Prestigeprojekt

Humboldt Forum öffnet 2019 - aber nur ein bisschen

Das Schloss soll Ende 2019 nur ein wenig eröffnet werden. Die Sammlungen sind wohl erst ein Jahr später zu sehen.

Besucher fotografieren bei den Tagen der offenen Baustelle auf dem Gelände des Humboldt Forum.

Besucher fotografieren bei den Tagen der offenen Baustelle auf dem Gelände des Humboldt Forum.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance/dpa

Berlin.  Die Kritiker des größten und teuersten Kulturbauvorhabens seit der Wiedervereinigung sehen sich bestätigt: Das Prestigeprojekt Humboldt Forum im Berliner Schloss wird zwar Ende 2019 schrittweise eröffnet – doch die Sammlungen werden wohl frühestens im Frühjahr 2020 zu sehen sein. Dies berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf interne Papiere des Stiftungsrates der Schlossstiftung.

Laut den sogenannten Eröffnungsszenarien, über die der Stiftungsrat auf seiner Sitzung am 20. November beraten wird, sollen 2019 lediglich zwei Sonderschauen gezeigt werden, dazu Restaurant-, Bistro- und Shopbereiche in Betrieb gehen. Selbst die Eröffnung der eigentlichen Ausstellungen im Frühjahr 2020 sei unsicher. „Es gibt keine zeitlichen Puffer mehr“ für Verzögerungen, heißt es. Insofern stünden „alle Angaben unter Vorbehalt“. Der Verdacht eines Baudesasters wie beim Großflughafen BER oder den Verzögerungen bei der Eröffnung der Staatsoper drängt sich auf.

Schrittweise Eröffnung in fünf Etappen

Die Stiftung, die als Bauherr des Berliner Schlosses mit dem Humboldt Forum fungiert, dementierte den Bericht am Freitag auf Anfrage der Berliner Morgenpost nicht. Statt einer Auskunft, wann denn die Sammlungen des Ethnologischen Museums, des Museums für Asiatische Kunst, der Humboldt-Universität sowie des Stadtmuseums Berlins zu sehen sein werden, verwies deren Sprecher auf die mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) abgesprochene etappenweise Eröffnung des Humboldt Forums. Diese sehe fünf Phasen vor, die sich, beginnend mit der Fertigstellung des Gebäudes in der zweiten Jahreshälfte 2019, mit den Eröffnungen der einzelnen Dauer- und Sonderausstellungen über das Jahr 2020 erstrecken, hieß es. Eine Eingrenzung der Zeitfenster sei deshalb erst im zweiten Quartal 2019 möglich, so die Stiftung.

Den von der „Süddeutschen Zeitung“ erhobenen Vorwurf, dass die kostbaren Exponate wie die Südseeschiffe, die dort seit Monaten in Kisten lagern, nicht nach „konservatorischen Prinzipien“ auf die Schlossbaustelle gebracht wurden, weist die Stiftung vehement zurück. Deren Einbringung sei eng mit den Experten abgestimmt gewesen und „von ihnen in jeder Phase fachlich begleitet“ worden. Zudem würden die verpackten Exponate in bereits klimatisierten Sälen gelagert.

Für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses sind 615 Millionen Euro veranschlagt. Davon trägt der Bund 483 Millionen Euro, das Land Berlin 32 Millionen Euro. Weitere 105 Millionen Euro sollen durch private Spenden, insbesondere für die historische Fassade, zusammenkommen. Nach Angaben des Fördervereins Berliner Schloß sind bislang 85 Millionen Euro eingeworben worden.

So schön wird das Berliner Schloss

2019 soll es soweit sein: Das neue Schloss eröffnet an alter Stelle. 2013 wurde mit dem Rohbau angefangen. 2015 wurde Richtfest gefeiert. Die 41.000 Quadratmeter sollen für Museen und Veranstaltungen genutzt werden.
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