Nach sechs Jahren Pause kehrt der umstrittene Sänger Xavier Naidoo mit einer großen Tour auf die Bühne zurück. Im Rahmen seiner „Bei meiner Seele“-Tournee feiert der 54-Jährige am Dienstagabend in der Kölner Lanxess-Arena sein Comeback. Nach zwei Auftritten in Köln sind weitere Konzerte in Zürich, München, Wien, Oberhausen, Hamburg, Leipzig, Berlin, Mannheim und Stuttgart geplant. Nach Angaben des Veranstalters wurden bereits weit über 150.000 Tickets verkauft.
Xavier Naidoo: Antisemitismusvorwürfe führten zu öffentlichem Rückzug
Der lange Rückzug des Soul-Sängers aus der Öffentlichkeit war vor allem auf wiederholte Antisemitismus- und Rassismusvorwürfe zurückzuführen, die sich in den vergangenen Jahren gehäuft hatten. Naidoo trat unter anderem gemeinsam mit Reichsbürgern auf, polarisierte mit unwahren Aussagen zur Corona-Pandemie und verbreitete Verschwörungserzählungen der QAnon-Bewegung – eine rechtsextreme Gruppierung, deren Anhänger glauben, dass eine geheime Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien die Welt kontrolliert und dass ein „Erlöser“ (oft Donald Trump) diese Elite entlarven und besiegen werde. Neben Attila Hildmann ist Xavier Naidoo einer der berühmtesten deutschen Anhänger von QAnon.
In einem später veröffentlichten Video entschuldigte er sich und erklärte, sich jahrelang in Verschwörungsideologien verrannt zu haben: „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“ Vielen Kritikern ging diese Entschuldigung jedoch nicht weit genug. Auch der Verein Werteinitiative, der sich nach eigenen Angaben für jüdische Belange in der deutschen Mehrheitsgesellschaft einsetzt, forderte nach Bekanntwerden der Kölner Konzerte im Sommer deren Absage.
Die anhaltende Kritik an Naidoos Bühnen-Comeback scheint Veranstalter Marek Lieberberg indes wenig zu beeindrucken: „Eine Entschuldigung ist eine Entschuldigung“. Naidoo habe sich seiner Sicht nach „zweifelsfrei“ von früheren Positionen distanziert, erklärte Lieberberg gegenüber der dpa. „Sein eindeutiges öffentliches Bekenntnis und die begründete Entschuldigung belegen die Ernsthaftigkeit seiner Selbstkritik.“ Den Vorwurf, Naidoo habe seiner Entschuldigung keine Taten folgen lassen, bezeichnete Lieberberg als „absurd und zynisch“.

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Ungeachtet dessen sind am Landgericht Mannheim weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo anhängig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es dabei um geteilte Telegram-Beiträge mit holocaustleugnendem und antisemitischem Inhalt. Die Anwälte des Sängers weisen die Vorwürfe zurück und beteuern seine Unschuld. Es bleibt abzuwarten, wie die Verfahren ausgehen.
lcz mit dpa




