Berlin hat ein neues Zentrum für seine verloren gegangene Mitte, das Archäologie-Lab Petri (Florian Nagler Architekten), das auf den Fundamenten der historischen Lateinschule von Cölln steht. Es ist ein Haus voller Überraschungen für alle Berlin- und Archäologiebegeisterten und die, die es werden wollen: ein offenes Haus mit Ausstellung, Magazineinblick, gläserner Restaurierungswerkstatt und einem Patio im fünften Stock mit großartigem Ausblick über die Stadt. Ein Haus, das Archäologie erlebbar und begreifbar macht, wie der Landesarchäologe Matthias Wemhoff und der Landeskonservator Christoph Rauhut, die für das Projekt verantwortlich sind, betonen. Die fünf Stockwerke des Hauses symbolisieren auch ein zentrales Verfahren der Archäologie: das Forschen in Schichten.

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Die erste Schicht im Untergeschoss zeigt die mittelalterlichen Fundamente. Ein Durchbruch führt von der Lateinschule zu den Fundamenten der Petrikirche, die aus unterschiedlichen Phasen stammen: frühgotisch, barock und neogotisch. Hier sind auch in Nischen die Toten beerdigt, die ursprünglich auf dem Petri-Friedhof zwischen dem 12. und dem 18. Jahrhundert bestattet wurden. Ein Totenbuch listet sie alle auf, nicht mit Namen, aber mit Alter, Todesursache, Verletzungen und Gebrechen: sehr häufig Zahnentzündungen, chronische Sinusitis und Arthrose. Hinweise auf ein hartes Leben ohne großen Komfort. Mithilfe von Modellen, einem Film und Fundstücken kann man dem Werden des Platzes und seiner Gebäude nachspüren. Oder sich informieren, wo sonst in Berlin gegraben wird.

Der erste Stock gibt Einblicke in die Magazin-Regale. Als verbindendes Element aller Stockwerke fungiert ein großes Schaufenster mit interessanten Exponaten, die zeigen, dass Archäologie nicht im Mittelalter beginnt oder aufhört: eiszeitliche Mammutzähne, bronzezeitliche Urnen, eine Glasflasche aus dem 19. Jahrhundert, aber auch ein Schäkel (zum Schleppen von Flugzeugen) vom Tempelhofer Flughafen oder Grabtafeln, die Wilhelm II. für seine Dackel errichten ließ. Und natürlich Fassadenteile von Berliner Gebäuden: vom Schloss, vom Rathaus oder von Schinkels Bauakademie.

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In den oberen Stockwerken dreht sich alles ums Restaurieren, nicht nur, dass man den Profis beim Sichten, Reinigen, Zusammensetzen, Röntgen zuschauen kann – die Werkstatt ist hochmodern ausgestattet –, man kann es auch an interaktiven Stationen selbst ausprobieren oder als Detektiv im ganzen Haus nach Geheimnissen der Vergangenheit forschen. Man sei eben kein Museum, sondern ein Haus, in dem Bildung und Vermittlung im Vordergrund stehen, sagt Anne Sklebitz, Leiterin des PETRI.

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Vor 18 Jahren, als man mit den ersten archäologischen Grabungen am Petriplatz begann, war da noch ein staubiger Parkplatz. Der Andrang war enorm, als 2009 die ersten Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert wurden, die Führungen stets überlaufen, erinnert sich Matthias Wemhoff. Die Berlinerinnen und Berliner waren offensichtlich an den Anfängen ihrer Stadt interessiert. Denn der Petriplatz mit Pfarrkirche, Fischmarkt und Lateinschule war das Zentrum von Cölln. Die erste Erwähnung Cöllns 1237 gilt als ältestes Zeugnis der späteren Doppelstadt Cölln-Berlin.

Die Politik reagierte auf die Begeisterung und änderte den Bebauungsplan. Ein Beispiel dafür, dass Bürgerinnen und Bürger doch etwas bewirken können.

Petri Berlin, Gertraudenstraße 8, Mitte. Di.-Fr. 9-17 Uhr, Sbd./So. 10-18 Uhr.