Im Barbenheimer-Rennen hatte „Barbie“ an den Kinokassen 2023 weltweit klar die Nase vorn. Bei den Preisen aber sieht es nun genau anders aus im großen Schaulaufen der beiden US-Blockbuster, „Barbie“, Greta Gerwigs grelle feministische Satire auf die berühmte Spielzeugpuppe, und „Oppenheimer“, Christopher Nolans düstere Filmbiographie über den Vater der Atombombe. „Oppenheimer“ gewann gleich fünf der begehrten Trophäen, auch den Hauptpreis als Bester Film. „Barbie“ dagegen gewann nur zwei, den für den besten Filmsong und den in der neuen Kategorie für den größten Publikumserfolg.

Neuanfang für den Filmpreis

Bei der Regie, einer der wenigen Kategorien, in denen ihre Filme direkt aufeinandertrafen, unterlag Gerwig Nolan. Der konnte auch noch zwei Preise für den besten Haupt- und Nebendarsteller in einem Drama, Cillian Murphy und Robert Downey Jr., sowie den für die Filmmusik einheimsen. „Barbie“ war sonst in einem anderen Fach nominiert. Der Globe unterscheidet, anders als die anderen Filmpreise, zwischen Drama und Musical/Komödie.

Emma Stone gewinnt als beste Komödiendarstellerin in „Poor Things“ und sticht damit überraschend Margot Robbie aus.
Emma Stone gewinnt als beste Komödiendarstellerin in „Poor Things“ und sticht damit überraschend Margot Robbie aus.© AFP | Robyn Beck

Bei letzterem unterlag „Barbie“ aber überraschend „Poor Things“, Yorgos Lanthimos‘ feministische Frankenstein-Variante. Die startet in Deutschland erst am 18. Januar, hat nun aber die beste Werbung. Denn nicht nur Hauptdarstellerin Emma Stone stach „Barbie“-Darstellerin Margot Robbie aus, „Poor Things“ gewann auch als beste Komödie. Am Ende gab es nur die zwei Trostpreise für „Barbie“. Und das, obwohl der Film mit neun Nominierungen der große Favorit des Abends war. „Oppenheimer“ war nur acht Mal nominiert.

„Anatomie eines Falls“ ist bester nicht-englischsprachiger Film

Die größte Überraschung aber war, dass weder „Oppenheimer“ noch „Barbie“ die Trophäe für das beste Drehbuch gewannen. Die ging vielmer an Justine Triets französisches Gerichtsdrama „Anatomie eines Falls“, und das gewann auch noch den Globe für den besten fremdsprachigen Film. Dass Sandra Hüller für diesen Film nicht auch als beste Schauspielerin obsiegte, sondern Lily Gladstone für „The Killers of the Flower Moon“, war allgemein erwartet worden. Die US-Schauspielerin mit indigenen Wurzel hatte es geschafft, die Stars in Scorseses Film, Leonardo DiCaprio und Robert De Niro, an die Wand zu spielen. Und ihre Trophäe schrieb Geschichte. Denn sie ist die erste Schauspielerin mit indigenen Wurzeln, die je einen Globe gewann. Ihre Dankesrede sprach sie denn auch in ihrer eigenen Stammes-Sprache.

Sandra Hüller hatte aber dennoch allen Grund zu feiern. Kurz zuvor war sie vom US-Kritikerverband National Society of Film Critics (NSFC) zur besten Schauspielerin gewählt worden. Stimmenmäßig lag sie dort vor Emma Stone und Lily Gladstone. Es ist bereits der zweite große internationale Kritikerpreis, nachdem die deutsche Schauspielerin im Dezember bereits von der Los Angeles Film Ciritisc Association (LAFCA) ausgezeichnet wurde.

Und beim Globe bedankte sich die Regisseurin Justine Triet bei Hüller, der sie das Drehbuch zu „Anatomie“ auf den Leib geschrieben hat, diese habe nie versucht, eine „perfekte Heldin“ darzustellen. Sie habe vielmehr eine komplexe Frau geschaffen, „die sich nie dafür entschuldigt, das zu sagen, was sie denkt“. Auch nach dem Globe nimmt der internationale Rummel um Sandra Hüller nicht ab. Sie wird auch für den Oscar heiß gehandelt. Die Nominierungen hierzu werden aber erst am 23. Januar bekannt gegeben.

Lily Gladstone gewann als beste Schauspielerin im Drama-Fach. Sandra Hüller unterlag ihr.
Lily Gladstone gewann als beste Schauspielerin im Drama-Fach. Sandra Hüller unterlag ihr.© DPA Images | Chris Pizzello

Bei der 81. Verleihung der Golden Globes am Sonntagabend (Ortszeit) im kalifornischen Beverly Hills war vieles anders als sonst. Denn der Globe hat sich noch mal neu erfunden. Nach den Diskussionen um Bestechlichkeit, Rassismus und mangelnde Diversität innerhalb von Hollywoods Verband der Auslandspresse hat diese sich vergangenen Sommer aufgelöst und der Preis einer privaten Investorengruppe überlassen. Die hielt dennoch an der Journalisten-Jury fest, stockte aber die Hundertschaft um über das Doppelte auf 310 auf. Erhöhte die Chancen aber auch durch sechs statt fünf Nominierungen je Kategorie. Und erfand den neuen Preis für den besten Blockbuster.

