Was tun, wenn das sichere Ende naht? Man könnte sich noch mal einen alten Witz erzählen lassen, den man schon oft gehört hat. Den kann man sogar schon mitsprechen, das entspannt die Situation. So verfahren zwei junge Menschen in „Alien: Romulus“ im Angesicht des Todes. Aber im Grunde zeigt uns das auch schon die ganze Dramaturgie dieses Films auf. Er erzählt eine alte, sattsam bekannte Geschichte, die wir schon oft gesehen haben. Und die soll uns erneut schauern machen?
Junge Menschen auf der Suche nach einem Platz an der Sonne
Kennt ihr den?, würde man so beginnen: Trifft eine Handvoll Menschen auf eklige, außerirdische, tödliche Wesen. In „Alien: Romulus“, der diese Woche im Kino startet, sind es mal keine Astronauten, die im All auf eine fremde Spezies treffen, und auch keine Wissenschaftler, die aus den deren Überresten Klone reproduzieren. Nein, diesmal sind es junge Menschen, die sich als eine Art Letzte Generation der Zukunft sehen könnten.
Weil sie in einer Minenkolonie malochen müssen, was nichts anderes als Sklavenarbeit ist, ohne Aussicht auf Besserung. In einer dreckigen, dunklen, unwirtlichen Welt ohne Sonne. Aber einer von ihnen hat von einer alten Raumstation gehört, die irgendwo da draußen im All treibt. Vielleicht gibt’s mit der ja ein Entkommen. An einen Platz an der Sonne. Also machen sich die drei Jungs und drei Mädels auf. Und gelangen über die titelgebende Andockstation Romulus tatsächlich in das Wrack.
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Es ist dies eine bewusst bunt zusammengewürfelte, multiethnische Truppe. Damit jeder Zuschauer ein Identifikationsangebot findet. Erstmals gibt es im „Alien“-Universum auch Inklusion. Denn Andy (David Jonsson), der Bruder von Rain (Cailee Spaeny), den diese zumindest wie einen Bruder behandelt, ist geistig leicht zurückgeblieben.

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Und das, obwohl er gar kein richtiger Mensch ist, sondern ein Android. Mit beschädigtem Chip. Der ist mit der Direktive programmiert, alles zu tun, was das Beste für Rain ist. Also geht er mit ihr mit. Aber vor Ort finden die Sechs dann demolierte Gänge. Halbverweste Leichen. Und andere Verweise auf ein Massaker. Und als sie die Geräte hochfahren, werden damit auch die alten Schrecken wieder aktiv.
Der siebte Film der Saga, und der vierte in der Zeitfolge
45 Jahre ist es her, dass „Alien“ Kinogeschichte geschrieben hat. Mit Sigourney Weaver als erstem weiblichen Actionstar. Und mit den ikonisch designten Grusel-Skulpturen von H.R. Giger. Der Film ist längst ein Klassiker und machte nicht nur die Hauptdarstellerin zum Star, sondern auch Regisseur Ridley Scott zum Kult. Gleich drei Fortsetzungen gab es, nicht mehr von Scott, obwohl der gern gewollt hätte, sondern von anderen bewährten Regisseuren: „Aliens – Die Rückkehr“ (1986) von „Terminator“-Regisseur James Cameron, „Alien3“ (1992) vom damaligen Musikvideoexperten David Fincher, der später „Sieben“ und „Fight Club“ drehen sollte, und „Alien – Die Wiedergeburt“ (1997) von „Delicatessen“-Regisseur Jean-Pierre Jeunet.
Allesamt mit Sigourney Weaver, die als Offizieren Ellen Ripley zwischendurch den Heldinnentod starb und ebenfalls geklont wurde. Im neuen Jahrtausend schließlich strickte Ridley Scott selbst an seiner eigenen Legende weiter, aber keine Fortsetzungen (sogenannte Sequels), sondern Vorgeschichten (Prequels) dazu: „Prometheus“ (2012) und „Alien: Covenant“ (2017). Diesmal ohne Miss Weaver, weil Ripley zu der Zeit ja noch gar nicht auf der Welt war.
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Der neueste Streich, Film Nummer Sieben der Saga, ist von Scott nur noch produziert, aber von einem erwiesenen Fan, dem uruguayischen Horrorspezi Fede Alvarez („Don’t Breathe“) inszeniert. Und liegt zeitlich zwischen Teil I und Teil II. Ripley befindet sich also noch im Kälteschlaf. Die Raumstation, die die Kolonisten betreten, ist aber die, auf der Ripley und ihre Crew landeten.
Da liegt auch noch der Android aus dem ersten Teil, oder das, was von ihm übrigblieb. Androide als Graubereich zwischen Mensch und Alien spielen in allen Teilen eine Schlüsselrolle. Hier können die Reste des alten reaktiviert werden. Was recht absurd ust. Denn Ian Holm, der ihn 1979 spielte, starb vor vier Jahren. Stimme und Gesicht wurden hier aber, die KI macht‘s möglich, regeneriert. Dessen Chip ist noch aktiv. Und kann gegen den beschädigten von Andy ausgetauscht werden. Nur hat er dann auch eine andere Direktive: alles zu tun, was das Beste für die „Company“ ist.
Im Weltall nichts Neues: Alles ist ein einziges Déjà-vu
Der Rest ist Business as Usual. Eine einzige Sinfonie aus Metall, Dunkelheit, tropfendem Wasser und Angstschweiß, bei der die Clique nach und nach reduziert wird. Man muss die Fortsetzungen nicht kennen, nicht mal das Original. Den kennen die Protagonisten ja auch nicht. Und doch werden hier alle Teile mit Lust zitiert. Das man aber die bekannten Versatzstücke nur neu zusammensetzt, ohne dem Ganzen etwas wirklich Neues hinzuzufügen, ist schon recht einfallslos. Im Grunde ist dieser Film wie eine Geisterbahn. Man fährt hinein, um sich zu gruseln. Aber die Schocker müssen immer von woanders kommen, sonst wirken sie nicht mehr.
Hauptdarstellerin Cailee Speany ist keine zweite Sigourney, schlägt sich aber achtbar. Zuletzt spielte sie in Sofia Coppolas „Priscilla“ noch die Frau von Elvis Presley, die in einem Goldenen Käfig saß. Hier ist sie in einem dunklen Loch gefangen. Und muss sich wieder gegen ein Monster behaupten. Aber selbst das ist ein Déjà-vu. Nein, dieser „Romulus“ braucht keinen Remus.
Science-Fiction-Horror, USA 2024, 119 min., von Fede Alvarez, mit Cailee Spaeny, Isabela Merced, David Jonsson, Archie Renaux.





