Mercedes-Benz Arena

Rod Stewart - 74 und kein bisschen leise

Rod Stewart begeistert mit seinen größten Hits beim stimmungsvollen Konzert in der Mercedes-Benz Arena.

Rod Stewart in der Mercedes-Benz Arena.

Rod Stewart in der Mercedes-Benz Arena.

Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

Berlin.  Nur ein glühender Fan des Fußballvereins Celtic Glasgow kann wohl auf die Idee kommen, ein Konzert mit einer Dudelsack-Fanfare zu eröffnen. Für Rod Stewart Ehrensache. Aber dann weht rasch ein Hauch von Las Vegas durch die Mercedes-Benz Arena beim erstem Song an diesem Abend. „Some Guys Have All The Luck“ ist nämlich auf satten vier Screens bebildert mit Impressionen aus Casinos. Immerhin hat der Weltstar dort eine Show. Nun jedoch begrüßt er bestens aufgelegt ein ebenfalls bestens gelauntes Publikum in der fast ausverkauften Konzert-Arena.

Cool und lässig mit dem typisch hochgegelten Blondhaar. Und mit gewohnt extravagantem Look. Nein, kein Sacko im Leoprint, sondern erst mal ein schwarzgoldenes Glitzerjackett zu einem schwarzweiß gepunkteten Hemd und schwarzroter Hose. Er schaut aus, wie ein dezent zerzauster Gentleman nach durchzechter Nacht.

Rod Stewart: Seine größten Hits im Gepäck

Mit 74 Jahren immer noch attraktiv und sexy - und kein bisschen leise. Im Gepäck hat Rod Stewart seine größten Hits sowie Stücke seines im letzten Jahr erschienenen Albums „Blood Red Roses“. Begleitet wird er dabei von seiner fabelhaft aufspielenden Soulpoprockband und Backgroundsängerinnen. Die Damen im schwarzweiß gepunkteten Minirock. Der passende Rahmen für den Womanizer Stewart.

Sound ist leicht durchwachsen

In der vorderen Reihe musizieren daher wohl auch fast nur Frauen. Darunter drei Multiinstrumentalistinnen, die auf Geigen und Harfe immer wieder für einen warmen keltischen Klang sorgen. Der Sound ist derweil leicht durchwachsen. Manchmal so laut scheppernd und in den Höhen gellend, dass Stewart kaum zu verstehen ist. Da wäre mehr drin gewesen. Was der Atmosphäre kurz vor dem Siedepunkt in keiner Weise schadet. Der Sänger weiß, was seine Fans erwarten und performt mit seiner markanten Reibeisenstimme beinahe ausschließlich seine Chartbreaker aus fünf Jahrzehnten.

Höchste Auszeichnungen der Musikbranche

Mit über 200 Millionen verkauften Tonträgern weltweit, darunter Hits wie „Baby Jane“ und „I Don‘t Want To Talk About It“ ist Rod Stewart einer der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten. Dabei wollte der 1945 in London geborene Britrocker ursprünglich mal Profifußballer werden. Längst aber wurden Rod Stewart die höchsten Auszeichnungen der Musikbranche zuteil, darunter der Grammy und ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Zudem erhielt der achtfache Vater 2016 seinen offiziellen Ritterschlag als „Sir Rod Stewart“ von Prince William im Buckingham Palace.

Auch gewohnt viele Coverversionen

Obwohl nie um einen Scherz verlegen, schlägt Stewart, mittlerweile im klassischen Leoprint-Hemd, auch ernste Töne an. In dem Song „The Killing Of Geoergie“ erzählt er von der Ermordung eines schwulen Freundes in New York. Doch allzu lang hängt er der Trauer nicht hinterher. Nahtlos folgt mit „Maggie May“ eines seiner herausragendsten Stücke. Und Stewart würdigt mit „Sweet little Rock’n’Roll Chuck Berry, was den Saal endgültig zum Toben bringt. Natürlich gibt es auch, wie man es von Stewart kennt, viele Coverversionen. Diesmal vor allem im Akustik-Set.

Auftakt macht das wunderschöne „Reason To Believe“. Es folgt „I Don’t Wanna Talk About It“, sehr gefühlvoll, mit viel Geigen-Sentiment. Definitiv etwa fürs Herz. Dabei verwandelt sich die Halle in ein Lichtermeer. Und die Zuschauer singen aus tausenden Kehlen mit. Getoppt wird das Lied dann aber von der melancholischen Cat-Stevens-Ballade „The First Cut Is The Deepest“. So hingebungsvoll interpretiert, dass man am liebsten auf die Repeat-Taste drücken würde. Spätestens da ist das jetzt silberne Hemd bis zur Brust aufgeknöpft, blitzt ein schweres silbernes Kreuz im Ausschnitt.

Danach geht es mit erhöhter Schlagzahl weiter. Die Damen übernehmen mit dem druckvollen Fleetwood-Mac-Cover „Go Your Own Way“. Der Meister selbst legt locker nach. Mit dem rockigen „Stay With Me“, bei dem der brillante Saxophonist einmal mehr mit einem genialen Solo zu überzeugen weiß. Es folgt der Discokracher „Da Ya Think I’m Sexy“, bei dem es Luftballons regnet. Ein Bild, wie bei einem gigantschen Kindergeburtstag.

Dass dann noch auf der Leinwand zu den Klängen von „Sailing“ ein poetischer Mond aufgeht, macht das Gute-Laune-Konzert perfekt.