Sie war eine Ausnahmeschauspielerin. Und die Königin des US-Independent-Kinos. Hollywood konnte nichts mit Gena Rowlands anfangen. Weil sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprach. Und weil sie zu kantig, zu taff, zu stark war. Aber glücklicherweise traf sie einen anderen Außenseiter, der wie sie die Traumfabrik mied und für den sie zur großen Muse wurde: John Cassavetes. Mit ihm hat sie ihre stärksten Filme gedreht, die er ihr auf den Leib geschrieben hat, und mit ihm war sie verheiratet bis zu seinem frühen Tod 1989. Am Mittwoch ist nun auch Gena Rowlands gestorben, im Alter von 94 Jahren.
Sie spielte handfeste Figuren, die stets unter Hochspannung standen
Untrennbar sind ihre Namen miteinander verbunden. Wie Cassavetes mied Rowlands die trügerische Glitzerwelt in Los Angeles, mit ihm machte sie im fernen New York ein anderes Kino, gehörte zur „Cassavetes-Familie“ wie die Schauspielkollegen Peter Falk, Ben Gazzara und Seymour Cassel.
Für ihren Mann spielte sie eine psychisch labile Gattin und Mutter in „Eine Frau unter Einfluss“ (1974), eine neurotische Bühnendiva in „Die erste Vorstellung“ (1977), für den sie auf der Berlinale 1978 einen Silbernen Bären gewann, oder eine unerschrockene Gangsterbraut, die in „Gloria“ (1979) ganz allein ein Kind vor einem Verbrechersyndikat rettet. Alles handfeste, in der Realität fest verankerte Figuren, wenn auch hypernervös und stets unter Hochspannung stehend.
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Es war nicht nur ihre persönliche, sondern auch eine berufliche Tragik, dass Cassavetes 1989 mit nur 60 Jahren starb. Denn andere Regisseure wussten sie nicht annähernd so zu fordern und einzusetzen. Abgesehen von zwei Ausnahmen, die wohl nicht zufällig ebenfalls große Hollywood-Verächter waren: Woody Allen, mit dem sie „Eine andere Frau“ (1987/88), und Jim Jarmusch, mit dem sie „Night on Earth“ (1991) drehte.
Schicksalsbegegnung: Ihrem Mann begnete sie schon bei der Ausbildung
Rowlands, 1930 in Madison, Wisconsin, geboren, machte eine Schauspielausbildung an der Akademie der dramatischen Kunst in New York City. 1951 stand sie hier das erste Mal auf der Bühne, drei Jahre später gab sie ihr Broadway-Debüt. Ihren Durchbruch hatt sie 1956 als Partnerin von Edward G. Robinson in dem Drama „Mitten in der Nacht“. Seit 1954 stand sie auch vor Fernsehkameras, als Gast in Serien wie „Bonanza“ oder „Alfred Hitchcock Presents“.

Donnerstag
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Bis sie 1962 ihr Leinwanddebüt gab, „Einsam sind die Tapferen“, ein Western mit Kirk Douglas. Doch diese Frau war zu modern, zu selbstbewusst, sie passte nichts ins damalige Frauenbild und das Mainstreamkino jener Zeit. Mit Cassavetes, den sie schon bei der Akademie kennengelernt hatte und mit dem sie seit 1954 verheiratet war, machte sie ganz andere Filme. Und wurde damit ein aufregender Star der Gegenkultur der 70er-Jahre.
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In späteren Jahren hat sie dann doch auch in konventionellen Streifen mitgewirkt, Romanzen wie „Eine zweite Chance“ (1998) mit Sandra Bullock oder „Six Dances Lessons in Six Weeks“ (2017), die sie alle eher unterforderten, die sie aber mit ihrer Präsenz adelte. Schöne Auftritte hatte sie noch einmal bei ihrem Sohn Nick Cassavetes, der, ganz wie sein Vater, vom Schauspieler zum Regisseur umgestiegen war und sie in Filmen wie „Wie ein einziger Tag“ (2004) und „Yellow“ (2012) besetzte.
Erst im Juni, zu ihrem 94. Geburtstag, hatte ihr Sohn der „New York Times“ bekannt gegeben, dass seine Mutter seit fünf Jahren an Alzheimer leide. Nun ist sie am 14. August gestorben, im Kreise ihrer Familie, wie das Online-Portal TMZ berichtet. Eine Außenseiterin. Und doch eine Frau voller Einfluss, eine Ikone und ein Vorbild.





