Noch fünf Wochen, dann ist es wieder so weit. Dann wird die Berlinale eröffnet. Zum 75. Mal. Ein großes Jubiläum. Und noch dazu das erste Festival unter der neuen Intendantin Tricia Tuttle, die gleich beweisen muss, was sie kann und welche Filmstars sie auf den Teppich kriegt. Die 75. Berliner Filmfestspiele (13. bis 23. Februar) werden daher gleich doppelt spannend. Ärgerlich nur, dass wegen der allgemeinen Kostensteigerungen die Tickets für Premieren im Berlinale Palast um zwei Euro gestiegen sind.

Für die Leserjury braucht es nur Lust, Zeit - und Sitzfleisch

Wie gut, dass es da auch eine andere Möglichkeit gibt. Wo der Einlass gar nichts kostet. Und man sich auch die tägliche Ticketbeschaffung sparen kann, die ja nur noch digital möglich ist und wofür man schnelle Rechner braucht, um sich die begehrten Karten für zumindest jene Filme zu sichern, die Stars und Glamour versprechen.

Dafür bietet die Berliner Morgenpost eine starke Alternative: eine zwölfköpfige Leserjury, die den gesamten Wettbewerb des Festivals besucht, um am Ende gemeinsam über den Publikumsfavoriten abzustimmen. Der Wettbewerb, das bedeutet zwei bis drei Filme pro Tag. Das ist allerdings kein Feierabendjob! Die Jury schaut nicht die großen Premieren am Abend, sondern – wie die Internationale Jury unter dem diesjährigen Präsidenten Todd Haynes auch – tagsüber. Die erste Vorführung beginnt gleich morgens um 9 Uhr, die zweite um die Mittagszeit und die dritte gegen 15 Uhr. Das heißt, man muss sich für die elf Festivaltage schon Urlaub nehmen. Dafür kann man dann aber auch den ganzen Tag das Filmfestival genießen.

Vom 13. bis 23. Februar wird das Theater am Potsdamer Platz wieder zum Berlinale-Palast. Und zum Mekka der Filmfans.
Vom 13. bis 23. Februar wird das Theater am Potsdamer Platz wieder zum Berlinale-Palast. Und zum Mekka der Filmfans.© Berlinale | Erik Weiss

Und nicht nur den Wettbewerb. Wer danach noch Zeit und genügend Sitzfleisch hat, kann auch in alle anderen Sektionen des Festivals hineinschnuppern, bei Panorama, Forum, Retrospektive oder Generation. Man muss zwischendurch nur genug Schlaf finden, um nicht morgens beim ersten Wettbewerbsbeitrag vor Ermattung einzunicken.

Freuen darf man sich bereits auf einiges. Auf Tilda Swinton, die fast jedes Jahr das Festival bezaubert und in diesem Jahr mit dem Ehrenbär für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird. Auch wenn der für die gerade mal 64-Jährige und immer noch unermüdlich Drehende fast ein wenig früh kommt. Freuen darf man sich auch auf den Eröffnungsfilm, den zum dritten Mal Tom Tykwer stellt: „Das Licht“, ein Berliner Familiendrama mit Lars Eidinger. Jan-Ole Gerster, Regisseur des Kultfilms „Oh Boy“ mit Tom Schilling, stellt seine neue Produktion „Islands“ mit Sam Reilly Martin vor.

„Köln 75“ mit Mala Emde handelt von jener Frau, der es gelang, Jazz-Pianist Keith Jarrett für sein legendäres Köln-Concert 1975 zu gewinnen. Ira Sachs stellt sein Künstlerdrama „Peter Hujar’s Day“ mit Ben ­Whishaw und Rebecca Hall vor. Andreas Prochaska, der vor zehn Jahren mit „Das stille Tal“ für Furore sorgte, stellt „Welcome Home Baby“ vor. In der Retrospektive wird es „wild, schräg und blutig“ mit deutscher Genrekost aus den 70er-Jahre. Und das ist nur ein erster Vorgeschmack. Mit weiteren Titeln hält sich die Berlinale noch bedeckt, um es spannender zu machen.

Donnerstag

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Wer sich in diesem Jahr für die Leserjury bewerben will, muss nur Zeit und Lust haben. Und über ein wenig Englischkenntnisse verfügen. Die Filme sind zwar immer untertitelt, aber nicht immer auf Deutsch. Und so wird’s gemacht: Einfach eine kleine Bewerbung schreiben. Bitte geben Sie dabei unbedingt Ihren Namen, Ihr Alter, Adresse, Beruf und Ihre persönlichen Kinofavoriten an – sowie eine Mobilnummer, unter der Sie auch während des Festivals erreichbar sind. Dem legen Sie noch ein Passfoto bei – bitte unbedingt ein Original, keine Fotokopie, denn sollten Sie in die Jury aufgenommen werden, wird dieses Bild Ihren Festivalausweis zieren. Und ab geht die Post an

Berliner Morgenpost

Kulturredaktion

Stichwort: Leserjury

Friedrichstr. 70

10117 Berlin

Sie können sich natürlich auch online bewerben. In dem Fall schicken Sie Ihr Anschreiben bitte an:

leserjury@morgenpost.de

In dem Fall müssen Sie bitte ein Foto im JPG-Format anhängen. Bewerbungen nehmen wir bis einschließlich Sonntag, den 26. Januar an. Dabei freuen wir uns besonders über fantasievolle Einreichungen und Begründungen. Wer in die Jury aufgenommen wird, wird bis spätestens 3. Februar benachrichtigt. Die Jury trifft sich dann erstmals am Samstag vor Festivalstart, also am ­ 8. Februar um 10 Uhr, für etwa eine Stunde. Auch für diesen Termin müssen Sie unbedingt Zeit haben.

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Die Idee zu einem Publikumspreis im Wettbewerb entstand 1974, zu einer Zeit, als Filme, die beim Publikum ankamen, bei der Bärenvergabe fast als anrüchig galten. Der Leserpreis diente da quasi als Korrektiv und Gegengewicht. Und genießt deshalb vor allem bei Kinos und Verleihern großes Ansehen, weil er anzeigt, wie die Filme an der Kinokasse angenommen werden.

Der älteste Publikumspreis der Berlinale

Seit einiger Zeit aber haben sich die Geschmäcker wieder angeglichen, bekommen Filme wie „Magnolia“ (2000), „Nader und Simin“ (2011), „Seefeuer“ (2016) oder „Körper und Seele“ (2017) wieder ganz selbstverständlich sowohl den Goldenen Bären als auch den Leserpreis der Berliner Morgenpost.

Und wenn es inzwischen auch andere Publikumspreise auf der Berlinale gibt: Der der Morgenpost ist mit Abstand der älteste. Und der einzige, der in der Hauptsektion, dem Wettbewerb, vergeben wird. Nur zwei Mal wurde er ausgesetzt, und das war coronabedingt. Vergangenes Jahr feierte der Preis sein 50-Jähriges und ging an Matthias Glasners „Sterben“. 

Also: Machen Sie mit! Werden Sie Teil der Leserjury. Und ent­scheiden Sie mit, welcher Beitrag in diesem Jahr der Publikumsfavorit im Wettbewerb wird. Wir drücken Ihnen die Daumen!