Berlinale 2023

Steven Spielberg erhält den Ehrenbären der Berlinale

| Lesedauer: 4 Minuten
Lange wurde Steven Spielberg nicht ganz ernst genommen. Heute wird er auf der ganzen Welt gefeiert – demnächst auch auf der Berlinale.

Lange wurde Steven Spielberg nicht ganz ernst genommen. Heute wird er auf der ganzen Welt gefeiert – demnächst auch auf der Berlinale.

Foto: Julien Warnand / dpa

Ein Coup fürs Festival: Der Filmemacher war hier erst zwei Mal zu Gast. Nun stellt er seinen persönlichsten Film „The Fabelmans“ vor.

Berlin. Das darf man ohne Weiteres als einen Coup bezeichnen: Auf der kommenden Berlinale (16. bis 26. Februar 2023) wird Steven Spielberg der Goldene Ehren-Bär verliehen. Damit einhergehend wird ihm nicht nur, wie stets, eine Hommage mit ausgewählten Filmen gewidmet. Zugleich wird er auch sein jüngstes Werk „The Fabelmans“ vorstellen, der dort erstaufgeführt wird und schon jetzt als Spielbergs persönlichster Film gilt. Weil er darin semibiografisch seine eigenen Anfänge als Filmemacher verarbeitet.

Spielberg gilt als erfolgreichster Filmregisseur aller Zeiten und Mitbegründer des New Hollywood, das ab Mitte der 70er-Jahre die Traumfabrik nachdrücklich veränderte.

Zunächst galt er mit Science-Fiction- und Abenteuerfilmen wie „E.T.“ und „Indiana Jones“ vor allem als Spezialist für Special Effects, bei seinem Schwarzendrama „Die Farbe Lila“ (1985) mochte man ihn noch nicht als dramatischen Regisseur ernst nehmen. Das änderte sich aber spätestens mit seinem Holocaust-Drama „Schindlers Liste“, das sieben Oscars gewann.

Steven Spielberg: Nominiert für 19 Oscars

Insgesamt war Spielberg 19 Mal für einen Oscar nominiert, drei mal hat er die begehrte Trophäe erhalten. Zahlreiche weitere Preise wie drei Golden Globes und vier Emmys kamen hinzu.

Kaum einer ist so produktiv wie Spielberg, der allein 59 Filme drehte, bei 27 auch das Drehbuch schrieb und als Produzent 183 Projekte begleitete. Kaum einer hat auch eine solche Bandbreite vorzuweisen, von ernsten Stoffen bis hin zu Komödien wie „1941“. Und mit 73 Jahren hat sich der Altmeister noch in einem für ihn völlig neuen Genre, dem Musical, versucht, und eine fulminante Neuversion der „West Side Story“ geschaffen.

Mehr über Steven Spielberg: Der Magier von Hollywood

Auf der Berlinale war der Regisseur gleichwohl nur zwei Mal persönlich: 1988 mit seinem Film „Das Reich der Sonne“ und 1999 mit einer Sondervorführung von „Die letzten Tage “, den er gemeinsam mit der Shoah Foundation produziert hat. Vier seiner Filme liefen aber auch in Retrospektiven. Umso großartiger, dass das Festival ihn nun nach Berlin zu locken verstand. Und dort sein jüngster Film uraufgeführt wird.

Berlinale 2023 soll Neuanfang werden

„Im Verlauf seiner unglaublichen Karriere hat Steven Spielberg nicht nur Generationen von Zuschauer*innen in aller Welt begeistert, sondern auch dem ‚Kino’ als Traumfabrik eine neue Bedeutung verliehen“, heißt es in einer Erklärung des Berlinale-Leitungsduos Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, die nun veröffentlicht wurde. „Sei es die ewig magische Welt von Jugendlichen oder unsere Realität, die durch die Geschichte für immer geprägt wurde: Seine Filme versetzen uns auf eine andere Ebene, auf der die Leinwand die geeignete Fläche bietet, um unsere Emotionen zu entfalten. Wenn die Berlinale 2023 für einen Neuanfang steht, dann könnten wir keinen besseren Auftakt finden als den, den Spielbergs großartiges Werk bietet.“

Der Neuanfang spielt wohl nicht nur auf die erste Berlinale an, die nach zwei Jahren vielleicht wieder ohne Corona-Auflagen stattfinden kann. Auch die Causa um die Nazi-Vergangenheit des Berlinale-Gründers Alfred Bauer ist inzwischen wissenschaftlich aufgearbeitet.

Für die Chefs, die seit drei Jahren eigentlich permanent im Krisenstatus sind, ist Spielbergs Besuch ein besonderer Verdienst. Wurde dem Programmleiter Chatrian doch bislang angelastet, dass er zwar anspruchsvolle Filme kuratiert, aber im Gegensatz zu Cannes und Venedig keinen rechten Draht zu den ganz großen Filmemachern hat. Das ist mit diesem Ehren-Bären aus der Welt.

Zur Berlinale – lesen Sie auch:

Studie belegt: Keine „braune Kontinuität“ auf der Berlinale

Berlinale: Prominente gestalten die neue Retrospektive

Die Berlinale kann man als Erfolg verbuchen