Museum

Ein Turm für das Bauhaus-Archiv

| Lesedauer: 4 Minuten
Grünenpolitikerin Claudia Roth (Grüne) und Obermonteur Stahlbau Felix Stieger erkunden das Stahltragwerk des Turms.

Grünenpolitikerin Claudia Roth (Grüne) und Obermonteur Stahlbau Felix Stieger erkunden das Stahltragwerk des Turms.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Der Erweiterungsbau für das Museum zur Geschichte des Bauhauses bietet mehr Flächen für Ausstellung und Vermittlung.

Berlin. Am Ende schwebte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) mit dem Hubkran in luftige Höhen. 20,5 Meter soll der von Architekt Volker Staab und seinem Team entwickelte Turm aus Holz, Stahl und Glas auf dem Vorplatz des Bauhaus-Archives an der Klingelhöferstraße nach Fertigstellung erreichen, ein großer Teil des außenliegenden Stahltragwerks konnte bereits fertiggestellt werden. Am Donnerstag wurde der Beginn des Turmbaus in Tiergarten auch offiziell begangen.

Ein Erweiterungsbau für das Bauhaus-Archiv mitsamt seinen charakteristischen, noch von Walter Gropius entworfenen Shed-Dächern war schon vor Jahren nötig geworden, weil das Museum und seine bedeutende Sammlung zur Designgeschichte bei konstant steigenden Besucherzahlen aus allen Nähten platzte und auf der kleinen Fläche nicht den notwendigen Raum für Verwaltung und Vermittlung fand.

„Ein zeichenhaftes Signal für das Bauhaus-Archiv“

Im Oktober 2015 entschied ein Preisgericht zugunsten des Entwurfs des Berliner Architekten Volker Staab, der sich bewusst gegen einen klassisch-weißen Bauhaus-Kubus entschieden hatte: In ihm manifestiere sich „unser Verständnis von der Idee des Bauhauses. Durch seine experimentelle Konstruktion und die zentrale Position als Eingangs- und Vermittlungsgebäude kommt ihm die Rolle als zeichenhaftes Signal für das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung zu.“ Ende April 2018 wurde das Museum aufgrund m der Umbaumaßnahmen geschlossen, in der Charlottenburger Knesebeckstraße eröffnete im selben Jahr der temporäre Standort „the temporary bauhaus-archiv“.

Lesen Sie auch: Walter Gropius war der Glücksritter der Architektur

Der Turm soll nach Aussage des Architekten dabei auf drei Etagen Flächen für das Vermittlungs- und Bildungsprogramm und im oberen Bereich eine „Diskurslounge“ beherbergen. Er wird die Silhouette des Ensembles markant prägen, ist aber nur ein Teil der umfangreichen Baumaßnahmen. Die größte Fläche ergibt sich in einem U-förmigen Sockelgebäude unter dem Vorplatz. Hier stehen künftig 2000 Quadratmeter für Ausstellungen, Depots, das Foyer und Technikzentralen zur Verfügung. Entlang der Von-der-Heydt-Straße entsteht derzeit ein langer, zweigeschossiger Gebäuderiegel für Museumsshop und -café, der den Platz um den neuen Haupteingang abschirmen wird. Dieser Platz wird alle Bauten der Gesamtanlage miteinander verbinden.

Anstieg der geplanten Baukosten von 64 Millionen Euro

Und die Kosten, die gleichermaßen vom Bund wie vom Land Berlin getragen werden? Als die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im Juni 2019 zum Spatenstich ansetzte, war von einer Summe von 64,316 Millionen Euro die Rede. Sie dürfte inzwischen wegen der pandemischen Probleme, der unerwartet schwierigen Ausschachtungsarbeiten und notwendig gewordener Neuausschreibungen in die Höhe geschnellt sein – in welche Höhe, wurde am Dienstag noch nicht bekannt gegeben. Der Kostenplan soll zunächst dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorgelegt werden.

Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt zeigte sich freilich dankbar, dass der Bund nach wie vor 50 Prozent der anfallenden Kosten übernehmen wolle. Das Bauhaus-Archiv gehöre zu Berlins wichtigsten Kulturinstitutionen und müsse entsprechend entwickelt werden. Diese Zusage ist dabei nach oben hin gedeckelt: So hieß es in der zugehörigen Pressemitteilung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien beteilige sich an den Gesamtkosten mit bis zu 43 Millionen Euro. Das Richtfest ist auf das erste Quartal 2023 terminiert, der Zeitpunkt für den Abschluss der Bauarbeiten steht noch nicht fest.

Weltweit bedeutendste Sammlung zur Bauhaus-Geschichte

Man wird sich darauf freuen dürfen. Das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Nachdem es 1960 vom Kunsthistoriker Hans Maria Wingler in Darmstadt gegründet worden war, gelang es Bauhaus-Gründer Walter Gropius, den Berliner Senat für die Bereitstellung eines Standortes in der Stadt zu gewinnen. 1971 bezog es zunächst eine provisorische Unterkunft, 1979 wurde der Bau am Landwehrkanal offiziell übergeben.

Zur Sammlung gehören Gemälde, Korrespondenzen, Entwürfe und Zeichnungen der Meister und Schüler des Bauhauses, darunter unter anderem Lyonel Feininger, Johannes Itten, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer, aber auch von prägenden Frauen wie Benita Koch-Otte, Lou Scheper-Berkenkamp und Gertrud Arndt, die zuletzt mit Sonderausstellungen und Veranstaltungsreihen gewürdigt wurden.