Manchmal hilft nur noch improvisieren. Im echten Leben. Aber auch in der Kunst. Beim deutschen Film ist das noch nicht so angekommen, aber einer, der dafür immer wieder eine Lanze bricht, ist Jan Georg Schütte. Als Schauspieler weiß er die Freiheit des Spiels zu schätzen. Seit fast 20 Jahren belebt er damit auch die etwas träge Filmlandschaft. Und animiert dafür gestandene Stars, für die das oft fremdes Terrain ist.
Die Freiheit der Schauspielerei beim Improvisieren
Schütte gibt wenige Vorgaben, lässt seine Darsteller dann machen und schneidet das zu jenem Ganzen, das sich erst finden muss. Mal in Ko-Regie mit Lars Jessen, mal allein. Die Spielfreude der Schauspieler überträgt sich dabei auf den Zuschauer. Der hat indes auch Spaß daran, zu studieren, wie die eine sich besser und der andere schwerer damit tut.
Bislang liefen Schüttes Impro-Filme nur im Fernsehen. „Micha denkt groß“ ist nun der erste, den die ARD kühn ins Kino schickt. Und wirklich geht es hier mal nicht nur um Menschlich-Allzumenschliches bei Familien und Paaren – wie in „Swinger Club“ (2006), Schüttes erstem Impro-Film, oder später „Altersglühen - Speed-Dating für Senioren“ (2014), „Klassentreffen“ (2019) und „Das Begräbnis“ (2022).
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„Micha denkt groß“ spielt in einer abgehängten Einöde im Osten. Ein fiktives Örtchen namens Klein-Schlappleben in Sachsen-Anhalt. Der titelgebende Micha (Charly Hübner) ist hier einst weggezogen und hat in der großen Stadt als Videospieldesigner viel Geld gemacht. Nach dem Tod der Eltern kehrt er nun in seine Heimat zurück. Und will aus dem geerbten Hotel, in dem lange keiner mehr genächtigt hat, eine riesige Luxus-Wellness-Oase machen, die auch reichlich Geld in die notorisch leere Gemeindekasse spülen soll.
Das Dorf gräbt sich bald gegenseitig das Wasser ab
Dafür will Micha die Einwohner gewinnen, doch die verstehen sein Unternehmersprech kaum. Und haben ganz andere Sorgen. Eines davon ist – das Grundwasser, das versiegt. Auch da denkt Micha groß und lässt einen neuen Brunnen bohren. Stänkerer Bernd (Schütte selbst) legt aber selbst einen an. Nun graben sie sich gegenseitig das Wasser ab. Und spalten das Dorf, das Position beziehen muss. Erst recht, als rauskommt, dass der Erfolgsunternehmer längst Pleite ist.
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Micha wird gespielt von Charly Hübner, dem Star vieler Schütte-Impros, mit mit dem er sich einen Kleinkrieg liefert. Aber auch Peter Kurth als überforderter Kuhbauer und Jördis Triebel als Überlebenskünstlerin punkten im Stegreifspiel.
Bei aller Komik werden dabei ernste Themen verhandelt. Die zunehmende Wasserknappheit, wovon gerade Sachsen-Anhalt stark betroffen ist. Und die Spaltung der Gesellschaft, wo man sich nicht mehr zuhört und nur noch gegen einander ist. Deshalb genau der richtige Film vor den drei Herbst-Wahlen im Osten.
Komödie, Deutschland 2024, 92 min., von Lars Jessen und Jan Georg Schütte, mit Charly Hübner, Jördis Triebel, Peter Kurth, Jan Georg Schütte



