Wie deutsch muss ein deutscher Film sein? Diese Diskussion gab es schon beimdeutschen Kandidaten zum Auslands-Oscar, bei der der iranische Film „Die Saat des heiligen Feigenbaums“, mit deutschen Mitteln kofinanziert und in Deutschland endgefertigt, gewählt wurde. Was zu einem gewissen Unmut bei deutschen Filmemachern führte.
Tom Tykwer wird mit seinem Kino-Comeback abgestraft
Die Diskussion gibt es jetzt nun auch beim Deutschen Filmpreis, dessen Nominierungen am Montag bekannt gegeben wurden. Hier ist „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ gleich sechs Mal nominiert. Der Favorit ist aber überraschend „September 5“, eine deutsch-amerikanische Koproduktion des Schweizer Filmemachers Tim Fehlbaum – über ein allerdings schmerzlich deutsches Thema: den Terror-Anschlag bei den Olympischen Spielen in München. Der Film kommt auf zehn Nominierungen.

Sieben Mal nominiert ist Andreas Dresens Drama „In Liebe, Eure Hilde“ über die NS-Widerstandskämpfer Hilde und Hans Coppi. Überraschend abgestraft wurde Tom Tykwer, dessen Kino-Comeback „Das Licht“, das gerade die Berlinale eröffnet hatte, nur auf zwei Nominierungen in Nebenkategorien kommt. Dagegen ist „Cranko“, das Biopic über den Ballettchoreograph John Cranko, mit vier Nominierungen ein weiterer Überraschungskandidat.
Gleich drei Kandidaten dürften doppelt bangen
In diesem Jahr gibt es gleich drei Doppelnominierungen – ein Rekord. Die Komponistin Dascha Dauenhauer ist gleich zwei Mal für die beste Filmmusik nominiert, für „Islands“ und „Kein Tier. So Wild“. Alexander Scheer ist gleich doppelt als bester Nebendarsteller nominiert, einmal für „In Liebe, Eure Hilde“, einmal für den gerade im Kino gestarteten Film „Köln 75“ als Manager des Jazzpianisten Keith Jarrett.

Und Sam Riley – der Ehemann von Alexandra Maria Lara, die vor kurzem noch Präsidentin der Deutschen Filmakademie war, die über die Lolas vergibt – ist gleich zwei Mal im Rennen als bester Hauptdarsteller: für „Cranko“ wie für Jan-Ole Gersters Psychothriller „Islands“, der ebenfalls auf der Berlinale zu sehen war. Für Riley, der zuletzt fast nur noch Nebenrollen gespielt hat, ein echter Aufschlag. Passend zu seinem Tennisspieler in „Islands“.
Die Lolas werden am 9. Mai zum 75. Mal verliehen
Gegen ihn tritt nur Misagh Zaré für den „Feigenbaum“ an, Lars Eidinger wurde für „Das Licht“ nicht nominiert. Um die Lola für die beste weibliche Hauptrolle konkurrieren Liv Lisa Fries („In Liebe, Eure Hilde“), Mala Emde („Köln 75“) und Emma Nova („Vena“). Um die Lola für den besten Film buhlen „September 5“, „In Liebe, Eure Hilde“, Die Saat des Heiligen Feigenbaums“, Islands“, „Köln 75“ und, als Außenseiter, „Vena“.

Donnerstag
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Der Deutsche Filmpreis, der am höchsten dotierte Kulturpreis des Landes, feiert in diesem Jahr sein 75. Jubiläum. Wie die Berlinale, in deren Rahmen er ja in den ersten Jahren noch verliehen wurde. Die Gala findet statt am 9. Mai im Theater am Potsdamer Platz – also im Berlinale-Palast. Mal sehen, ob die Lola mehr aus dem Jubiläum macht als das Filmfestival.

Moderiert wird sie von Schauspieler Christian Friedel, der letztes Jahr eine Lola als bester Nebendarsteller (für „15 Jahre“) erhielt. Friedel gab am Montag die Nominierungen mit der neuen Akademiepräsidentin Vicky Krieps und Noch-Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bekannt. Bei der Verleihung wird dann schon ein anderer Staatsminister auf der Bühne stehen.





