• Xavier Naidoo ist zurück und tritt Ende Januar in Berlin auf
  • Lange machte der Sänger durch Hetze und Verschwörungstheorien Schlagzeilen
  • Nun gibt er sich geläutert – doch ist der Imagewechsel wirklich ernstzunehmen?

Nach zwei ausverkauften Konzerten im Dezember in Köln geht Xavier Naidoo im Januar erstmals seit 2019 wieder auf Tournee. Die Reaktionen auf die Rückkehr des Soul- und R&B-Stars sind gespalten, fiel der Sänger doch lange durch Antisemitismus, Holocaust-Leugnung und rechtsradikale Verschwörungstheorien auf. 2022 hat er sich dafür öffentlich entschuldigt. Doch viele halten seine Reue bis heute nicht für authentisch, sondern für einen strategischen Schachzug, um zurück auf die Bühne zu kommen und somit viel Geld verdienen zu können.

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Im Januar gibt der 54-Jährige auch in Berlin zwei Konzerte auf seiner „Bei meiner Seele“-Tour in der Uber Arena, wo er zuletzt 2019 zu sehen war. Damals gab es in München Proteste wegen seiner antisemitischen Gesinnung und seiner Nähe zu den sogenannten Reichsbürgern. Live ließ Naidoo zu den Kontroversen um seine Person aber kein Wort verlauten. Er sang auch keinen seiner umstrittenen Songs. Daran wird er sich wohl auch diesmal halten. 2018 wehrte er sich zudem vehement gegen die Vorwürfe und bekam zunächst vom Landgericht Regensburg Recht. In letzter Instanz hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil 2021 jedoch auf.

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Xavier Naidoo spielt zwei Konzerte in Berlin

Dass der Sänger polarisierte, interessierte seinerzeit niemanden unter den Fans, die ihn frenetisch bejubelten. Was auch jetzt wieder zu beobachten ist und einmal mehr zeigt, dass es der breiten Öffentlichkeit angesichts von Hymnen und Hits egal ist, wie antisemitisch oder rassistisch verstrahlt ein Künstler ist. Was bei Richard Wagner in Bayreuth funktioniert, gilt auch für Xavier Naidoo. Aktuell sind noch zwei Verfahren am Landgericht Mannheim gegen den Musiker anhängig. Darin soll es unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung gehen.

Auf seiner Homepage findet sich dazu ebenso wenig ein Hinweis wie in den sozialen Medien. Alles clean, als ob nie etwas geschehen wäre. Xavier Naidoos neues Leben auf Instagram begann im Juli 2025 mit einem Post, in dem er gemeinsam mit seinem Veranstalter Live Nation sein erstes Konzert nach sechs Jahren Bühnenabstinenz im Dezember in der Kölner Laxness Arena ankündigte. Die 15.000 Tickets gingen binnen Minuten weg wie warme Semmeln. Einen Tag später wurde ein Zusatzkonzert angekündigt, das ebenfalls in kürzester Zeit restlos ausverkauft war. Und wenige Tage später standen bereits sieben weitere Auftritte in den größten Arenen des Landes fest.

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Längst ist die Zahl der Gigs auf 14 angewachsen. Heute feiert Xavier Naidoo sich und seine Fans wieder auf Instagram. So viel Zuspruch suggeriert ganz klar: Wenn es nach den Fans geht, ist er eindeutig rehabilitiert. Schon sein kleines, gesangliches Comeback auf dem letzten Album von Moses Pelham sorgte in den sozialen Medien einhellig für Begeisterung. Doch es ist wesentlich komplizierter, denn es lässt sich eben nicht einfach wegwischen und vergessen, was der Musiker gesagt, ja fast gepredigt hat. Er verbreitete unter anderem eine Botschaft, in der von „Judengesindel“ die Rede war.

Xavier Naidoo: „Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

Schon ein Jahr nach seinem Durchbruch 1998 mit dem Debütalbum „Nicht von dieser Welt“ sorgte Xavier Naidoo in einem Interview mit dem Musikexpress für Irritationen, als er sich selbst als „Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“ bezeichnete. Später sympathisierte er mit den sogenannten Reichsbürgern und vertrat Thesen der QAnon-Ideologie. Bis er zuletzt 2020 als Juror hochkantig aus der Show „Deutschland sucht den Superstar“ rausflog, nachdem ein Video von ihm mit rassistischen Inhalten bekannt wurde. Daraufhin wandten sich auch Freunde und musikalische Weggefährten wie die Söhne Mannheims von ihm ab.

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Im April 2022 kam schließlich die Kehrtwende. In einem rund drei Minuten langen Video erklärte Xavier Naidoo: „Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage.“ Grund dafür sei der Ukraine-Krieg gewesen. Er habe Freunde und Angehörige seiner ukrainischen Frau Julia aus dem Land holen müssen und dabei seine früheren Ansichten überdacht, sagte der gebürtige Mannheimer damals: „Die Welt scheint wie auf den Kopf gestellt, und ich habe mich gefragt, wie es so weit kommen konnte.“

Konzert-Comeback nach Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Rassismus

Seitdem wird Naidoos Sinneswandel angezweifelt, denn in dem Video blieb er auffallend vage. Sein Veranstalter Marek Lieberberg sieht das anders. Er ist überzeugt, Naidoo habe sich „zweifelsfrei“ distanziert: „Sein eindeutiges öffentliches Bekenntnis und die begründete Entschuldigung belegen die Ernsthaftigkeit seiner Selbstkritik.“

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Natürlich kann es nicht darum gehen, dass sich Xavier Naidoo permanent für frühere Aussagen und Ansichten entschuldigt. Aber seine bisherige Begründung für seine Abkehr davon ist doch recht dürftig. Bis heute hat er nicht wirklich konkretisiert, warum er sich von Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Rassismus abgewandt hat. Vielleicht wäre es zielführend, wenn er sich öffentlich Fragen dazu stellen lassen würde, um glaubwürdig zu zeigen, wie ernst es ihm damit ist. Damit würde er Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihn nach wie vor für einen Schwurbler und Antisemiten halten. Aber man sollte ihm auch offen und ehrlich die Möglichkeit geben, um sich zu erklären. Schließlich hat jeder eine zweite Chance verdient. Und musikalisch ist der begnadete Sänger mit der einzigartigen Stimme in jedem Fall ein Gewinn.

Uber Arena, Uber Platz 1, Friedrichshain, Tickethotline 01806 57 00 70, 20. (ausverkauft) + 21.1. (Restkarten) um 20 Uhr