Gerade noch waren Menschen auf der Leinwand zu sehen, dann verschwinden sie plötzlich in einem psychedelischen Farbenstrudel. Gegenständliches wechselt sich ab mit Abstraktem. Fast so, als würden die Bilder die Musik von Jethro Tull widerspiegeln. Da folgen auf wuchtige Klänge auch eher zarte, virtuose Soli. Eben klassischer Prog Rock, den kaum jemand so meisterhaft beherrscht wie die Formation um Ian Anderson.
Ein Jahr ist es her, dass Jethro Tull im Admiralspalast auf der Bühne standen.
Jetzt rocken sie den fast ausverkauften Saal wieder. Mit 60 Millionen
verkauften Tonträgern weltweit, mehr als 21 Alben – darunter 11 Gold- und 5
Platin – und mit mehr als 3000 Live-Auftritten in 40 Ländern muss man die 1967
gegründete Band aus Blackpool, England, nicht mehr vorstellen. Gelten Jethro
Tull doch als eine der wichtigsten Hardrock-Bands und als Pioniere des
Progressive Rocks.
Ian Anderson ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied des Quintetts, bei dem
eigentlich ständig die Bandmitglieder wechselten. Über 30 waren es im Laufe der
Zeit, darunter sogar Phil Collins. Die neueste Besetzung aus Bassist David
Goodier, Keyboarder John O‘Hara, Schlagzeuger Scott Hammond und Gitarrist Joe
Parrish-James steht Ian Anderson nun zur Seite und kreiert mit ihm atemberaubend
komplexe Soundlandschaften.
Diese Songs spielten Jethro Tull
Live spielen die fünf Musiker eine vielseitige Auswahl an Songs aus allen Phasen des
Schaffens, aber nur recht wenige echte Hits wie „Heavy Horses“. Damit
geht es zurück in die Siebziger. Genau wie mit „You There To Help
Me“. Tolle Songs, aber mehr Strahlkraft haben berühmte Tracks wie
„Dark Ages“ und vor allem „Aqualung“. Mit dem markanten Riff
hier einmal mehr eine Sensation.
Die satten Giatren-Powerchords und grandios verzerrt peitschende Soli von Joe
Parrish-James überzeugen ohnehin absolut. Dominieren neben Andersons Flöte den
Klang. Eine einzigartige Mischung aus progressiven, bluesigen, folkigen und
klassischen Tönen.
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Anderson singt mit 76 Jahren immer noch kraftvoll
Im April legte die Formation mit „RökFlöte“ das 23. Studioalbum vor, das
sich mit den nordischen Göttern auseinandersetzt. Daraus performt Jethro Tull
mit „The Navigators“ und „Hammer on Hammer“ gleich zwei neue
Songs.
Zugegeben, Andersons Stimme ist nicht mehr so voluminös wie sie einmal war. Aber mit 76
Jahren singt er immer noch kraftvoll und er ist nach wie vor ein
beeindruckender Frontmann, Songwriter und ein begnadeter Instrumentalist. Sein
rockiges, hochenergetisches Flötenspiel ist natürlich auch heute noch das
Markenzeichen schlechthin von Jethro Tull.
Bis zur letzten Note ein fabelhaftes Konzert der Prog Rock Ikonen. Zum Schluss gibt
es noch „Lokomotive Breathe“, den größte Hit von Jethro Tull. Längst
ein Klassiker. Gefeiert vom Publikum mit frenetischem Applaus.


