Der Dorfplatz ist erfüllt von mittelalterlicher Musik, sie ist bis zum Eingang zu hören. Dort stehen die Besucher Schlange, der Andrang zum Jubiläumsfest am Himmelfahrtstag ist riesig. Zum 50-jährigen Bestehen vom Museumsdorf Düppel wurde nicht nur ein großes Fest mit historischem Handwerk organisiert, sondern auch eine Debatte über den geplanten Neubau. So viel steht am Ende fest: Das neue Multifunktionsgebäude wird gebraucht. Aber große Versprechen wollte niemand machen.

Bereits 1995 hatte der Senat beschlossen, dass das Museumsdorf Düppel einen Neubau braucht. Das zweistöckige Gebäude soll auf dem Wirtschaftshof auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern entstehen und Verwaltung und Museum vereinen. Fast 25 Jahre später wurden die ersten Entwürfe erstellt. Dabei blieb es.

Geplant ist ein nachhaltiges Gebäude aus Lehm und Holz, das einen ganzjährigen Betrieb ermöglicht sowie Workshops, Forschung und Abendveranstaltungen. Schulklassen sollen von dem außerschulischen Lernort auch im Winter profitieren. Bis heute wurde der Bau nicht realisiert, jetzt steht er wieder auf der Kippe.

50 Jahre Museumsdorf Düppel
Mittelalterliche Klänge gehören natürlich auf einem Dorfplatz aus dem 12. Jahrhundert dazu.© 50 Jahre Museumsdorf Düppel | Katrin Lange

Geld für die Planung war schon im Haushalt vorgesehen

Tatsächlich seien die Kosten für die Planungen des neuen Gebäudes schon eingestellt gewesen, sagt Julia Heeb, die Leiterin des Museumsdorfs. Doch mit den Kürzungen im Kulturbereich wurden auch sie gestrichen. „Wir versuchen jetzt, im Haushaltsjahr 2026/27 die Finanzierung zu bekommen“, so die Leiterin. Sie hofft, dass die Planungen im nächsten Jahr beginnen können.

„Der Neubau ist das wichtigste Projekt im Museumsdorf“, bestätigt Sophie Plagemann, Vorständin und künstlerische Direktorin vom Stadtmuseum Berlin, zu dem das mittelalterliche Dorf seit 30 Jahren gehört. Auch sie konnte nur versprechen: „Aber wir bleiben dran“.

Wissenschaftssenatorin ruft nach einem Spender

Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) saß ebenfalls auf dem Podium und will weiterhin „das Beste möglich machen für den Ort“. Aber es sei finanziell schwierig. Bei der derzeitigen Lage bräuchte man einen sehr langen Atem. „Es wäre schön, wenn jemand mit sehr tiefen Taschen vorbeikäme und für das klamme Land Berlin einspringen könnte“, erklärt Czyborra. Vielleicht kenne ja jemand einen Spender, fragt sie ins Publikum.

Gebraucht wird der Neubau noch aus einem anderen Grund. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens haben das Stadtmuseum Berlin und die Freie Universität einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Das bedeutet, dass Studierende im Museumsdorf ganzjährig wissenschaftlich arbeiten wollen, Mastermodule dort stattfinden oder Schulklassen von ihnen betreut werden. Dafür werden Räume und Labore gebraucht.

Das Museumsdorf Düppel ist ein einzigartiges Beispiel für experimentelle Archäologie. Es entstand auf den originalen Grundmauern einer alten Siedlung aus dem 12. Jahrhundert, die bei Grabungen freigelegt worden sind. Bereits Ende der 1930er-Jahre seien Scherben auf dem Gelände an der Clauertstraße gefunden worden, berichtet Sophie Plagemann vom Stadtmuseum. Ein junger Mann hätte sie später ins Märkische Museum gebracht.

Erste Funde gab es schon den 1930er Jahren in Düppel

Doch erst in den 1960er Jahren wurden ernsthafte Grabungen aufgenommen. Am 29. Mai 1975 erfolgte schließlich die Gründung des Museumsdorfs Düppel. Das Alltagsleben im Mittelalter soll so getreu wie möglich nachempfunden werden, im Freilandmuseum läuft das Leben wie vor 800 Jahren ab. So werden zum Beispiel mittelalterliche Handwerkstechniken ausgeübt, wie Holzschnitzen, Spinnen, Korbflechten und Brotbacken im Lehmofen.

50 Jahre Museumsdorf Düppel
Die alten Gebäude wurden anhand der Grundmauern rekonstruiert.© 50 Jahre Museumsdorf Düppel | Katrin Lange

Der Betrieb des Dorfes wird vor allem von den etwa 500 Mitgliedern des Fördervereins sichergestellt. Sie engagieren sich ehrenamtlich, vor allem „um das alte Handwerk zu erhalten“, sagt Eva aus der Wollgruppe. Die 81-Jährige ist seit 1978 im Förderverein. Sie habe beruflich schon mit Textilien zu tun gehabt, erzählt sie. Daher interessierte es sie von Anfang an, wie Kleidung hergestellt wird. Im Museumsdorf wird die Wolle gesponnen, gewebt und dann der Stoff verarbeitet. „Das sind alles Techniken, die verloren gegangen sind“, sagt Eva.

Schaubrauen: Klosterbier wie im Mittelalter

Am Bierbrauer-Lager stehen Christian und Andreas. Sie brauen Klosterbier an diesem Tag, natürlich wie im Mittelalter. Dafür steht geschrotetes Gerstenmalz bereit, das zunächst eingemaischt wird. „Dabei entsteht so etwas, wie ein Müslibrei“, erklärt Christian. Bei 67 Grad würden Enzyme aktiv werden, das Malz wandle dann die Stärke in Zucker um. Im nächsten Vorgang wird die Flüssigkeit, die vorher von den festen Bestandteilen getrennt wurde, 90 Minuten mit Hopfen gekocht. Dann abseihen, abkühlen, Hefe rein und für ein bis zwei Wochen in der Gärballon. Fertig ist das Mittelalter-Bier.

50 Jahre Museumsdorf Düppel
Eva (l.) ist seit 1978 im Förderverein vom Museumsdorf Düppel. Zum Fest sitzt sie am Stand der Wollgruppe und zeigt die „Brettchenweberei“.© 50 Jahre Museumsdorf Düppel | Katrin Lange

Andreas ist Hobbybrauer und seit fünf Jahren im Förderverein. Christian war früher Bauleiter, begeistert sich für das Mittelalter und ist seit 2016 dabei. 2017 wurde die Braugruppe gegründet, die zu verschiedenen Terminen Schaubrauen anbietet. Am Vatertag brannten die Holzscheite schon am Vormittag, die ersten Interessenten kamen schnell heran.

Wohl kaum ein Mitarbeiter oder Ehrenamtlicher hatte am Vatertag mit so vielen Besuchern gerechnet. Das Interesse am Mittelalter ist groß, gerade bei Familien mit Kindern. Für sie wäre es schön, auch an Regentagen kommen zu können. Zum Beispiel, um sich eine Ausstellung anzusehen oder einen Workshop mitzumachen. Doch dafür braucht es den Neubau.