Zwei an Seele und Leib Verwundete treffen sich in Stéphanie Di Giustos Historienfilm „Rosalie“ im Frankreich des Jahres 1870. Eine lange Narbe ziert den Rücken des überschuldeten Cafébetreibers Abel (Benoît Magimel), eine Wunde wohl aus dem Deutsch-Französischen Krieg.
„Rosalie“: Reiche Mitgift, behaarter Körper
Albträume jagen derweil weit entfernt die schöne junge Rosalie (Nadia Tereszkiewicz), die ein dunkles Geheimnis hat, das mit den Zuschauern auch erst Abel in der Hochzeitsnacht erfährt, als er Rosalie, ganz offensichtlich wegen der reichen Mitgift, ehelicht, ohne sie je zuvor gesehen zu haben: Rosalie ist am ganzen Körper stark behaart, was Abel zunächst mit Empörung, dann mit Abscheu kommentiert.
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Wie der eigenbrötlerische Abel, der Tiere ausstopft und dem skrupellosen Fabrikbesitzer Barcelin (Benjamin Biolay) noch jede Menge Geld schuldet, und die sanfte Rosalie, die das Moos im Wald streichelt und sich liebenswürdig gegenüber den Kindern in der Fabrik verhält, doch langsam zueinanderfinden, ist sehenswert.
„Rosalie“: Mehr Umsatz mit offenem Damenbart
Entscheidend dabei ist, dass sich Rosalie entschließt, ihren Bartwuchs offen zur Schau zustellen, um so Abels Café zu mehr Umsatz zu verhelfen. Und tatsächlich wird die „bärtige Frau“ eine örtliche Attraktion – mit Fotos, aber auch zunehmender Ablehnung der Dorfbevölkerung.
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Stéphanie Di Giusto macht daraus mit wenigen Worten und präzisen Bildern ein stimmungsvolles Sittengemälde einer von Ausbeutung und Kriegsfolgen geprägten ländlichen Gemeinschaft: mit Treibjagden in verwunschenen Wäldern, eindrucksvollen Gesichtern vereinsamter Menschen und dem Aufkeimen einer zarten Liebe zweier Außenseiter, die unter diesen widrigen Umständen keine Chance hat.
Drama, B/F 2024, 116 min., von Stéphanie Di Giusto, mit Nadia Tereszkiewicz, Benoît Magimel, Benjamin Biolay



