Der schräg aufwärts zur Gemäldegalerie führende Ebene am Kulturforum hatte bislang keinen offiziellen Namen. Man nannte sie Piazzetta, als spräche man von einem malerischen Treffpunkt in der Toskana – wo doch zugleich breiter Konsens über den städtebaulichen Irrweg herrscht, den sie verkörpert. Allenfalls Skater können die schattenfreie Fläche bei gutem Wetter sinnvoll nutzen, die sonst kaum Aufenthaltsqualität bietet. Sie bleibt ein unwirtlicher Durchgangsraum, einer von vielen in Berlin.

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Seit einiger Zeit jedoch nehmen die Anrainer des Kulturforums, darunter die Staatlichen Museen, die Matthäikirche und die Philharmonie, viel Mühe auf sich, um etwas am schlechten Ruf des Kulturforums zu ändern, noch bevor dort voraussichtlich 2027 das Museum „berlin modern“ eröffnen wird. Eine Baumschule brachte viele ihrer Gewächse vorbei, regelmäßig wird zu Tagen der offenen Tür mit umfangreichen Programm geladen, auch eine Kulturmanagerin kümmert sich um das Quartier. Die von Moritz Wullen geleitete Kunstbibliothek hat sich in die Geschichte des Ortes vertieft, der einmal zu den schönsten der Stadt gehörte, bevor hier zuerst Hitler im Wahn der „Welthauptstadt Germania“, dann der Bombenkrieg, schließlich die deutsche Teilung ihr Zerstörungswerk verrichteten. Jeweils sonntags um 11.15 Uhr bietet sie Vorträge zu den „Kunstgeschichte(n) des Tiergartenviertels“ an, bei denen man sich vertiefend informieren kann.

Einen weiteren Baustein zur schrittweisen Aufwertung liefert nun die Neubenennung der Piazzetta. Am Dienstag wurde das Schild des Johanna und Eduard Arnold Platzes – auf die Kopplungsbindestriche wurde verzichtet – feierlich enthüllt. Durch den Einsatz und die Unterstützung einer privaten Initiative, des „Vereins zur Erinnerung an Johanna und Eduard Arnold“, ist nun die Erinnerung an zwei bedeutende Repräsentanten des jüdischen Bürgertums gesichert, die in Berlin als Kunstmäzene in Erscheinung traten und die Berliner Museumslandschaft um zentrale Exponate bereicherten. Es ist so verblüffend wie beschämend, dass in Berlin bislang so wenig über sie bekannt ist.

Eduard Arnhold, geboren 1849 in Dessau, ging mit 14 Jahren bei einem Berliner Kohlengroßhändler in die Lehre, wo er zu einem der bedeutendsten Energieversorger aufstieg und es zu einem erheblichen Vermögen brachte. 1881 heiratete er Johanna Arnthal, Tochter einer jüdischen Hamburger Familie. Er folgte der Devise „Reichtum verpflichtet“ und förderte den Bau neuer Verkehrswege, Straßenbahnen und Luftschiffe – neben seinem Engagement für die Akademie der Künste und große Museen in Berlin und München. Das berühmteste Werk Tizians im Sammlungsbestand der Gemäldegalerie, die „Venus mit dem Orgelspieler“ aus dem Jahr 1550, verdankt sich auch der Unterstützung Eduard Arnolds. Der Nationalgalerie schenkte er außerdem Werke Max Liebermanns und Édouard Manets. Er war Mitgründer der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und des Kaiser-Friedrich-Museumsvereins. Die Eheleute Arnold traten zudem durch die Stiftung der Villa Massimo in Rom in Erscheinung – und damit ist die Liste noch lange nicht abgeschlossen. Eduard Arnold starb 1925, Johanna Arnhold 1929. Lea Rosh, Vertreterin des Vereins, kündigte am Montag auch eine Informationstafel an.