Davos. Lungensanatorium. Da hat jeder, natürlich, dieselbe Synapse: Thomas Manns „Zauberberg“. Der dickleibige Roman über eine entrückte Welt da oben in den Bergen, fern von den Realitäten da unten, bis sie doch eingeholt wird vom jähen Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Aber nun gibt es eine neue Synapse.
Denn „Davos 1917“ fängt genau da an, wo „Der Zauberberg“ endete. Mit dem Krieg. Diesmal steht kein zartbesaiteter Kaufmannsknabe im Mittelpunkt, sondern eine resolute Krankenschwester, die anpacken kann. Damit setzt die ARD ihre historischen Krankenhausserien nach „Charité“ fort. Und verbindet das Ganze nicht nur mit Manns nobler Gesellschaft, sondern auch noch mit knallharter Spionage-Action. Und am besten spionieren – die Frauen. Voilà: das ist der Sechsteiler „Davos 1917“.
Statt zum Skalpell muss die Schwester zur Pistole greifen
Zu Beginn fährt da eine junge Frau im Zug, zwischen lauter Soldaten. Johanna Gabathuler (Dominique Devenport) kommt selbst aus dem Krieg. Und hat als Lazarettschwester an der Westfront eigentlich alles erlebt. Und zur Not auch selber operiert, wenn kein Arzt zur Verfügung stand. Jetzt kehrt sie in die Schweiz zurück, ihre friedliche, neutrale Heimat. Nach Davos, wo ihr Vater das pompöse „Curhaus“ leitet.
Die Rückkehr ist jedoch nicht freiwillig. Sie ist, obwohl nicht verheiratet, schwanger – von einem Soldaten, der längst gestorben ist. Eine „Kriegshure“ ist sie, meint ihre Schwester verächtlich. Und der Vater lässt das Baby auch gleich nach der Geburt verschwinden. Um der Familie die Schande zu ersparen. Außerdem soll Johanna ja reich heiraten und die unsichere Zukunft des Sanatoriums retten. Johanna will das nicht. Schon steht sie auf dem Dach des Curhauses und will springen.
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Aber da erhält sie Nachricht von einer deutschen Patientin, der ominösen Gräfin von Hausner (Jeanette Hain). Sie weiß, wo das Baby ist, will das aber nur verraten, wenn Johanna im Gegenzug für den deutschen Geheimdienst spioniert. Denn in der vermeintlich neutralen Schweiz wimmelt es nur so von Spionen, die sich gegenseitig bespitzeln und auch gegenseitig über die Bergwipfel jagen. Und so gerät Johanna unschuldig in einen blutigen Intrigantenstadl und muss statt zum Skalpell schon mal zur Pistole greifen.
Schon wieder die Berge. Nach „Die Totenfrau“ und „Schnee“ ist die ARD derzeit im Höhenrausch. Und präsentiert nun zur Weihnachtszeit ihre opulenteste Serie, eine Koproduktion mit dem Schweizer Fernsehen, die sinnigerweise mit einem Weihnachtsabend beginnt, der allerdings einen recht blutigen Verlauf nimmt.
Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt
Vorbei die Zeiten, da Arztserien sich auf „Schwester, Skalpell“-Dialoge beschränkte. „Davos 1917“ ist rasant und spannend inszeniert, mit opulenten Kinobildern und einer Besetzung, die sich sehen lassen kann. Im Mittelpunkt Dominique Devenport, die amtierende Kaiserin der RTL-„Sisi“-Serie, die immer großartige und sträflich selten besetzte Jeanette Hain sowie David Kross als desillusionierter Arzt, der sich in die patente Krankenschwester verliebt. Ohne zu ahnen, dass sie zum Spionieren gezwungen wird.
Wo überall die Welt brennt, herrscht hier Kalter Krieg. Eiskalter: Gedreht wurde teils bei minus 20 Grad. Und dem müssen sich die Darsteller erneut aussetzen: Eine zweite Staffel ist schon angekündigt.
„Davos 1917“: sechs Teile, ARD, 21.12.: Folgen 1-3, 22.12:, Folgen 4-6, je 20.15 Uhr. Alle Folgen bereits in der Mediathek.



