe gewonnen. Er erhielt den Preis in der Sparte bester Hauptdarsteller in einer Komödie/Musical für seine Rolle als ambitionierter Tischtennisspieler in der Tragikomödie „Marty Supreme“.
Damit setzte sich Chalamet gegen George Clooney („Jay Kelly“), Leonardo DiCaprio („One Battle After Another“), Ethan Hawke („Blue Moon“), Lee Byung-Hun („No Other Choice“) und Jesse Plemons („Bugonia“) durch.
Sein Vater habe ihm beigebracht, immer dankbar zu sein, für das, was man habe, sagte Chalamet in seiner Dankesrede. Das habe ihm in der Vergangenheit dabei geholfen, wenn er bei Preisverleihungen leer ausgegangen war. Umso „süßer“ sei nun dieser Moment.
Die Australierin Rose Byrne gewinnt ebenfalls ihren ersten Golden Globe. Sie wurde für ihre Rolle als überforderte Mutter in dem Comedy-Drama „If I Had Legs I’d Kick You“ geehrt. Byrne setzte sich gegen fünf Mitstreiterinnen durch, darunter Hollywood-Stars wie Cynthia Erivo („Wicked: Teil 2“), Kate Hudson („Song Sung Blue“) und Emma Stone („Bugonia“).





