Es war ein Skandal, wie er nicht oft vorkommt: Am 11. Februar hatte Hannovers Ballettdirektor Marco Goecke (50) der Journalistin Wiebke Hüster Hundekot ins Gesicht geschmiert. Nur fünf Tage später hatte Goecke seinen Job in Hannover verloren.
Hat Goeckes Aussetzer Folgen für weitere Aufführungen? Im Juni 2023 sollte eigentlich die Premiere von "Petruschka" in der Choreographie von Goecke bei einem Igor-Strawinsky-Abend am Staatsballett Berlin gezeigt werden. Im Vorfeld gab es zuletzt Diskussionen darüber, ob der Abend wirklich zur Inszenierung kommen soll. Die kommissarische Intendantin Christiane Theobald hatte die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles zu einer Vollversammlung eingeladen, um darüber zu diskutieren. Darüber hatte zuerst die "B.Z." berichtet.
Goeckes "Petruschka" kommt auf die Bühne
Am Dienstag (7. März) veröffentlichte das Staatsballett Berlin jetzt folgende Pressemitteilung zum Thema: "Der Übergriff von Choreograph Marco Goecke auf die Tanzkritikerin Wiebke Hüster ist für das Staatsballett Berlin in seiner Gänze vollkommen inakzeptabel und nicht zu tolerieren. Gleichzeitig schätzt das Staatsballett das künstlerische Werk dieses Ausnahmekünstlers und blickt auf eine fruchtbare und respektvolle Zusammenarbeit in der Vergangenheit zurück."
Weiter heißt es in dem Statement: "Darum wird die Produktion Petruschka von Marco Goecke weiterhin im Rahmen des Strawinsky-Ballettabends im Juni 2023 zur Premiere kommen. Wie von Anfang an verabredet wird die Einstudierung des Werkes von einer Ballettmeisterin durchgeführt werden. Marco Goecke wird während des gesamten Produktionsprozesses nicht anwesend sein, für die kommenden Spielzeiten war und ist keine Arbeit von ihm eingeplant."
Das heißt: "Petruschka", in Goeckes Interpretation 2016 für das Ballett Zürich entstanden, wird wegen seines künstlerischen Wertes aufgeführt. Goecke selbst wird daran aber nicht beteiligt sein, was aber auch nie geplant war. Lesen Sie auch: Schweizer Cahn wird Intendant der Deutschen Oper
Ermittlungen gegen Goecke wegen Hundekot-Attacke
Im Falle der Hundekot-Schmiererei wird gegen Goecke wegen des Vorwurfs der einfachen Körperverletzung und der Beleidigung ermittelt. Dies teilte Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, bereits Ende Februar mit. Nicht nur Hüster, Journalistin bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), hatte Anzeige erstattet, sondern auch die FAZ selbst.
Bereits Ende Februar hatte auch das Niederländische Dans Theater (NDT) die Zusammenarbeit mit Goecke ausgesetzt. Zuvor hatten rund 50 niederländische Theater- und Tanzkritiker das NDT in einem offenen Brief kritisiert und ein deutliches Bekenntnis für die Pressefreiheit gefordert. Aber nicht alle Häuser handeln so. Am Bayrischen Staatsballett kuratiert Goecke im Juni 2023 die Reihe "Sphären". Das Züricher Opernhaus spielte Ende Februar Goeckes Werk "Almost Blue".


