Es ist schon was dran, in die gewissen Jahre kommende Kinder als Pubertier“ zu bezeichnen. Man ist einfach nicht man selbst in dieser Zeit des totalen Umbruchs, wenn die Hormone verrückt spielen und die Pickel sprießen. Die Eltern sind dabei die allerschlechteste Hilfe.

Die erste Teenie-Generation, die mit Social Media aufwuchs

Zumal Mitte der 2000er-Jahre, als die erste Teenager-Generation mit Social Media aufwächst und allerorten googelt, chattet und Filme im Netz glotzt. Aber wie schwer ist all das erst für einen 13-Jährigen in einer kalifornischen Kleinstadt, dessen Eltern aus Taiwan stammen und der sich daher ständig als Außenseiter empfindet!

Das ist die Geschichte von „Dìdi“, ein Film, mit dem Sean Wang, Jahrgang 1994, ein bravouröses Regiedebüt gibt. Sein Alter Ego Chris Wang (Izaac Wang), den alle nur Dídi nennen, fängt schon früh an, selbst kleine Filmchen zu drehen und ins Netz zu stellen. Klassischen Streiche, wenn man einen Briefkasten in die Luft sprengt. Aber auch zärtliche Beobachtungen von der Oma bei Tai-Chi-Übungen. Es geht aber immer auch darum, wer im Netz wie viele Likes erhält und wer da wen als besten Freund markiert.

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Von der Familie gibt es wenig Verständnis. Mutter Chung­sing (Joan Chen) ist kaum da, weil sie arbeiten muss. Der Vater glänzt durch Abwesenheit, während dessen Mutter Nai Nai (Chang LiHua) die Schwiegertochter ständig kritisiert. Erwachsenen-Kram. Aber da ist auch Dìdis ältere Schwester Vivian (Shirley Chen), mit der er sich ständig zofft. Was die Mutter manchmal zum Weinen bringt. Dann herrscht betretenes Schweigen im Haus.

Donnerstag

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Eine schwierige Jugend zwischen Zahnspange und erstem Kuss. Zumal wenn die ehemals besten Freunde sich nur noch für Mädchen interessieren. Und Dìdi sich alles andere als cool findet, sich für seine Herkunft schämt und so tut, als sei sein Vater kein Asiate. Als ihn ein paar Skater fragen, ob er sie nicht filmen könnte, sagt er sofort Ja. Plötzlich gehört er zu einer Gruppe, von Älteren obendrein, und scheint cool und sozial aufgestiegen. Auch wenn seine technischen Finessen bei weitem nicht für Skater-Aufnahmen reichen. Und die nächste Enttäuschung sich schon abzeichnet. Die Pubertät, eine einzige endlose Katastrophe.

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Regisseur Sean Wang (r.) mit seinem jugendlichen Alter Ego bei den Dreharbeiten.
Regisseur Sean Wang (r.) mit seinem jugendlichen Alter Ego bei den Dreharbeiten. © Universal | Iris Lee / Focus Features / Talking Fish Pictures

Der 29-jährige Wang hatte bislang nur Kurzfilme produziert und machte sich nach der Oscar-Nominierung für „Nai Nai & Wài Pó“ 2023 an seinen ersten Langfilm. Darin erzählt er sehr liebevoll und authentisch von seinem eigenen Erwachsenwerden. Und vom Lebensgefühl in den 00er-Jahren.

Sean Wang empfiehlt sich als aufregende Nachwuchshoffnung

Was er vor allem mit den Songs der Dekade und durch nachgebaute Messenger- und MySpace-Seiten stilistischgenau verortet. Ein sehr persönlicher Film, den Wang teils in seinem eigenen Kinderzimmer im kalifornischen Fremont gedreht hat, mit seiner eigenen Großmutter. Auch die Bilder, die Dìdis Mutter malt, sind die seiner eigenen Mutter.

Im Film wird die Mutter aber von der großen Joan Chen („Twin Peaks“, „Der letzte Kaiser“) gespielt, die zu Tränen rührt. Dass dieser Jungfilmer nicht nur für die eigenen Befindlichkeiten genaue Bilder findet, sondern auch mit großer Zärtlichkeit eine liebevolle Hommage an die eigene Mama kreiert, macht ihn zu einer aufregenden Nachwuchshoffnung.

Komödie, USA 2024, 93 min., von Sean Wang, mit Izaac Wang, Joan Chen, Chang Lihua