Die Katze guckt neugierig in den Kamin. Und es flattert hinter dem Schutzglas. Ein Spatz hat sich hier im Sommer eingenistet, wo das Nest bald in Flammen aufgehen würde. Weshalb die Hausherrin das Federvieh befreit. Und fasziniert schaut, wie es in die Freiheit entfliegt. Dass der kleine Vogel eine Metapher auf ihre eigene Situation ist, sieht sie nicht. Der Zuschauer des Films aber schon.

Das Drama schwelt erst auf niedriger Flamme, dann kocht es hoch

Karin (Maren Eggert) ist mit ihrer Familie ins Haus ihrer verstorbenen Mutter gezogen. Warum, begreift ihre Schwester Jule (Britta Hammerstein) nicht. Denn mit dem Haus auf dem Land (und der Mama) verbinden sich nur negative Erinnerungen. Und die scheinen sich nun zu übertragen. Die neue Hausherrin ist ebenfalls innerlich erloschen.

Kalt nimmt sie die Affäre ihres Mannes Markus (Andreas Döhler) mit der Nachbarin (Luise Heyer) hin. Kalt kontert sie die Sticheleien ihres kleinen Sohnes und die offene Feindseligkeit ihr pubertierenden Tochter Johanna (Lea Zoë Voss). Kein Wunder, dass die älteste Tochter Christina (Paula Schindler) schon vor langem das Weite gesucht hat.

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Aber nun kommen sie alle zusammen, das verlorene Schaf, die Schwester samt Mann und Baby, ja selbst die Nachbarin, um Markus’ Geburtstag zu feiern. Eine Fete, die zum Fanal wird. „Der Spatz im Kamin“ ist ein Drama, das erst noch auf niedriger Flamme schwelt, wenn alle sich ständig aus dem Weg gehen und vielsagend anschweigen.

Die Zürcher-Brüder und der Konfliktherd Zusammenleben

Doch bald kocht der Konfliktherd hoch zum offenen Schlagabtausch, wenn einander unangenehme Wahrheiten ins Gesicht geschleudert werden. Bis dann auch Geschirr zerbricht. Und die Katze in der Waschmaschine schleudert.

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SCHWEIZ PORTRAET RAMON UND SILVAN ZUERCHER
Die Schweizer Filmbrüder Ramon Zürcher (l.) und Silvan Zürcher. © picture alliance/KEYSTONE | Anthony Anex

Auf dem Schlachtfeld der ­Gefühle sind die Schweizer ­Zwillingsbrüder Ramon und Silvan Zürcher Wiederholungstäter. „Der Spatz im Kamin“ ist der letzte Teil einer Trilogie über das Zusammenleben als Kampfzone, die sie gemeinsam – Ramon Zürcher als Regisseur und Drehbuchautor, Silvan Zürcher als Produzent – konzipiert haben.

Donnerstag

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Nach „Das merkwürdige Kätzchen“ (2013) und „Das Mädchen und die Spinne“ (2021). Weil sie dabei immer und schon im Titel mit einer Tiermetapher arbeiten, wird es auch ihre „Tier-Trilogie“ genannt.

Man wartet nur darauf, wann die Brandstifterin wieder loslegt

„Der Spatz im Kamin“ ist nun deren Fegefeuer. Aber mehr noch als seine Vorgänger wirkt dieser Film, trotz der starken Darsteller, allzu theatralisch und konstruiert, eine reine Versuchungsanordnung mit leblosen Figuren, die mit Lust immer wieder aufeinander losgelassen werden.

Dass die nette Nachbarin mal in der Psychiatrie saß, weil sie das Haus ihres Mannes abgefackelt hat, wird früh und aufdringlich erwähnt. Man wartet nur, wann auch dieses Haus brennt. Damit all diese seltsamen Vögel, die darin gefangen sind, in eine neue Freiheit entfleuchen können.

Drama, Schweiz 2024, 115 min., von Ramon Zürcher, mit Maren Eggert, Britta Hammelstein, Andreas Döhler, Luise Heyer