Dramatische Klänge und Stroboskopblitze wabern durch die ausverkaufte Max-Schmeling-Halle in Berlin, als Sido die Bühne betritt. Zu „Bilder im Kopf“ dauert es nur wenige Sekunden, bis Sido, bürgerlich Paul Würdig, die knallvolle Halle dort hat, wo er selbst vermutlich am meisten Erfahrung hat: im Rausch. „Ich bin zu Hause“, ruft er zum Abschluss seiner Tour in die Menge. Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, aber nur in Berlin bekommt er eine „Gänsehaut des Todes“, bekennt der Rapper bekleidet im weißen Seiden-Pyjama.
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Dabei wechselt das Bühnenbild zwischen Leben und Tod, Trip und Wirklichkeit. Von Totenkopf zu Testament, Wolken zu Blumen. Mit Animationen bespielte Quader schieben sich dabei auf die Bühne, Sido besteigt sie immer wieder, blickt auf das Publikum, ein bisschen vielleicht, wie er es sich einst auf den Dächern der Hochhaus-Silos im Märkischen Viertel, in denen er aufgewachsen ist, erträumt hat.
„Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend“, singt er und die Halle kocht. Knapp 20 Jahre nach seinem Debütalbum ist die Totenkopfmaske Geschichte, seine Herkunft aber lebendig wie eh und je.
Und auf die durchaus existenzielle Reise, die dazwischen liegt, nimmt der Künstler, der gern mal „Zwischen den Wolken“ schwebt, sein Publikum mit.

Zum Ursprung zurück: Sido verspricht seinem Berliner Publikum noch 20 Jahre „Dummheiten“
Vom aktuellen Album „Paul“ singt er: „Ich bin einundvierzig Jahre und die Tage waren wie Atmen unter Wasser. Darum sitz‘ ich an der Bar, volles Glas, volle Nase, völlig kafa“, und beschreibt damit Exzess und Entzug, wie er sie in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Dabei wirkt der heute 42-Jährige an diesem Abend in Berlin topfit, trinkt zwischendurch einen Schluck – Wasser – wie er extra betont.
So handelt das neue Album von Trauer, Drogen, Depression, trägt damit aber ganz offenbar dazu bei, kein super-intelligentes Drogenopfer mehr zu sein, wofür Sido einst stand.
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Je später es wird, desto krasser kehren die guten Geister zurück. Sido rappt, unterstützt von DJ Desue, holt Berliner Kollegen wie SDP und Kontra K auf die Bühne. Mit „Ich heb ab“ aus „Astronaut“ singt er zwar ohne Andreas Bourani, aber doch voller positiver Energie. So schließt sich ein Kreis an dem Ort, an dem alles begann und auch noch weitergeht: Berlin.
Und damit es trotz der mittlerweile sprießenden grauen Haare nicht gar zu bürgerlich wird, verspricht Paul Würdig alias Sido auch noch 20 Jahre „Dummheiten“ zu machen. Und lässt sich zum Ende des Konzerts nicht wirklich lang bitte, doch noch den berüchtigten „A-Song“ zu spielen. Auch für das mit alternde Publikum durchaus noch ein Rausch.
Den gönnt Sido seiner Heimatstadt am Samstag mit einer Zusatzshow in der Max-Schmeling-Halle noch mal– die allerdings ebenfalls restlos ausverkauft ist. Genau so, wie seine traditionelle Weihnachtsshow mit zehn Terminen im Dezember.






