Mercedes-Benz Arena

Lindenberg rockt und findet Fridays for Future "obergeil"

Udo Lindenberg bietet in der Mercedes-Benz Arena bestes Entertainment, lässt sich Eierlikör kredenzen und gibt sich politisch.

Udo Lindenberg mit Tänzerinnen

Udo Lindenberg mit Tänzerinnen

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Berlin. Natürlich gibt es Eierlikör, um die Stimme zu ölen. Das Alte-Damen-Getränk, das Udo Lindenberg am liebsten trinkt. Das lässt er sich auch beim Konzert kredenzen. Danach klappt es wie geschmiert mit dem Song "Geile Zeiten".

Vor ein paar Wochen ist der Panik-Rocker 73 Jahre alt geworden. Doch beim ersten seiner beiden Berlin-Konzerte in der Mercedes-Benz Arena hüpft er so alert rumhüpft wie ein Twen, sehr energetisch. Ohnehin hat er vor, in den Club der Hundertjährigen einzutreten. Amy Winehouse muss auf die gemeinsame Jam-Session in himmlischen Gefilden noch gut und gerne 30 Jahre warten, wenn es nach Lindenberg geht.

Die Chancen stehen gut. Denn seit dem spektakulären Opening seiner neuen Konzertshow wissen wir endlich, ist Udo Lindenberg nicht von dieser Welt. In der komplett ausverkauften Mercedes-Benz schwebt er nämlich wie ein Alien in einer Rakete von der Decke herab. Vorher gab es einige Explosionen, Feuersäulen und eine Menge falscher Udos auf der Bühne, die sich als Backgroundsänger und Tänzer entpuppen. Gelandet mit dem Spaceshuttle "Panik 1".

Lindenberg lässt Nonnen und Priester rocken

Neben dem Panikorchester, laut Lindenberg die beste Band der Welt, bevölkern sie in fantasievollen Kostümen due Bühne. Die ist mit einem Steg weit in den Zuschauerraum verlängert. Die Songs werden zudem aufwendig auf einem gigantischen, 250 Quadratmeter großen LED-Screen. Videos und Animationen flankieren Livebilder von Udo und Co.

Lindenberg absolviert nicht einfach irgendwelche Auftritte auf seiner Live-Tour 2019. Die war übrigens so ratzfatz ausverkauft, dass der Sänger zu den anfangs 13 geplanten noch zehn Zusatz-Konzerte obendrauf gelegt hat, damit so viele Fans wie möglich mit dabei sein können. Schon die letzte Konzertreise von Panik-Udo wurde als Ereignis gefeiert. Jetzt setzt der Rockstar noch einen drauf

Nonnen und Priester rocken etwa bei "Zölibat" im Auftrag des Herren. Und werden von Udo Lindenberg vermählt. Daraus entwickelt sich eine äußerst frivole Sause, die nicht nur musikalisch, sondern auch optisch Spaß macht.

Neben neuen Songs von seinem aktuellen Album „MTV unplugged 2 - Live vom Atlantik“ gibt es ein Best-of seiner Hits aus 50 Jahren Karriere. Mit dabei sind selbstredend „Alles klar auf der Andrea Doria“ und „Der Sonderzug nach Pankow“ die Ballade "Horizont" sowie den Hit „Cello". Dabei fliegen die Tänzerinnen als sexy Cellistinnen durch die Lüfte.

Aber Udo Lindenberg bietet mit ausgefeiltem Lichtdesign und der Tanz-Compagnie in fantastischen Kostümen nicht einfach nur sensationelles Entertainment, das hierzulande kaum ein Künstler toppen dürfte. Lindenberg wird auch immer wieder politisch, wettert gegen den miesen Zustand der Welt, findet „Fridays For Future“ „obergeil“. Und er ist bekümmert darüber, dass er den Song „Wozu sind Kriege da?“ immer noch singen muss. Inmitten eines Kinderchors, also der nächsten Generation.

Special Guest Otto singt mit Udo

Nicht immer ist Lindenbergs extrem lässiger Gesang gut zu verstehen. Das Gesamtpaket ist allerdings so stimmig, dass man sich nicht daran stört. Die bildstarke Revue sorgt für reichlich Abwechslung. Etwa beim Boxkampf USA gegen Russland. Nicht zu vergessen die kiffenden rosaroten Flamingos, in die sich die Tänzer zwischendurch beim Song "König von Scheißegalien" verwandeln.

Das ist aber noch nicht der Höhepunkt des Abends. Denn ein ganz besonderer Special Guest sorgt mit einem Auftritt für Furore: Blödelbarde Otto performt mit seinem Kumpel Udo "Auf dem Heimweg wirds hell" zur weltberühmten Melodie von "Highway to hell".

Lindenberg selbst ist natürlich auch mit seinem ultracoolen Look, der längst sein Markenzeichen ist, ein Hingucker: Hut, Sonnenbrille, Röhrenhose, hüftlange Jacke mit Fantasie-Emblemen und natürlich die neongrünen Socken. Selbst diese modische Entgleisung kann sich Lindenberg locker leisten. Der Style dürfte kaum einem anderen so gut stehen.

Zum Schluss hat Lindenberg noch einen Tipp, wie wir die Welt wieder ins Lot bekommen können: "Mehr Panik!" Gute Idee. Dafür sollte Panik-Udo einfallen nonstop mit seiner fetten Show touren.

Hier finden Sie Informationen und Hinweise zu den Einlassbestimmungen der Mercedes-Benz Arena.

Udo Lindenberg live in der Mercedes-Benz Arena, Freitag, 7. Juni 2019 (Zusatzkonzert am Sonnabend, 8. Juni), Einlass gegen 18.00 Uhr, Showbeginn jeweils gegen 20.00 Uhr, Mercedes-Benz Arena, Mercedes-Platz 1, 10243 Berlin.