Katzenfreunde wissen, dass das erstaunlichste Spektakel oft auf leisen Sohlen um die Ecke biegt. Wohingegen Hundefreunde wissen, dass es nichts Bedeutenderes gibt als das Spiel. Und dieser Film, in dem Hund und Katz’ nebst einigen Menschen, Räumen, Sätzen und Gegenständen eine von einvernehmlichem Befremden geprägte Wohngemeinschaft bilden, ist beides: ein grandioses Spektakel auf leisen Sohlen und ein großartiges Spiel, das nichts braucht als sich selbst. Eine Katze gibt es tatsächlich in Ramon Zürchers erstaunlichem Debüt „Das merkwürdige Kätzchen“, aber sie ist nicht merkwürdiger als alles andere auch.
Das Merkwürdige aber: Alles ist hier zugleich seltsam und völlig unspektakulär. Schon beim Beschreiben der sogenannten Handlung möchten einem die Füße einschlafen: An einem Samstag in Berlin trifft sich eine Familie in einer Altbauwohnung. Immer mehr Verwandte kommen hinzu. Ein Nachbarsjunge schaut vorbei. Vom Kind bis zur Großmutter sind alle Generationen vertreten.
Von anderen Familien-Filmen vor ähnlicher Kulisse ist man gewohnt, dass es einen Anlass für das Treffen gibt. Ein sauber gedrechseltes Drehbuch zeigt dann, dass „Familie“ entweder komisch oder tragisch oder tragikomsisch, auf jeden Fall etwas Dysfunktionales sein muss. Hier jedoch offenbart sich nichts und es bricht auch nichts zusammen. Es gibt eben nur Merkwürdigkeiten. Diese werden wiederum nicht erklärt, und wenn doch, ist die Erklärung merkwürdig. Die Dinge sind auch nicht untätig: Eine Flasche singt, die Waschmaschine zahlt in bar, und abends greift eine Wurst an. So beschreiben es jedenfalls die anwesenden Menschen (etwa Jenny Schily, die Mutter). Noch das Geringste und Alltäglichste ist willkommener Anlass zum spielerischen Missverständnis, zur Perspektiv-Verschiebung, zur Irritation?
Stets bleibt die Kamera unbewegt, vieles geschieht im Off, selten sieht man etwas ganz. Und doch gibt es kaum erfülltere Kino-Momente als dieses genauestens choreographierte Ballett der leisen, präzisen Absurditäten. Wie ein kammerspielartiges Echo auf Walther Ruttmanns Stummfilmklassiker „Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt“ (1927) beschreibt der Film einen Bogen vom allmählichen Erwachen über die Umtriebigkeit des Tages bis zum abendlichen Verklingen.
Familiendrama: D 2013, 72 min., von Ramon Zürcher, mit Leon-Alan Beiersdorf, Lea Draeger
++++-

