Helena Mälck
Wenn das Vergessen ein Geschenk ist, was ist dann die Erinnerung? Im Psychothriller „Blink Twice“ geht es um Frauen, die versuchen, sich ihre Erinnerung und damit ihre Macht zurückzuholen. Denn ohne die Wahrheit kommt hier niemand lebend raus.
Eine Freundin verschwindet - und keiner kann sich an sie erinnern
Doch der Reihe nach: Auf einer Spendengala lernt die Kellnerin Frida (Naomi Ackie) den Tech-Milliardär Slater King (Channing Tatum) kennen. Der lädt sie und ihre Freundin Jess ein, mit ihm und seinen Freunden auf seine Privatinsel mitzukommen. Dort herrscht ein Leben der Ekstase, wie man es sich bei den Reichen vorstellt. Die Tage verbringen die Inselgäste mit Drinks am Pool.

Donnerstag
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Abends stürzen sie sich in den Drogenrausch. Von den Nächten sieht man nur Ausschnitte. Was genau passiert, bleibt im Verborgenen. Auch die Gäste wissen es nicht: Woher kommt der Dreck unter Fridas Fingernägeln? Warum hat jemand ein blaues Auge? Wo ist das Messer? Dann ist Jess plötzlich verschwunden. Doch außer Frida scheint sich niemand an ihre Freundin zu erinnern.
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Das Setting des Films ist bekannt, auch die Geschichte klingt zunächst nicht neu. Schnell kommen Assoziationen auf etwa zu „Glass Onion: A Knives Out Mystery“. Doch das Regiedebüt der Schauspielerin Zoë Kravitz („Mad Max: Fury Road“, „The Batman“) entwickelt sich etwa nach der Hälfte in eine ganz andere Richtung: Als Sarah, eine der Gäste, mit dem Feuerzeug von Jess auf Frida zukommt, merken die beiden, dass etwas auf dieser Insel nicht stimmt.
Frauen, die darum kämpfen, keine Opfer zu sein
Charaktere, die einst sympathisch wirkten, entpuppen sich als Psychopathen. Und irgendwann ist gar nicht mehr klar, wer die Menschen auf dieser Insel überhaupt sind. Die beiden Frauen, die einst um Slater konkurrierten, verbünden sich. Und plötzlich sind sie die einzigen auf der Insel der Täuschung, die wissen, was geschehen ist.
Kravitz’ Film hat etwas Feministisches: Frauen, die zunächst Opfer sind, verbünden sich, gewinnen die Kontrolle zurück und werden schließlich selbst zu Tätern. Sie sind von Anfang an starke Figuren. Kravitz’ Film entstand im Zuge der MeToo-Debatte und zeigt, im Stil eines Psychothrillers, ein systematisches Problem in der Gesellschaft auf. „Blink Twice“ ist unheimlich, blutig und macht wütend. Eine Geschichte über Machtmissbrauch und Frauen, die darum kämpfen, keine Opfer zu sein.
Thriller USA 2024, 102 min., von Zoë Kravitz, mit Naomi Ackie, Channing Tatum, Alia Shawkat, Christian Slater