Wie weit her ist es mit der Gleichberechtigung?

Dass Greta Gerwig so hart verlor, hätte keiner geglaubt. Dass ausgerechnet sie aber den ersten Blockbuster-Preis entgegennehmen durfte, ist schon eine kleine Sensation. Denn die Sparte wird noch klarer von Männern dominiert als die Filmbranche schon ganz allgemein. Einer der schönsten Momente im „Barbie“-Film ist der, wenn America Ferrara zu einem rund dreiminütigen Monolog anhebt, was es bedeutet und wie schwer es ist, sich als Frau in der männlichen Gesellschaft zu behaupten. Das hat sich nun auch bei der Globe-Verleihung bewiesen. Wo dann im Zweifel eher wieder Männer auf die Bühne durften.

Dennoch wurde viel gefeiert. Die neuen Veranstalter des Globe hatten alles getan, um Stars wie Jodie Foster, Michelle Yeoh, Oprah Winfrey oder Kevin Costner als Präsentatoren auf die Bühne zu bringen. Und nach dem monatelangen Streik der Schauspieler und Drehbuchautoren in Hollywood schienen alle dankbar, wieder einmal den Film und die eigene Branche feiern zu dürfen.

Promis wie Helen Mirren, Meryl Streep, Taylor Swift, Jennifer Lopez oder Natalie Portman wandelten über den Teppich, als habe es nie eine Diskussion um den Globe gegeben. Politische Worte fielen allerdings nicht. Gut möglich, dass es anders gekommen wäre, wäre Robert De Niro als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Er hätte wohl wie üblich gegen Donald Trump ausgeteilt. Aber auch der Krieg in der Ukraine oder in Nahost war kein Thema.

Das lag vielleicht auch am Moderator. Komiker Jo Koy stand das erste Mal als Gastgeber auf der Bühne - und zeigte sich dort weniger bissig als seine Vorgänger. Vielleicht haben sich die neuen Veranstalter aber auch deshalb für ihn entschieden: damit der Globe möglichst glamourös, aber nicht provokativ wäre. Mit Wehmut erinnert man sich da an die genüsslichen Pointen von Ricky Gervais. Um den ging es diesmal auch. Aber nicht als Moderator. Sondern als Sieger der neu eingeführten Kategorie für die beste Stand Up Comedy im TV.

Ein Film, zwei Schauspielerpreise: Cillian Murphy (l.) und Robert Downey Jr. gewinnen für „Oppenheimer“.
Ein Film, zwei Schauspielerpreise: Cillian Murphy (l.) und Robert Downey Jr. gewinnen für „Oppenheimer“.© Getty Images | Amy Sussman

Die wichtigsten Preise im Überblick:

Bestes Filmdrama: „Oppenheimer“

Beste Komödie/Musical: „Poor Things“

Bester nicht-englischsprachiger Film: „Anatomie eines Falls“

Cinematic and Box Office Achievement: „Barbie“

Beste Regie: Christopher Nolan für „Oppenheimer“

Bestes Drehbuch: Justine Triet und Arthur Harari für „Anatomie eines Falls“

Bester Schauspieler Drama: Cillian Murphy in „Oppenheimer“

Beste Schauspielerin Drama: Lily Gladstone in „Killers of the Flower Moon“

Bester Schauspieler Komödie/Musical: Paul Giamatti in „The Holdovers“

Beste Schauspielerin Komödie/Musical: Emma Stone in „Poor Things“

Bester Nebendarsteller: Robert Downey Jr. in „Oppenheimer“

Beste Nebendarstellerin: Da’Vine Joy Randolph in „The Holdovers“

Beste Filmmusik: Ludwig Göransson für „Oppenheimer“

Bester Filmsong: „What Was I Made For?“ von Billie Eilish und Finneas O’Connell in „Barbie“

Bester Animationsfilm: „Der Junge und der Reiher“ von Hayao Miyazaki (Japan)

Beste TV Serie Drama: „Succession“ (HBO | Max)

Er moderierte das erste Mal, aber deutlich weniger bissig als seine Vorgänger: der Komiker Jo Koy.
Er moderierte das erste Mal, aber deutlich weniger bissig als seine Vorgänger: der Komiker Jo Koy.© Getty Images | Matt Winkelmeyer

Beste TV Serie Komödie/Musical: „Bear (Netflix).

Beste Miniserie, Anthologie-Serie oder Fernsehfilm: „Beef“ (Netflix).

Schauspielerin TV Serie-Drama: Sarah Snook in „Succession“.

Schauspieler TV Serie Drama: Kieran Culkin in „Succession“.

Schauspielerin TV-Serie Komödie/Musical: Ayo Edebiri in „The Bear“.

Schauspieler TV-Serie Komödie/Musical: Allen White in „The Bear“.

Schauspielerin Miniserie oder Fernsehfilm: Ali Wong für „Beef“.

Schauspieler Miniserie oder Fernsehfilm: Steven Yeun für „Beef“.

Nebendarstellerin Serie, Minsierie oder Fernsehfilm: Elizabeth Debicki in „The Crown“.

Nebendarsteller Serie, Miniserie oder Fernsehfilm: Matthew Macfadyen in „Succession“.

Beste TV-Stand-Up Comedy: Ricky Gervais in „Armageddon“