Aus Hamburg

Vogtherr wird neuer Generaldirektor der Schlösserstiftung

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat mit Christoph Martin Vogtherr einen neuen Generaldirektor.

Christoph Martin Vogtherr

Christoph Martin Vogtherr

Foto: picture alliance / Christian Charisius/dpa

Der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Christoph Martin Vogtherr, wird neuer Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). In nichtöffentlicher Sitzung habe der Stiftungsrat über die Personalie entschieden, teilte das Brandenburger Kulturministerium mit. Die Stelle ist vakant, weil der bisherige Generaldirektor Hartmut Dorgerloh im Sommer zum Generalintendanten des Humboldt Forums Berlin berufen wurde. Er hatte das Amt 15 Jahre inne. Für seine Nachfolge gab es 30 Bewerber. Am Ende hatte sich das Bewerberfeld auf zwei Kandidaten verengt: Auf Vogtherr und den Berliner Landesarchäologen Matthias Wemhoff, der derzeit mit der Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ im Gropius-Bau große Erfolge feiert und nun Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin bleiben wird.

Experte für die Berliner Museumslandschaft

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, Vogtherr habe als Direktor der Hamburger Kunsthalle bewiesen, dass er mit wissenschaftlicher Forschung ebenso vertraut sei wie mit den Anforderungen an eine moderne, besucherfreundliche Kultureinrichtung: „Mit der Entscheidung für Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr können wir die wichtige Position des Generaldirektors der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mit einer exzellent qualifizierten Persönlichkeit sehr gut und zeitnah besetzen. Der Stiftungsrat freut sich auf die Zusammenarbeit mit Christoph Martin Vogtherr und erhofft sich eine weitere positive Entwicklung der SPSG, die als eine der bedeutendsten Kulturinstitutionen der Hauptstadtregion weltweit Anerkennung und Aufmerksamkeit genießt“, so die Kulturministerin.

Vogtherr ist erst seit 2016 Direktor der Hamburger Kunsthalle, in der Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart ausgestellt wird. Davor war der 53-Jährige fünf Jahre lang Direktor der Wallace Collection in London. Vogtherr studierte unter anderem Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Berlin, Heidelberg und Cambridge. Die neue Aufgabe ist für Vogtherr auch eine Rückkehr an eine einstige Wirkungsstätte: Von 1998 bis 2007 war er bereits Gemäldekustos bei der Schlösserstiftung. Auch auf dem historischen Feld ist er ausgewiesener Kenner der Berliner Museumslandschaft: Seine Dissertation aus dem Jahr 1996 beschäftigt sich mit der Gründung der Berliner Museen zwischen 1797 und 1835. Voraussichtlich zum 1. Januar 2019 wird Vogtherr die Arbeit in seinem Büro nahe dem Schloss Sanssouci aufnehmen, das von Preußenkönig Friedrich II. (1712–1786) erbaut wurde.

Vogtherr gilt nicht nur als exzellenter Kenner seines Fachs, sondern auch als international bestens vernetzt. Beim Hamburger Freunde der Kunsthalle e. V. zeigte man sich sehr betrübt, dass Vogtherr, ein „gebildeter, belesener und von Kunst begeisterter Mann mit exzellenten Beziehungen nach Frankreich und England, der sich so gut in der Stadt etabliert hat“, die Hansestadt verlässt. „Aber ich kann ihn verstehen“, sagt dessen Vorsitzender Ekkehard Nümann. „Auch ich würde einen Fünf-Jahres-Vertrag mit hohen Auflagen und Leistungsnachweisen eintauschen.“ Die Hamburger Kunsthalle hatte zuletzt mit Besucherverlusten zu kämpfen.

Das riesige Reich der Stiftung

Vogtherrs Verantwortungsbereich wird groß sein: Zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gehören 30 Schlösser und Gebäude aus dem 17. bis zum 20. Jahrhundert. Dazu zählen das Schloss Sanssouci ebenso wie das Schloss Charlottenburg, das Jagdschloss Grunewald, die Pfaueninsel, das Schloss Rheinsberg und viele andere Liegenschaften mehr. Hinzu kommen 800 Hektar denkmalgeschützte Parkanlagen und 100.000 Einzelkunstwerke, 150 Denkmäler und zahlreiche bauliche Anlagen in Potsdam, Brandenburg und Berlin. Die Stiftung wird gemeinsam vom Bund und den beiden Ländern Berlin und Brandenburg finanziert. Sie erhält zurzeit jährlich knapp 41 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Mittel aus dem Sonder­investitionspro­gramm, das bis 2030 läuft. 400 Millionen Euro kommen dafür vom Bund sowie von Berlin und Brandenburg. Zum Stab des Chefs der Schlösserstiftung gehören ungefähr 550 Mitarbeiter.

Zur Schlösserstiftung gehören auch unter anderem:

  • Schloss Sanssouci
  • Park Sanssouci
  • Neues Palais
  • Schloss Cecilienhof
  • Marmorpalais
  • Schloss Charlottenburg – Altes Schloss und neuer Flügel
  • Pfaueninsel
  • Jagdschloss Grunewald
  • Schloss Glienicke
  • Flatowturm im Park Babelsberg