70. Geburtstag

Sigourney Weaver: Die Frau, die es den Aliens heimzahlte

Sie war die erste Heldin im Action-Kino. Und hat sich dann auch im dramatischen Fach bewährt. Nun wird Sigourney Weaver 70 Jahre alt.

Mit 70 Jahren gefragt wie nie: Schauspielerin Sigourney Weaver.

Mit 70 Jahren gefragt wie nie: Schauspielerin Sigourney Weaver.

Foto: Luca Carlino / picture alliance / NurPhoto

Sigourney Weaver hat ihre Weltkarriere vielleicht nur einem Zufall zu verdanken. Oder doch der Unlust eines Kollegen. Für Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ war eigentlich Paul Newman als Officer Ripley vorgesehen.

Der lehnte jedoch ab. Vielleicht war ihm das Ganze zu b-movie-mäßig. Vielleicht konnte er auch mit HR Gigers schrägen Zeichnungen für das außerirdische Monster nichts anfangen. Der Rückzug des Stars warf die Produktion zurück.

Aber dann wurden die Macher umso mutiger: Warum nicht eine Frau besetzen? Eine Frau, die im Männer-Kino ihren Mann steht und als letzte Überlebende übrig bleibt, das war doch nun wirklich Zukunftsmusik.

Ridley Scott trug den Part der New Yorkerin Sigourney Weaver an, die er am Theater gesehen hatte. Die hatte damals gerade mal einen sechssekündigen Auftritt in Woody Allens „Stadtneurotiker“ und einen kleine Rolle im Film „Madman“ absolviert hatte.

Über Nacht zum Weltstar

„Ich war Miss Nobody von nirgendwo!“ witzelte sie später. Und eigentlich wollte auch sie ablehnen: weil das Script ihr zu düster schien.

Der Rest ist Geschichte. „Alien“ wurde zum Klassiker, der zahlreiche Fortsetzungen nach sich zog. HR Giger bekam einen Oscar für die visuellen Effekte. Sigourney Weaver wurde über Nacht zum Star. Und ging in die Filmgeschichte ein als erster weiblicher Actionheld.

Am 8. Oktober wird die Schauspielerin – unglaublich, weil es ihr nicht anzusehen ist – 70 Jahre alt. Und wenn es früher hieß, es gebe im Kino für Frauen über 40 keine Rollenmehr, dann ist sie der lebende Gegenbeweis: Sie ist gefragt wie nie.

Ewige Wiederkehr als Ellen Ripley

Ihren Kampf gegen das schleimig-tödliche Alien könnte man rückblickend vielleicht sogar als Metapher sehen, wie schwierig es damals für eine Frau war, sich im Filmbusiness durchzusetzen. In drei weiteren Filmen sollte Sigourney Weaver den Part der Ellen Ripley wiederholen.

Mit „Alien 3“, den sie auch mitproduzierte, schien ihr 1992 alles gesagt über die Figur. Sie starb am Ende den Opfertod. Nur um dann in „Alien - Die Wiedergeburt“ 1997 wiederzukehren: als menschlicher Abfallprodukt von Alien-Klonen.

Doch während die männlichen Action-Stars meist auf ihre Muskel-Spiele beschränkt bleiben, gelang der Weaver der Durchbruch auch im dramatischen Fach: Sie spielte etwa im Nahostdrama „Ein Jahr in der Hölle“ oder die Gorilla-Forscherin Dian Fossey in „Gorillas im Nebel“. Und schließlich entdeckte man mit „Ghostbusters“ auch ihr komisches Talent.

Zu groß für die männlichen Kollegen

Weaver überragt mit ihren 1,80 Meter die meisten Männer in Hollywood und hat unter ihrer Statur und ihren kantigen Zügen lange gelitten. Dennoch hat sie es damit zu wahrer Größe gebracht. Und genügte sich nicht nur als Vorbild für Frauen, sondern setzte sich auch schon früh für die Umwelt und die Änderung der Klimapolitik ein.

Das schleimige Alien sollte ihr auch ihre zweite große Serien-Rolle einbringen: Die erste Fortsetzung „Aliens“ drehte 1982 James Cameron. Der hat sie dann 2009 für seine visionäre 3-D-Saga „Avatar“ verpflichtet. Derzeit tüftelt Cameron gleich an vier Fortsetzungen parallel. Immer mit dabei: Sigourney Weaver. Deren Figur starb zwar im ersten Teil. Aber das hält das Kino, das hat ja schon der vierte Alien-Film gezeigt, nicht von einer Wiederkehr ab.